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Mit Trails Into Reverie lieferte Falcom vor etwa einem Jahr den großen Epilog für die Crossbell- und Erebonia-Episoden der 2004 mit The Legend of Heroes: Trails in the Sky gestarteten Trails-Reihe. Ergibt dieser Satz für Euch jetzt spontan nicht allzu viel Sinn, dann ist das aufgrund des Umfangs und der Komplexität von Falcoms seit mittlerweile 20 Jahre laufendem, inhaltlich zusammenhängendem RPG-Epos nicht allzu verwunderlich. Aber gerade deswegen könnte Trails Through Daybreak nun auch etwas für Euch sein.
Denn obwohl auch dieses Abenteuer in der gleichen Welt und Kontinuität wie die zehn (!) vorherigen Episoden angesiedelt ist, stellt dieser Serienteil einen guten Einstieg für neue Abenteurer dar. Trails Through Daybreak spielt in der ausgesprochen modern wirkenden Calvard Republik, Hauptfigur ist ein junger Mann namens Van Arkride, der sein Auskommen als Spriggan verdient – eine Art Mischung aus Privatdetektiv und Dienstleister für durchaus auch mal fragwürdige Aufträge. Als er von der Schülerin Agnès Claudel beauftragt wird, ein gestohlenes Artefakt ihres Urgroßvaters zu finden, beginnt ein Abenteuer, das die beiden und später noch viele weitere interessante Mitstreiter durch ganz Calvard führt.
Spielerisch baut Trails Through Daybreak auf seinen Vorgängern auf, bringt aber wieder ein paar neue Ideen und Ansätze mit. Gegner werden rundenbasiert bekämpft: Ihr setzt normale Angriffe, Specials und Magie ein, auch Teamattacken löst Ihr durch cleveres Stellungsspiel gekonnt aus. Aber nicht jeder dahergelaufene Feind muss direkt zu einem Rundenkampf führen: Während große Brocken oder Bosse eine kluge Taktik erfordern, erledigt Ihr lästiges Kleinvieh auf Wunsch in bester Actionspiel-Manier mit simplen Schlagcombos und Ausweichrollen. Wird das mal eng, wechselt Ihr auf Knopfdruck in die Menükämpfe – ein ebenso cleverer wie spaßiger und frischer Ansatz! Technisch wird dagegen trotz einer neuen Engine weitgehend gewohnte Falcom-Kost geboten: Moderat detaillierte Figuren im Anime-Stil erkunden brauchbar animiert 3D-Szenarien mit frei drehbarer Kamera. Die angenehm abwechslungsreichen Locations sind grafisch ebenfalls nicht weltbewegend, aber dank klarer Formen, kräftiger Farben und gelungener Architektur doch ebenso wie die Charaktere ansehnlich.
Meinung
Thomas Nickel meint: Die Idee ist so clever wie überfällig: Kleinvieh wird in Echtzeit zerlegt, während knifflige Gegner schön taktisch-rundenbasiert bekämpft werden – und Ihr entscheidet weitgehend selbst, wann welches System zum Einsatz kommt. Schon dafür mag ich Trails Through Daybreak. Aber auch die interessante Welt und der moralisch durchaus mal ambivalente Protagonist wecken schnell Interesse – und das gilt in diesem Fall sowohl für Trails-Kenner als auch Neulinge. Tatsächlich bietet gerade diese Episode einen nahezu idealen Einstiegspunkt für alle, die ob der Masse an Trails-Abenteuern bisher abgeschreckt wurden. Klar, technisch kann das Abenteuer des kleinen Traditionsentwicklers Falcom nicht mit den Großproduktionen der Platzhirsch-Publisher mithalten. Aber mit sauberem Artdesign und nicht zuletzt einem Falcom-typisch exzellenten Soundtrack geht die Präsentation in Ordnung.
Wertung
sehr (neu-)einsteigerfreundlich
Runden- und Actionkämpfe
spannende Welt
Sympathisches Rollenspiel mit cleverem Kampfsystem, interessanter Welt und einer angenehm niedrigen Einstiegshürde für Serien-Neulinge.
Singleplayer86MultiplayerGrafikSound
