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Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Innovation als neue Idee oder Erfindung angesehen, wörtlich ist damit aber ’Neuerung’ gemeint. Wenn Yuji Naka, Erfinder von Sonic the Hedgehog, eine gewöhnliche Remote auf eine Pappschachtel stellt, auf dieser trommelt und der Bewegungssensor des Wii-Controllers die hervorgerufenen Schwingungen in Spielbewegungen umsetzt, dann darf man von Innovation sprechen. In Let’s Tap tut Ihr nichts anderes, als auf einen Pappkarton zu trommeln – das geht nicht nur erstaunlich flüssig von der Hand, sondern ist ebenso neuartig.
Alle fünf Minispiele (mit mehreren Levels) werden durch Klopfen bzw. Tappen auf eine Pappbox gespielt. Das kann eine Let’s Tap-gebrandete Schachtel sein oder beispielsweise ein Pizzakarton. Den meisten Spaß machen die simplen Spielchen im Multiplayer-Modus, so wie im ’Trommelrennen’. Hier führt Ihr 16 Hindernisrennen in stilvoll-reduzierter Optik aus. Bis zu vier Neon-Strichmännchen rennen um die Wette, balancieren über schmale Stege und pumpen Ballons auf. Leichtes, stetes Klopfen lässt Eure Figur joggen, ein harter Schlag führt einen Sprung aus. Der Bewegungssensor der Remote erkennt selbst leichte Vibrationen, so dass Siege oder Niederlagen keine Glückssache sind, sondern auf ein abweichendes Rhythmusgefühl schließen lassen. Weniger Spiel als kreatives Ausprobieren ist der ’Illustrator’, der kein Spielziel verfolgt. Löst ein Feuerwerk über japanischen Städten aus, malt Schriftzeichen oder lockt durch Kringel auf einer Seeoberfläche Fische an – geschickte Naturen ködern gar einen Wal. Je nach Takt Eurer Trommeleinlage ändern sich die Ereignisse und Muster.
Den Rhythmus im Blut fordert ebenfalls der ’Immer im Takt’-Modus, ein Donkey Konga-inspiriertes Musikspiel. 16 japanische Popsongs tappt Ihr auf einer Notenspur nach, darunter der eingängige Titeltrack. Optisch schlicht und spielerisch simpel gehalten, für eine Runde zwischendurch aber erfrischend anders – denn bis auf einen Pappkarton benötigt Ihr schließlich keine raumgreifende Peripherie. Das vierte Minispiel ist eine Jenga-Version, bei der Ihr nacheinander Teile herausklopft. Bei zu heftiger Trommeleinlage bricht der Turm zusammen. Einstürze sollt Ihr hingegen im letzten Spiel ’Sphäriker’ provozieren, denn in diesem Sidescrolling-Shooter stellen sich Euch allerhand Felsbrocken und Gegner entgegen. Und nebenbei zaubert Raketenbeschuss tolle Explosionen auf den Schirm.
Meinung
Philip Ulc meint: Let’s Tap ist extrem simpel – so simpel, dass Nichtspieler sofort loslegen können und schnell ihren Spaß mit der Klopferei haben. Es ist dabei so stilisicher inszeniert, dass Vielspieler nicht nur den arcadigen Ansatz der Minispiele, sondern auch deren minimalistischen Charme lieben werden. Bei all dem geschätzten Puritanismus muss sich Yuji Nakas Kleinod der Einfachheit aber eines vorwerfen lassen: Wo bleibt das Spiel? Mit zunehmender Dauer fällt auf, dass es der Minispielsammlung an Subtanz mangelt – in einer halben Stunde habt Ihr so gut wie alles gesehen. Mir macht es zwar nach wie vor Spaß, ungläubig dreinblickenden Frischlingen die gut funktionierende Steuerung zu erklären, auf Dauer ist dieser Geschicklichkeitstest aber eher etwas für meine Sammler-Vitrine.
Wertung
innovatives Steuerungskonzept, das den Controller (fast) vollständig ersetzt
5 Minigames mit mehreren Levels
japanophiler Soundtrack
poppige Optik
Stylische Minispiel-Sammlung mit innovativer Trommel-Steuerung, aber wenig Langzeitmotivation.
Singleplayer71MultiplayerGrafikSound
