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Mit seinem neuesten Survival-Horror-Titel wandelt Bloober auf den Pfaden von Dead Space, muss sich jedoch Isaac Clarke geschlagen geben.
In einem apokalyptischem, sehr nebeligen Polen müsst Ihr als mysteriöse Reisende im Raumanzug Menschen aus der Vergangenheit retten, um nach einem Virenausbruch der Menschheit eine Hoffnung zu geben. In der knapp 16-stündigen Kampagne wandert Ihr dafür meistens durch lineare Areale wie U-Bahn-Stationen, Krankenhäuser oder zerstörte Wohnblöcke, um Dimensionsrisse aufzustöbern, die Euch in der Zeit zurückbefördern. Nebenbei schnappt Ihr ganz viele Schriftstücke auf, die von der Seuche berichten – und offensichtlich von der Coronapandemie inspiriert wurden.
Die große Gefahr bleibt dabei über die gesamte Spielzeit fast gleich: Mutanten, die sich mithilfe von Leichen zu stärkeren Monstern weiterentwickeln können. Um das zu unterbinden, habt Ihr zwei Möglichkeiten: Entweder Ihr verbrennt die Leichen mit Feuer oder Ihr sorgt mit Waffengewalt für ein Ende der darwinistischen Bemühungen. Das Prinzip klingt zwar reizvoll, aber da Ihr es abgesehen von Säurespuckern im Grunde meist immer nur mit stärkeren Varianten eines Gegnertyps zu tun bekommt, schwächelt das Konzept über die lange Spielzeit.
Das liegt auch daran, dass sich Kämpfe wenig dynamisch anfühlen. Es gibt Manöver wie Ausweichen oder flotte Drehungen, aber im Grunde seid Ihr stetig dazu gezwungen, Eure Schüsse möglichst voll aufzuladen, da Euch sonst ganz schnell die Munition ausgeht. Schläge oder das aus Dead Space bekannte Trittmanöver sind zwar ebenfalls an Bord, aber da es selbst nach einem Upgrade wenig effektiv ist und Gegner eingeschränkt auf Angriffe reagieren, nutzt Ihr Nahkampfattacken hauptsächlich dazu, um Kisten mit Ressourcen zu zerstören.
Apropos Ressourcen: Euer Inventar ist insbesondere am Anfang sehr begrenzt. Jede Waffe, Feuerkapsel oder Munition benötigt einen Slot. Ebenso zusätzliche Objekte wie Wertgegenstände, Auflevel-Kerne oder Rätsel-Items wie Schlüssel. Sogar optionale Waffenfunde, die eigentlich nur eine Modifikation einer bekannten Knarre sind, müssen separat teuer aufgelevelt und ausgerüstet werden. Einen nicht unerheblichen Anteil der Spielzeit verbrachten wir daher mit Backtracking und Item-Management in den verstreuten, sicheren Basen. Das wird zusätzlich dadurch befördert, dass Ihr dort eine der Feuerkapseln kostenlos bekommt, die zum Öffnen diverser Wege nötig sind. Auch holt Ihr hier ständig Euren Bolzenschneider ab, um optionale Türen zu öffnen, die Euch meist reich belohnen. Die Entwickler hätten gut daran getan, dafür andere Lösungen zu finden oder diese Items nicht an das Inventar zu binden.
Diverse Rätsel, in denen Ihr Stromquellen verbindet, mit Gravitationsstiefeln an Wänden lauft oder die Zeit manipuliert, um kaputte Brücken und Mauern zu verschieben, sorgen für Auflockerung, sind aber sehr simpel eingebunden und dienen meist nur als Hindernis. Spaßige Kopfübergefechte oder das Errichten von Schutzwänden solltet Ihr nicht erwarten.
Die Geschichte selbst benötigt viel Anlaufzeit und nimmt erst im letzten Drittel Fahrt auf. Bis dahin bleibt vieles von der Spielwelt kryptisch. Auch nach dem ersten der erspielbaren Enden solltet Ihr nicht damit rechnen, dass Euch alle Fragen beantwortet werden und Ihr Euch zufrieden in den Sessel zurückfallen lassen könnt.
Meinung
Steffen Heller meint: Ich habe mich schwergetan mit Cronos. Die Kämpfe sind trotz sehr guter Grundidee in ihrer Ausführung wenig befriedigend. Das ständige Backtracking durch Platzmangel und Designprobleme sorgten eher für ein Gefühl von Genervtsein statt gruseliger Anspannung. Hinzu kommt, dass mich so manch erarbeiteter Perk- oder Waffenfund enttäuscht hat und sich wenig belohnend anfühlte. Zwei Bugs bei Bossfights, in denen der Gegner entweder nicht starb oder ich plötzlich auf eine unsichtbare Plattform katapultiert wurde, zeugten auch eher davon, dass hier Feinschliff noch gutgetan hätte. Trotzdem hat Cronos viele gute Seiten. Das automatische Speichersystem sichert Euch zuverlässig vor kniffligen Stellen ab, die polnischen Wohnblocks sind eine angenehme Abwechslung zu den üblichen US-Wohnungen und das Mutations-Feature sorgt dafür, dass jede Sekunde in Kämpfen mit Horden entscheidend sein kann.
Wertung
diverse Enden mit Spekulationsraum
”New Game +” und zweiter Schwierigkeitsgrad nach Finale anwählbar
Survival Horror mit interessantem Mutationskonzept, der jedoch aus all seinen guten Ideen mehr hätte herausholen können.
Singleplayer72MultiplayerGrafikSound
