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Lange beklagten Fans den innovativen Stillstand der Pokémon-Marke. 2022 lieferte das Spin-off Pokémon-Legenden: Arceus zwar nicht die Antwort auf alle Fragen, brachte aber einen erfrischenden und höchst willkommenen Richtungswechsel mit sich. Die darauffolgenden Hauptserien-Ableger Karmesin & Purpur machten wiederum vor allem mit ihrer desaströsen Technik Schlagzeilen. Verständlich also, solltet Ihr zwischen den Stühlen stehen, was Pokémon-Legenden: Z-A angeht. Tut die Spin-off-Fortsetzung es ihrem Vorgänger gleich und überzeugt mit frischen Ideen oder winkt ein vermeintlich halbherziges Projekt?
Euer Trip in die kreisrunde Hauptstadt der Kalos-Region wird gleich zum Auftakt von lästigen Taschendieben geschmälert. Ein Helfer in Not lässt Euch serientypisch eines von drei Starter-Pokémon wählen, mit dessen Hilfe Ihr Euer Hab und Gut kämpferisch zurückerobert. Ihr beeindruckt mit Eurem Talent, was Euch ein kostenfreies Zimmer im Hotel Z einbringt und einen Platz in den Rängen von Team MZ. Diese bunte Truppe widmet sich nicht nur der Bewerbung ihrer spärlich besuchten Absteige, sondern ebenso dem Erhalt der Stadt. In Illumina City mehren sich nämlich immer mehr Fälle von Taschenmonstern, die der Megamanie verfallen. Mit Unterstützung der Quazar Corporation, die ein friedliches Miteinander von Mensch und Pokémon innerhalb der Stadtmauern anstrebt, packt Ihr das Problem an. Die nette Prämisse zieht im Spielverlauf leider eine weitgehend belanglose Geschichte nach sich trotz grundsätzlich interessanter Bezüge zu Pokémon X & Y – aber die Storys waren nie das große Aushängeschild der Serie. Stattdessen erfüllt sie auch in Z-A ihren Zweck als Vehikel, um Euch von einem Kampf in den nächsten zu lotsen. Rückte Arceus die Keilereien noch zugunsten einer aufgebohrten Erkundung und dem aktiveren Fangen von Pokémon in den Hintergrund, stehen sie mit Z-A wieder ganz im Mittelpunkt der Spielerfahrung.
Das ergibt natürlich Sinn, geht mit den Kämpfen doch die wohl spannendste Neuerung einher. Ihr erinnert Euch: Waren bisherige Keilereien streng rundenbasiert, geht es im neuen Spiel in Echtzeit auf Tuchfühlung. Ihr gebt Euren Taschenmonstern weiterhin Befehle, mit denen nun jedoch Abklingzeiten einhergehen. Reichweite, Wirkungsbereiche und vor allem das Timing von Angriffen wollen ebenfalls bedacht werden. Übrigens nicht nur in der Offensive, sondern auch in der Defensive: Ihr lotst Eure Pokémon aus Gefahrenzonen oder ruft sie zeitig zurück, um feindlichen Angriffen zu entgehen.
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Das klingt auf dem Blatt äußerst spannend, geht in der Praxis allerdings nur bedingt auf. Oftmals vermisst Ihr das Gefühl, die volle Kontrolle zu haben. Eure Pokémon reagieren verzögert oder bewegen sich vor Einsatz eines Angriffes erst noch bequem an Eure Seite, sodass immer wieder ein vermeintlich günstiges Momentum verfliegt. Das gibt überlegten Manövern selbst bei Erfolg das Gefühl von Glückstreffern. Die Konsequenz: Über weite Strecken erwischten wir uns dabei, die Schwächen unserer Feinde mit entsprechend effektiven Angriffen zu bombardieren – gegnerische Treffer nahmen wir dabei billigend in Kauf. Die volle Kontrolle genießt Ihr zwar selten, am längeren Hebel bleibt Ihr aber doch immer, denn auch Z-A setzt auf einen niedrigen Schwierigkeitsgrad. Eilt Ihr nicht nur von einer Hauptaufgabe zur nächsten, klettern Eure Pokémon munter in der Stufe hinauf, sodass Ihr Euch fast nie wirklich herausgefordert fühlt.
Das mag ernüchternd klingen, aber seid versichert: Spaß hatten wir dennoch jede Menge. Das neue Kampfsystem unterhält trotz besagter Ecken und Kanten – vor allem im Kontext des titelgebenden Wettkampfs. Im Rahmen des ”Z-A Royale” messt Ihr Euch jede Nacht mit Trainern, bessert Euren Geldbeutel auf und sammelt Tickets, um Aufstiegsmatches zu bestreiten und so im Rang – von Z bis A – aufzusteigen. Hier bereitet die aktivere Echtzeit-Komponente Spaß, wenn Ihr Euch etwa an Trainer und ihre Pokémon heranschleicht, um sie mit einem heimtückischen Erstschlag zu überraschen. Am besten kommt das Kampfsystem aber in den regelmäßigen ”Bosskämpfen” gegen Mega-Pokémon zur Geltung. Sicherlich auch, weil diese besonders wilden Biester zumeist Euch als Trainer ins Visier nehmen – Ihr könnt Euch also aktiv um das Ausweichen kümmern, während Ihr Euren Pokémon Befehle gebt.
Außerhalb der Kämpfe greift der serientypische Sammelwahn. In diversen Wildzonen, aber auch auf den Dächern und in den Gassen der Stadt wartet ein bunter Mix von über 200 Monstern darauf, geschnappt zu werden. Vor dem Hintergrund ihrer visuellen Eintönigkeit kann man Illumina City als einzige – und überschaubare – Kulisse des Spiels durchaus als einen Rückschritt empfinden. Spielerisch ist das Quasi-Paris aber mit vielen Beschäftigungsmöglichkeiten gefüllt, die von kurzweiligen Nebenaufgaben über dröge Geschicklichkeitsparcours bis zu zahlreichen Modeboutiquen reichen.
Und wie stellt sich Z-A technisch an? Mit seiner sauberen Bildrate lässt der Titel die Schrecken von Karmesin & Purpur erfreulicherweise hinter sich, auch Bugs sind allenfalls eine Ausnahme. Davon ab präsentiert sich Z-A aber wieder ähnlich altbacken wie die letzten Spiele der Serie. Die visuellen Unzulänglichkeiten – wie flache Texturen, eine müde Beleuchtung und leblose NPCs – fallen angesichts des weniger abwechslungsreichen Schauplatzes umso mehr ins Auge. Das kann auch die merklich aufgebohrte Auflösung (auf Switch 2) nicht wettmachen.
Meinung
Kevin Pinhao meint: Als Fan von Pokémon-Legenden: Arceus habe ich der Veröffentlichung von Z-A mit Vorfreude entgegengeblickt und erfreulicherweise hat mich das Abenteuer – trotz Ecken und Kanten – gut unterhalten. Die neuen Keilereien bereiten Spaß, wenngleich nicht alle Ideen optimal von der Theorie in die Praxis übersetzt werden. Trotzdem empfinde ich die Experimentierfreude als lobenswert und würde ein überarbeitetes Kampfsystem auf dem hier etablierten Fundament in einem künftigen Ableger begrüßen. Lediglich die durchwachsene Technik und Präsentation frustrieren weiterhin zuverlässig. Vergleichbare Titel – wie das jüngst erschienene Digimon Story Time Stranger – überflügeln den vermeintlichen Genre-Primus in diesen Aspekten mit Leichtigkeit. Hier darf und sollte sich The Pokémon Company eine ordentliche Scheibe abschneiden.
Wertung
» Multiplayer-Modus ”Z-A Battle Club” mit exklusiven Belohnungen pro Saison
kostenpflichtige Erweiterung ”Mega-Dimension” für Februar 2026 datiert
”Z-A” sieht (etwas) besser aus und knüpft an die Experimentierfreude des Vorgängers an, überzeugt spielerisch aber wieder nur mit Abstrichen.
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