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Seit Links Abenteuern in Phantom Hourglass sind einige Jahrhunderte vergangen. Das über alle Inseln des Meeres verstreute Volk hat inzwischen trockenes Land gefunden und besiedelt. Aber in der neuen Heimat wartete eine Überraschung: Mitten im Land steht der riesige Turm der Götter, in dem Gerüchten zufolge der Dämonenkönig Marardo eingesperrt ist. Viele Kilometer Schienen, die durch das ganze Reich führen, versorgen diesen Turm mit Kraft. Klar, dass da schnell ein Eisenbahnbetrieb aufgenommen wird und es fortan der Wunsch eines jeden Jungen ist, Lokführer zu werden.
Nicht anders geht es unserem Helden Link. Doch als der stolz zur Prinzessin Zelda ins Schloss marschiert, um offiziell zum Lokführer ernannt zu werden, überschlagen sich die Ereignisse. So kommt es, dass die Schienen im Land verschwinden, der Turm der Götter sich in seine Bestandteile auflöst und Zeldas Körper als ’Gefäß’ für Marardos Rückkehr geklaut wird. Aber noch ist nicht alles verloren: Der Geist der Prinzessin verbleibt bei Link. Im übrig gebliebenen ersten Stock des Turmes erfahren die beiden, dass sie die Schienen wieder herstellen müssen, um Marardo zu bannen. Dafür gilt es, eine Tafel im Turm zu finden. Die wird mithilfe eines alten Weisen wieder mit Energie versorgt, so dass Link und Zelda schließlich mit Unterstützung des Zugs der Götter den entsprechenden Tempel aufspüren und das Schienennetz erneut mit Kraft versorgen können.
Wer den exzellenten Vorgänger Phantom Hourglass gespielt hat, der weiß, dass dieser trotz aller Qualitäten ein großes Manko hatte: Im Tempel des Meereskönigs wimmelte es von unbezwingbaren Gegnern. Zudem musste er immer und immer wieder unter Zeitdruck durchquert werden – rückblickend keine glückliche Designentscheidung. Nintendo sah dies offenbar genauso und gelobte, mit dem Turm der Götter alles wieder gutzumachen. Das Zeitlimit ist weg, Ihr braucht bereits absolvierte Stockwerke nicht mehr zu durchqueren. Und das Beste: Diesmal habt Ihr eines der im Vorgänger noch so verhassten Phantome an Eurer Seite. Zunächst müsst Ihr drei magische Tropfen finden, um stark genug zu sein, eines der Ungetüme von hinten verletzen zu können. Dann fährt Zeldas Geist in die leere Rüstung – und Ihr habt einen zuverlässigen Verbündeten, der es mit fast allem aufnehmen kann. Das Phantom lenkt besonders grimmige Gegner ab, läuft über Stachelböden und trägt Link sicher durch tödliche Lavagruben.
Genau wie Euren Helden steuert Ihr das etwas behäbigere Zelda-Phantom mit dem Stylus: Tippt das Symbol auf seiner schwarzen Rüstung an und zeichnet den Weg ein. Auch die übrigen Möglichkeiten des DS werden konsequent genutzt. Ihr notiert Hinweise direkt auf der Karte, zeichnet die Flugbahn des Bumerangs ein, sprecht bestimmte Worte in das DS-Mikro und pustet ordentlich, um mit Links Flöte des Landes zu musizieren.
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Große Strecken überwindet Ihr weder zu Fuß oder auf Pferderücken, noch per Schiff – als waschechter Lokführer steht Link der Zug der Götter zur Verfügung. Zeichnet im Schienennetz die gewünschte Route ein und los geht’s: Um Eintönigkeit bei den Reisen zu vermeiden, bekommt Ihr es auch hier mit Gegnern zu tun. Die haltet Ihr Euch mit einer Kanone vom Hals. Steht mal wieder eine Schweinekuh auf den Schienen, macht Ihr dem Fleckvieh mit der Zugpfeife Beine. Nähert Ihr Euch dem Zielort, will ähnlich wie bei Taitos ”Densha de Go“-Spielen eine saubere, punktgenaue Bremsung hingelegt werden. Außerdem lohnt es sich, die Augen offen zu halten: Hinter manchem Felsblock verbirgt sich ein flinker Hase, den Ihr dem hiesigen Tierfreund bringen solltet – als Dank wartet die ein oder andere hübsche Belohnung. Passt unterwegs nur auf die dämonischen Gegner-Lokomotiven auf, welche die Gleise unsicher machen: Eine Kollision mit ihnen ist immer fatal.
Zu den üblichen Dungeon-Rätseln kommen ein paar Puzzles dazu, die direkt von Professor Layton inspiriert scheinen: Mal müsst Ihr anhand von Hinweisen herausfinden, wie Ihr die eigenwilligen Bewohner des Schneedorfes am besten in Zweierteams einteilt. Mal sollt Ihr ein Labyrinth aus steinernen Köpfen durchqueren, ohne dabei in deren Gesichtsfeld zu treten – eine clevere und willkommene Abwechslung zu den Puzzles im klassischen Zelda-Stil. Vor allem für die Bosse braucht Ihr nicht nur ein ruhiges Stylus-Händchen, sondern auch eine Portion Grips: Viele der spektakulär inszenierten Kämpfe beginnen recht offensichtlich und stellen dann plötzlich die Regeln auf den Kopf. Wer seine Angriffe und Gegenstände nicht beherrscht und mitdenkt, wird sich schnell wieder am Dungeon-Eingang finden. Zum Glück ist das kein großer Rückschlag, dank zuvorkommend gesetzter Teleporter fordert Ihr den Boss gleich zur Revanche heraus.
Vier Tempel gilt es zu durchqueren, um den fiesen Marardo und seine Handlanger in ihre Schranken zu weisen. Das klingt zunächst nicht nach viel, aber tatsächlich sind diese verzweigten Labyrinthe nur eine Herausforderung von vielen – anders als in früheren Episoden, wo sie stets den Großteil des Abenteuers ausmachten. Denn während Ihr in den Tempeln in klassischer Weise alleine unterwegs seid, kommt Ihr durch die Stockwerke des Turms nur mit Hilfe. Letzterer kann nach jedem geschafften Tempel erreicht werden und lässt sich nur im Teamwork mit dem Zelda-Phantom meistern. Auch die Suche nach den Weisen ist mit allerlei Rätseln verbunden.
Ein Mehrspieler-Modus wurde ebenfalls auf das Modul gepackt, zum Testzeitpunkt konnten wir diesen aber noch nicht unter die Lupe nehmen.
Meinung
Thomas Nickel meint: Nintendo war konsequent: Auch wenn Spirit Tracks auf den ersten Blick aussieht, als habe man mit der Grafik von Phantom Hourglass schnell einen Nachfolger zusammengestrickt, steckt die wahre Leistung im Detail. Sämtliche Problemzonen des Vorgängers wurden nicht nur ordentlich ausgebügelt, ungeliebte Elemente wie der wiederkehrende Dungeon und die Phantome gehören nun auf einmal zu den stärksten Bestandteilen! Links neue Werkzeuge sind interessant und auf viele Weisen einsetzbar, die Steuerung geht flott von der Hand. Die Bosse fordern Hirnschmalz sowie Fingerfertigkeit und die neuen Puzzle-Einlagen lockern den Spielablauf angenehm auf. Schade ist nur, dass Nintendo Euch in jeder Zelda-Episode etwas mehr an die Hand nimmt. Wer die frühen Teile vor allem aus Forscherdrang gespielt hat, für den fühlt sich das neue Abenteuer im wahrsten Sinne des Wortes an wie auf Schienen.
Wertung
gelungene Grafik
fantastische Rätsel
neue Teamwork-Möglichkeiten
erkundet Hyrule per Bahn
keine unnötigen Endlos-Märsche mehr
Technisch und spielerisch makelloses Abenteuer, das sämtliche Kritikpunkte des Vorgängers ausmerzt.
Singleplayer91MultiplayerGrafikSound
