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Kaum wacht Legenden-Vampir Phyre nach ein paar Hundert Jahren Schlaf auf, schon steckt er mitten im Machtkampf im vampirischen Königshaus von Seattle. Als hätte er nicht bereits genug damit zu kämpfen, dass mit Vampir-Detektiv Fabien eine zweite Persönlichkeit in seinem Kopf festsitzt und ein mysteriöses Zeichen auf seiner Hand die Kontrolle innehat.
Zu Beginn entscheidet Ihr Euch für einen von sechs Vampir-Clans, was über Eure Talente bestimmt. Diese sind grob in Kampffähigkeiten oder Tricks eingeteilt, mit denen Ihr zum Beispiel Feinde sich selbst ausschalten lassen könnt oder per Teleport in deren Rücken auftaucht, um ihr heilendes Blut zu naschen. Euer Set an Fähigkeiten ist in Windeseile freigeschaltet. Erfahrungspunkte und Level-ups dienen in erster Linie dazu, dass Ihr Euch die Fähigkeiten der anderen Clans ebenfalls aneignen könnt. Zusätzlich benötigt Ihr jedoch auch spezielles Blut, das Ihr Euch von seelenlosen NPCs besorgt. Diese lockt Ihr am besten in einsame Gassen. Macht Ihr das nicht, fliegt die Maskerade auf und Euch ereilt der Spieltod.
Das Spielerlebnis wechselt regelmäßig zwischen Euren beiden Figuren. Bei Nacht seid Ihr Phyre. Ihr düst im Eiltempo über die Dächer der überschaubaren Stadt und erledigt actionreiche Missionen für Eure sehr redseligen Auftraggeber, in denen ungünstig designte Schleicheinlagen und Kämpfe im Vordergrund stehen. Beides erinnert zwar entfernt an Dishonored, jedoch ist hier alles ein wenig kleiner und einfacher gehalten. Abseits der Fähigkeiten hämmert Ihr meist eher wild auf den Angriffsknopf und die Ausweichtaste. Sehr präzise fühlt sich das nicht an. Cool ist jedoch die Möglichkeit, dass Ihr per Telekinese Schusswaffen aufnehmen und abfeuern könnt.
Geht Ihr schlafen, erlebt Ihr als Fabien Detektivfälle aus seiner Vergangenheit. Hier könnt Ihr Euch nur zu Fuß durch die recht leblose Stadt bewegen. Das Spiel schickt Euch dabei schon fast provozierend oft zwischen den gleichen Schauplätzen hin und her, um durch Gespräche Hinweise zu erhalten. Fabien hat zwar die Fähigkeit, seine Gesprächspartner, Tote oder sogar Gegenstände wie Aktenschränke für Informationen zu manipulieren, aber hier gibt Euch das Spiel im Grunde alles vor, sodass Ihr nichts falsch machen könnt. Das gilt auch für Euren Einfluss auf die Geschichte. Ihr bekommt zwar ständig Benachrichtigungen, wie Euer Gegenüber auf Eure Frechheiten oder Einschmeichelversuche reagiert, die Story verläuft trotz abgewandelter Dialoge aber auf einem engen, vorbestimmten Pfad.
Meinung
Steffen Heller meint: Das Sequel hat nur wenig mit dem Vorgänger gemein? Was soll’s! Der storylastige Start des Spiels ist verdammt stark, die Phyre-Missionen werden im späteren Verlauf durchaus unterhaltsam und die englischen Darsteller liefern eine tolle Performance ab. Aber das Missionsdesign ist streckenweise unterirdisch. Mir graute es jedes Mal erneut vor Fabiens Abschnitten, die mir Bewegungsfreiheit nahmen und deren coole spielmechanische Idee spätestens in der zweiten Nacht zerfällt. Statt die Story durch schlechte Detektivarbeit zu beeinflussen, wiederhole ich einfach nur per Versuch und Irrtum die Gespräche, bis das Ergebnis passt. Selbst die RPG-übliche Level-up-Karotte funktioniert nicht, da ich mit Fähigkeiten-Punkten bloß Skills freischalte, die nicht mächtiger, sondern nur anders sind. Und dafür soll ich banalste Fetchquests erledigen oder leblosen NPCs repetitiv das Blut aussaugen? Das erscheint mir eher als Raub meiner kostbaren Lebenszeit.
Wertung
nur geringer Einfluss auf die Story
regelmäßig kleinere Bugs
DualSense-Features bleiben ungenutzt
Das Sequel dampft den Rollenspielfaktor auf ein Minimum ein. Die glänzenden Storymomente werden von spielerischer Langeweile überschattet.
Singleplayer63MultiplayerGrafikSound
