In nur 7 Tagen habe ich 70 Stunden in ein Rogue-Like gesteckt, das besser als Slay the Spire ist

MeinMMO-Dämon hat sich in den letzten Tagen ein wenig verausgabt. Schuld daran ist ein Rogue-Like, das andere Spiele in den Schatten stellt.

Rund um Weihnachten gibt es in meinem Freundeskreis die Tradition, dass man sich kleine Spiele auf Steam oder anderen Plattformen schenkt. Einfach als kleine Aufmerksamkeit oder aber, um der anderen Person mit Nachdruck zu sagen: „Dieses Spiel fand ich super und ich erwarte von dir, dass du es auch spielst, damit wir gemeinsam darüber abnerden können.“ Ihr wisst schon: Ein wenig aktiver Druck, damit Freunde und Bekannte auch mal wirklich gute Spiele zocken und nicht immer den Schund, mit dem sie sonst so ihre Lebenszeit vergeuden.

Damit ich nicht mehr nur Alten Göttern in Dating Sims nacheifere, hat man mir „Knock on the Coffin Lid“ geschenkt. Ich war erst ein bisschen skeptisch, habe mich dann aber darauf eingelassen – und habe die letzten Wochen so viel Zeit hineingesteckt, wie in kaum ein anderes Spiel dieser Art zuvor.

Was ist das für ein Spiel? Knock on the Coffin Lid ist ein taktisches Rogue-Like und zugleich ein Kartenspiel. Denn welche Fähigkeiten man benutzen kann, entscheiden die gezogenen Karten aus dem Deck. Ist das Deck aufgebraucht, werden die Karten wieder neu in den Ziehen-Stapel gemischt. Da ihr nur begrenzte Ressourcen habt, müsst ihr immer überlegen, welche Karten ihr ausspielt und auch in welcher Reihenfolge – nicht genutzte Karten verlassen am Ende der Runde nämlich die Hand.

Ihr beginnt die Reise jedes Mal beim mysteriösen Mortis, der euch nach dem Tod wiederbelebt und die Zeit zurückgedreht hat. Von dort aus wählt man einen Pfad voller unterschiedlicher Ereignisse. Es gibt klassische Kämpfe gegen Feinde, aber auch Events, bei denen man Entscheidungen treffen kann. Untersucht man die finstere Höhle? Plündert man die Leiche des ermordeten Spähers? Hilft man den Goblins beim Töten eines Ogers? Rettet man das Dorf vor den Dämonen oder hilft man den Dämonen?

Je nachdem, welche Entscheidungen man trifft, gibt es unterschiedliche Belohnungen und Konsequenzen. Manchmal hagelt es Debuffs, andere Male verliert man Karten oder gewinnt neue, mal bekommt man einen temporären Begleiter oder eine schicke Waffe.

Wer plant, gewinnt – wer nicht plant, fängt von vorne an

Wie laufen die Kämpfe ab? Das Herzstück des Spiels ist natürlich das Kampfsystem und das dürften die meisten bereits aus Spielen wie „Slay the Spire“ oder „Rogue Lords“. Ihr seht die Absicht der Feinde und wisst im Vorfeld genau, welche Zauber oder Effekte sie wirken, wie viel Schaden sie verursachen und welche Stärkungseffekte sie haben.

Wer “Slay the Spire” gespielt hat, fühlt sich gleich heimisch.

Dadurch wird das Ganze zu einem Puzzle-Spiel: Schaffe ich es, den Feind vor seiner Runde zu besiegen, damit er keinen Schaden verursachen kann? Oder baue ich genug Schild-Energie auf, damit ich den Schaden einfach schlucke? Der Gegner greift 4x in Folge mit schwachen Angriffen an – kann ich eventuell „Dornen“ auf mich wirken, damit er 4x Schaden erleidet und während seiner Attacke besiegt wird?

Die taktische Vielfalt ist hier ziemlich umfangreich und wird nur noch dadurch gesteigert, dass 3 Charaktere mit jeweils 4 Sub-Klassen zur Auswahl stehen. Doch selbst mit der gleichen Sub-Klasse wird kaum ein Durchlauf wie der andere sein, denn der Charakter kann ausgerüstet werden (Waffen, Schmuck, Rüstung, Tränke, etc.) und von Set-Boni profitieren.

Ja, solchen liebevollen Dingern begegnet man auch mal.

Und ja, dabei sollte man sich wirklich manchmal die Buffs und Debuffs genau durchlesen. Ich habe mich schon einige Male selbst ins Jenseits befördert, indem ich eine ganze Salve abgefeuert habe, während der Gegner einen Buff hatte, der sich ungefähr so las: Für jeden erlittenen Treffer in diesem Zug, erhöht sich die Anzahl der ausgeführten Angriffe um 1 in der nächsten Runde.

Genau dieses Lernen aus Fehlern ist aber fester Bestandteil der Spielerfahrung – und dann beginnt man eben noch einmal von vorne.

Was macht das Spiel besonders? Die Story und Vielfalt der Möglichkeiten. Denn dadurch, dass der gewählte Charakter Mortis seine aktuelle Geschichte immer erzählt, erhält man zunehmend neue Informationen.

Zwei kleine Beispiele:

Beim Wachposten einer Stadt müsst ihr entscheiden: Wollt ihr die dämonische Wache angreifen oder den Wegzoll von 500 Gold bezahlen? Wenn man das Gold bezahlt, erzählt Mortis später: „Ach, du hättest doch einfach feilschen können, um den Preis runterzuhandeln.“ Das ist dann eine Option, die beim nächsten Durchlauf zur Verfügung steht.

Die Zwergen-Späher: Ein Elite-Spähtrupp voller (betrunkener) Zwerge fällt über meinen Ritter her und scheint irgendwie aufgebracht und wütend zu sein, ohne klar ersichtlichen Grund. Erst, wenn wir bei einem weiteren Durchlauf einen ganz anderen Weg einschlagen, finden wir ihren Kommandanten, mit dem wir uns anfreunden können. Bei folgenden Durchläufen können wir die Zwerge dann besänftigen, indem wir von ihrem Kommandanten erzählen – damit lässt sich der Kampf dann vermeiden.

Vanadis hat einen ganz anderen Spielstil als Persival oder Bjorn – und alle haben 4 Klassen.

Das sind beides nur kleine Details, aber Knock on the Coffin Lid steckt voll davon. Es lohnt sich, jedes Mal einen anderen Weg einzuschlagen und neue Entscheidungen in den Events zu treffen, um mehr von der Story zu erfahren und mehr Optionen freiuzuschalten.

Wo gibt es das Spiel? Knock on the Coffin Lid gibt es auf Steam für rund 21 €. Gemessen an meinen Spielstunden, ist das Rogue-Like den Preis aber auf jeden Fall wert. Wem das zu hoch ist, der kann natürlich auch auf einen Sale warten, wenn das Spiel sicher reduziert angeboten wird.

Für wen eignet sich das Spiel? Im Grunde für alle, die ein kleines Faible für taktische Rogue-Likes haben. Wer „Slay the Spire“ mochte, benötigt im Grunde gar keine Umgewöhnung – denn das Spiel benutzt sogar weitestgehend die gleichen Begrifflichkeiten, bietet aber viel mehr Story und daher auch eine größere Motivation, sich doch noch ein weiteres Mal auf die Reise zu machen, um Mortis’ Wünsche zu erfüllen.
Und wenn ich doch irgendwann die Lust verliere, gehe ich eben wieder zu meiner Ziegen-Göttin …

Der Beitrag In nur 7 Tagen habe ich 70 Stunden in ein Rogue-Like gesteckt, das besser als Slay the Spire ist erschien zuerst auf Mein-MMO.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *