Dragon Quest I & II HD-2D Remake – im Test (PS5 / Switch / Switch 2)

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Spiel:Dragon Quest I & II HD-2D RemakePublisher:Square EnixDeveloper:ArtdinkGenre:RollenspielGetestet für:PS5, Switch, Switch 2Erhältlich für:PS5, Switch, Switch 2, XSXUSK:12Erschienen in:12 / 2025

1986 sind die Heldenprobleme noch überschaubar: Es gilt, die Prinzessin zu retten und den Drachenfürsten zu verprügeln. Ganz ohne gespaltene Persönlichkeiten, Verräter in den eigenen Reihen, komplexe Magie-Systeme oder wilde Storywendungen, die alle zehn Stunden den Plot auf den Kopf stellen.

Archaisch oder direkt auf den Punkt? Das ist hier die große ­Frage. Denn ja, mit Dragon ­Quest machte Yuji Horii vor fast 40 ­Jahren das Rollenspiel-Konzept beim japanischen Konsolen­publikum populär. Aber erst das 1988 erschienene und im letzten Jahr ­wiederveröffentlichte ­Dragon Quest III brachte den großen Durchbruch und prägte das ­Genre in der Form, wie wir es ­heute kennen. Da ist es nur gut, dass Square Enix und ­Entwicklerstudio Artdink die ers­ten beiden in ihrer ursprünglichen Weise recht archaischen Episoden inhaltlich und spielerisch unverändert in ein modernes Grafik­gewand stecken.

Für das erste Dragon Quest bleiben Prämisse und auch der Solo-Held erhalten, ergänzt wird aber eine ganze Menge Drumherum. Inhaltlich gibt es neue Zwischensequenzen und Figuren, mit denen Ihr interagiert, um die Welt und ihre Bewohner etwas auszuschmücken. Wichtige Dialoge sind von wahlweise englischer oder japanischer Sprachausgabe untermalt und machen die Geschichte um das vom Drachenfürsten geplagte Königreich und die entführte Prinzessin Gwaelin gleich ein gutes Stück interessanter.

Spielerisch erhält Euer hornbehelmter Held, ein Nachfahr des Protagonisten von Dragon Quest III, eine Menge neue Waffen und Skills. Setzte das Originalspiel ausschließlich auf Kämpfe gegen einzelne Monster, bekommt Ihr es im Remake jetzt auch mit Gegnergruppen zu tun. Und um mit denen gut fertig zu werden, nutzt Ihr neue Waffen wie Bumerang oder Peitsche – mit denen haltet Ihr gleich mehrere Ungeheuer in Schach. Ebenso wichtig sind ­frische Zauber und Spezialangriffe, die Ihr über gefundene Schriftrollen erlernt. Buffs und Debuffs helfen vor allem bei Bosskämpfen, genauso ist es auch mal taktisch klug, bestimmte Monster mit einem Schlafzauber zu belegen.

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Das zweite Dragon Quest ist heute vor allem für seinen hohen Schwierigkeitsgrad berüchtigt. Yuji Horii und sein Team stellen dem neuen Helden nun im Laufe der Geschichte zwei Kameraden zur Verfügung, die dann Seite an Seite mit ihm kämpfen.
Das wirkt erst einmal wie eine große Erleichterung, hatte im Originalspiel aber seine Tücken. Eure Begleiter begannen auf Charakterstufe 1 und mussten zunächst ordentlich gelevelt werden, damit sie tatsächlich eine Hilfe für den Helden darstellten. Beim Remake wurden darum nicht nur die Startstufen Eurer Weggefährten angepasst, sogar eine komplett neue Figur – die Prinzessin des Königreichs Cannock – stößt im Verlauf der Geschichte zur Heldentruppe und erhöht die Teamstärke von drei auf vier. Dazu kommen ähnliche Erweiterungen wie im ersten Teil – mehr Handlung, mehr Charaktere, frische Waffen und Spezialangriffe machen die Kämpfe interessanter und taktischer. Inhaltlich ist ebenfalls weit mehr los als beim Vorgänger: Ihr spielt einen Nachfahren des Helden des ersten Serienteils und kämpft mit Euren Cousins und Cousinen gegen den fiesen Priester Hargon, der das Land mit seinen Monsterhorden bedroht.

Beiden Spielen gemein ist die grafische Überarbeitung: Wo sich im Famicom-Original das Heldensprite feldweise und stets mit dem Gesicht zum Spieler durch simple, aber klar lesbare Szenarien bewegte, sind Helden, Passanten und Monster nun weit detaillierter und bewohnen eine hübsch dargestellte 3D-Welt voller Licht-, Wind- und Wassereffekte.

Square Enix führt den RPG-Doppelpack unter dem mit ”Octopath ­Traveler 2018 etablierten ”HD-2D”-Label, tatsächlich setzt es aber auf einen völlig anderen Look als die Octopath-Spiele oder auch ­Triangle ­Strategy: Die Sprites sind detaillierter und die Welt wirkt weit weniger pixelig als in den genannten Abenteuern. Während serien­typisch die kultigen 8-Bit-Soundeffekte beim Wirken von Zaubern beibehalten wurden, erklingt die Musik jetzt orchestral. Spielerisch behält man dafür die typischen Serienelemente bei: Gespeichert wird in Kirchen, gekämpft wird rundenbasiert und Monster greifen wie vor fast 40 Jahren nach dem Zufallsprinzip an – bei ­Dragon Quest wird ­Tradition eben großgeschrieben.

Meinung

Thomas Nickel meint: Eine gewisse Skepsis war vorhanden – Erweiterungen und neue Inszenierung hin oder her: Kann ein Urgestein wie das erste Dragon Quest 2025 noch fesseln? Tatsächlich ja. Denn gerade ohne die heute so genretypischen Cutscenes, Storytwists und komplex-verschachtelten Systeme spricht es präzise den reptilienhaft gebliebenen Teil des Rollenspieler-Hirns an. Oder einfacher ausgedrückt: Zahlen gehen hoch – die Gamer sind glücklich. Stück für Stück erschließe ich mir die Weltkarte, neue Ausrüstung und regelmäßige Level-ups ziehen einst bedrohlichen Monstern den Zahn und jedes erreichte Dorf, jede überquerte Brücke fühlt sich wie echter Fortschritt an. Mit modernerem Balancing und angenehmer Spielgeschwindigkeit sind Dragon Quest und Dragon Quest II trotz simpler Story und einfacher Spielsysteme einfach flotte und wunderbar unterhaltsame Abenteuer ohne ausschweifende Exposition und Endlos-Tutorials – Rollenspiele auf ihre grundlegende Essenz heruntergebrochen und gerade wegen, nicht entgegen ihrer Einfachheit so spaßig.

Wertung

2 komplett überarbeitete RPG-Urgesteine
3 Schwierigkeitsgrade
zahlreiche Komfortfunktionen

Gelungene Rundum-Überarbeitung zweier Klassiker, die nicht trotz, sondern wegen simpler Story und einfacher Spielsysteme richtig Spaß machen.

Singleplayer81MultiplayerGrafikSound

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