Hinter den Cryptic Studios liegen turbulente Jahre und die Degradierung vom Entwickler Genre-definierender MMORPGs hin zum reinen Verwalter. Ein neuer Besitzer und die Rückkehr von Studio-Mitgründer Jack Emmert sollen die Wende bringen. MeinMMO hat mit dem Branchen-Veteranen gesprochen.
Wie steht es um Cryptic? In den vergangenen Jahren sah es zeitweise sehr düster für die 26 Jahre alten Cryptic Studios aus.
Ein 2017 angekündigtes MMORPG für Magic: The Gathering entpuppte sich als Flop und wurde in der offenen Beta eingestellt.
2021 kaufte der Embracer-Konzern mit Perfect World Entertainment die Mutterfirma von Cryptic.
2023 wurde Cryptic das Opfer der plötzlich notwendigen Sparmaßnahmen bei Embracer. Alle neuen Projekte wurden gecancelt, zudem gab’s Entlassungen.
Im März 2024 folgte die Meldung, dass Cryptic in Zukunft nur noch die bestehenden Services von Star Trek Online, Champions Online sowie Neverwinter verwalten soll. Zudem soll man bei Bedarf andere Teams unterstützen beziehungsweise ausbilden.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich eines der größten und erfahrensten MMORPG-Studios aus dem Westen zu einem reinen Verwalter bestehender Services entwickelt. Ein Studio wohlgemerkt, von dem fast alle final veröffentlichten Spiele bis heute live sind und jeweils eine kleine, aber feine Community besitzen.
Nur die Server von City of Heroes beziehungsweise City of Villains wurden zwischenzeitlich (genauer: 2012) abgeschaltet, doch lagen die Rechte da schon bei NCSoft. Aber: Dank des privat weiterentwickelten Homecoming-Projekts lebt auch dieses Superhelden-MMORPG bis heute weiter, und das sogar mit offizieller Erlaubnis vom Publisher.
Das unterstreicht, wie wichtig das Lebenswerk von Cryptic für viele MMORPG-Fans ist.
Neverwinter ist eines der MMORPGs, die bis heute von Cryptic mit neuen Inhalten versorgt werden.
Autoplay
Neustart nach 26 Jahren – mit neuer, alter Führung
Jetzt, Anfang 2026, herrscht eine Art Aufbruchstimmung bei Cryptic. Grund Nummer 1: Man konnte sich von Embracer und damit aus einer deprimierenden, weil sehr einschränkenden Situation lösen. Der neue Besitzer von Publisher Arc Games und Cryptic Games hört auf den Namen „Project Golden Arc, Inc“.
Grund Nummer 2 und ganz frisch angekündigt: Mit Jack Emmert kehrt einer der originalen Studio-Gründer zu Cryptic zurück, um dort als CEO in Zukunft die Richtung vorzugeben. Das Branchen-Urgestein hat an allen bislang veröffentlichten Cryptic-MMORPGs gearbeitet und zwischenzeitlich als CEO von Daybreak auch die Weiterführung von DC Universe Online mitverantwortet.
In den letzten Jahren hatte Emmert mit seinem eigenen Studio Jackalyptic Games an der Umsetzung eines Lebenstraums gearbeitet: der Entwicklung eines MMORPGs für Warhammer. Im Zuge eines Sparkurses stoppte der chinesische Konzern NetEase vergangenes Jahr jedoch die Finanzierung verschiedener Projekte aus dem Westen. Darunter war auch das Warhammer-MMORPG von Jack Emmert.
Bei Cryptic kann der Entwickler dieses unschöne Kapitel hinter sich lassen und nach vorn blicken. Doch was ist dort am Horizont zu sehen? Genau darüber hat MeinMMO mit Jack Emmert gesprochen.
Jack Emmert und seine neue Aufgabe bei Cryptic
MeinMMO: Jack, Hinter dir liegen turbulente Monate. Für das Team muss es unfassbar bitter gewesen sein, das Warhammer-MMORPG nach all der Arbeit zu den Akten legen und sich einen neuen Job suchen zu müssen … Magst du mich ein wenig von da aus mitnehmen? Wie blickst du auf diese Zeit, das eigene Studio und das Projekt zurück? Und wie kam es dann jetzt zur Rückkehr zu deiner alten Wirkungsstätte? Hat das vielleicht sogar etwas damit zu tun, dass Cryptic nicht mehr zu Embracer gehört und einen neuen Besitzer hat?
Jack Emmert: Das hat sogar sehr viel mit meiner Rückkehr zu tun. Und du hast recht, es war eine vernichtende Erfahrung. Ich bin an einem sehr dunklen Ort gelandet, als ich das Studio schließen musste. Als großer Warhammer-Fan nicht das Spiel machen und meine Vision umsetzen zu können, das war hart.
Ich war in Kontakt mit Yoon, dem CEO von Arc Games, und er fragte mich, ob ich zurückkommen möchte. Man hatte gerade die Trennung von Embracer in die Wege geleitet und plötzlich lag die Zukunft von Arc Games und Cryptic wieder in den eigenen Händen. Das war eine aufregende Entwicklung.
Genauso aufregend war es dann, zu einem Studio zurückzukehren, das es bereits 26 Jahre gibt. Das ist in keiner Branche eine Sache, die man einfach so schafft. Und mir gefiel der Gedanke, zurückzukommen und dabei zu helfen, den Grundstein für die nächsten 26 Jahre zu legen. Ich will dafür sorgen, dass Cryptic den Spielern auch in Zukunft etwas bedeutet und dass das Vermächtnis des Studios am Leben bleibt.
MeinMMO: Wir haben jetzt also Publisher Arc Games, die Cryptic Studios, den neuen Besitzer Project Golden Arc und die Finanzierung von XD Inc. Wie passen all diese Puzzle-Teile zusammen? Wer hat das letzte Wort, wenn es um die Zukunft von Cryptic geht?
Jack Emmert: Mein Boss, der CEO von Arc Games, hat mir gesagt: Jack, mach das, was du schon immer gemacht hast, was du auch immer tun möchtest. Und es gibt so viel, dass ich noch tun will. Jetzt liegt der Nummer-1-Fokus aber fürs Erste auf unseren aktuellen Spielen. Ich will wissen, wo sie im Detail stehen. Ich will die Teams kennenlernen. Ich will ihre heutigen Communitys kennenlernen. Auf alle anderen Ideen kommen wir zurück, wenn es die Zeit zulässt.
MeinMMO: Von außen war es in den letzten Jahren schwer einzuschätzen, was von dem alten Cryptic noch übrig ist. Daher frage ich mich: Wie viel steckt noch in einem der erfahrensten MMORPG-Studios aus dem Westen?
Jack Emmert: Tatsächlich arbeiten bei Cryptic noch viele der Leute, die ich vor 20 Jahren eingestellt habe. Aber es gibt natürlich auch neue Gesichter. Das ist bei einem Unternehmen dieser Größe ganz normal.
MeinMMO: Von welcher Größe reden wir denn? Aus wie vielen Mitarbeitern besteht Cryptic aktuell?
Jack Emmert: Oh, darüber können wir nicht … du weißt schon, das sind Interna. Lass es mich so sagen: Unsere Entwicklungs-Teams heute sind größer als zu dem Zeitpunkt, als ich damals Cryptic verlassen habe.
MeinMMO: Konntest du eigentlich auch einige Mitarbeiter von Jackalyptic mit in dein neues Abenteuer nehmen?
Jack Emmert: Das habe ich bisher noch nicht getan. Ich glaube, das ist auch nicht fair gegenüber den großartigen Leuten, die bereits in den Teams von Cryptic sind. Ich möchte nicht innerhalb der ersten Wochen alles über den Haufen werfen.
Klar ist, dass es unter Embracer einige harte Umwälzungen gab. Das ist mittlerweile etwa ein Jahr her. Alle, die jetzt da sind, sind für mich ein Teil von Cryptic. Und wir alle haben ein Ziel: Wie können wir unsere Spiele in Zukunft besser machen?
MeinMMO: Neuer Besitzer, die Rückkehr von dir … wie wirkt sich das auf bestehende Services wie Neverwinter, Star Trek Online und Champions Online aus? In der Vorab-Ankündigung heißt es, dass du das bestehende Spieleportfolio für eine neue Generation von Spielern neu aufbauen möchtest … was bedeutet das genau?
Jack Emmert: Das bringt eine Neubewertung der drei aktuellen Spiele mit. Man kann diese nicht einfach modernisieren. Sie wurden vor zehn, 15 Jahren gemacht. Man kann aber den Einstieg erleichtern und die Führung der Spieler durch den Start verbessern.
Ein Problem aller MMORPGs ist es mit der Zeit, dass sie immer umfangreicher und komplexer werden. Spieler, die vor Jahren gezockt und dann eine lange Pause eingelegt haben, schrecken oft davor zurück, zurückzukehren. Das anzugehen ist in diesem Jahr mein wichtigstes Ziel.
Wer heute mit Neverwinter anfängt, soll gut reinkommen und von Anfang an Spaß haben. Was sich alles über die Jahre geändert hat, soll keine Rolle spielen. Einfach loslegen und Spaß haben, und das auch mit Zugang zu den ganz neuen Inhalten.
Wir setzen uns also bei allen drei Spielen hin, um zu überlegen, wie wir das hinbekommen. Die Leute, die eines der Spiele damals geliebt haben, sollen sich wohl dabei fühlen, erneut zurückzukommen.
MeinMMO: Der Fokus liegt also auf den aktuellen Services. Es ist also zu früh, um sich schon mit Ideen für neue Projekte oder sogar konkrete Pläne zu befassen?
Jack Emmert: Ja, es ist noch zu früh, um über diese zu reden. Habe ich Pläne für die Zukunft? Sicher! Aber nichts davon ist konkret genug. Ich bin auch gerade erst zwei Wochen bei Cryptic. Es ist wirklich zu früh.
MeinMMO: Wo siehst du Cryptic in 10 Jahren? Was ist deine langfristige Vision für das Studio?
Jack Emmert: Ich möchte mindestens noch ein weiteres MMO veröffentlichen. Ich möchte dafür sorgen, dass Star Trek Online, Champions Online und Neverwinter auf PC sowie Konsolen ein gesundes Wachstum hinlegen. Es gibt andere IPs, die ich gern zum Leben erwecken würde.
MeinMMO: Kannst du Beispiele geben?
Jack Emmert: Warhammer natürlich. Ich habe noch nie ein Spiel zu Marvel veröffentlicht. Auch die antike Mythologie reizt mich als Setting, davon bin ich ein großer Fan. Und dann würde ich sehr gerne ein Fantasy-Piraten-Spiel machen. Das wäre was, das würde sehr cool sein.
Es gibt zwar eine Reihe von Spielen mit Piraten-Setting, aber ich würde eines machen, indem man ein untotes Schiff steuert und man kämpft gegen Fischmenschen, die auf Seeungeheuern oder sowas reiten. Das sind alles Dinge, die in meinem Kopf herumkreisen. Oh, ein neues Star-Trek-Spiel, das wäre so großartig. Genauso ein neues Spiel zu Dungeons & Dragons.
MeinMMO: Kannst du eigentlich verraten, für welches Warhammer-Universum das MMORPG gewesen wäre? Und wie groß ist die Chance, dass sich Cryptic dieser Franchise für ein neues Spiel annimmt?
Jack Emmert: Unglücklicherweise darf ich das nicht verraten, dafür bräuchte ich die Erlaubnis von Games Workshop.
MeinMMO: Die rechtliche Situation hat es dir wahrscheinlich auch nicht erlaubt, das Projekt einfach mit zu Cryptic zu bringen, richtig?
Jack Emmert: Genau. Und da kommt so viel zusammen, dass man aktuell nur spekulieren kann, was sich mit Blick auf die IP und das konkrete Projekt irgendwann ergeben könnte.
Die Zukunft der MMORPGs
MeinMMO: Du machst seit so vielen Jahren schon MMOs, hast an tollen Spielen gearbeitet, aber auch manch ein Projekt scheitern sehen. Wie hat sich die Entwicklung von MMORPGs in den vergangenen Dekaden aus deiner Sicht verändert? Gibt es heute Dinge, die man berücksichtigen muss, die damals keine oder kaum eine Rolle gespielt haben?
Jack Emmert: Das Gameplay von Moment zu Moment ist heute viel wichtiger. Taste A klicken und dann wirkt man automatische Angriffe, das passt einfach nicht mehr zum heutigen Markt. Man muss also sehr viel mehr Zeit und Handwerk investieren, damit die fundamentalen Sachen am Ende unterhalten.
Heute reicht es nicht mehr aus, Spieler mit Materialien für ein seltenes Rezept zu belohnen, sie wollen mehr. Alleine das macht bereits einen riesigen Unterschied im Vergleich zu damals aus.
MeinMMO: Was muss ein MMORPG aus deiner Sicht denn heute mitbringen, um in seiner Nische oder im Mainstream erfolgreich sein zu können?
Jack Emmert: Wenn eine große Gruppe von Spielern in einer in sich geschlossenen Umgebung kooperativ zusammenarbeiten muss, ist man auf einem guten Weg. Wir haben heute keine Games mehr, in denen 100 Spieler gemeinsam einen Drachen bekämpfen. Moderne Spiele machen so etwas nicht mehr. Früher haben MMOs so etwas aber getan, und das ist eine Sache, die MMOs besser machen können als alle anderen Genres.
MeinMMO: Throne and Liberty hat genau das versucht, aber es ist sehr auf Gilden fokussiert und die Hardcore-Gilden dominieren auf vielen Servern.
Jack Emmert: Für mich ist das okay. Als Entwickler müssen wir nur dafür sorgen, dass die Zugänglichkeit ausreichend hoch ist, und es gibt Wege, das zu erreichen. Für mich ist es einfach wichtig, dass Spieler wieder diesen Massively-Teil der MMORPGs fühlen, denn genau das hebt sie von anderen Spielen ab. Genauso elementar ist eine tiefe Progression für den Charakter, aber die ist immer wichtig.
MeinMMO: Es ist spannend zu beobachten, dass viele asiatische Entwickler heutzutage eher den gegenteiligen Weg gehen und sich in ihren MMO-Welten auf Inhalte für Solisten und kleine Gruppe fokussieren.
Jack Emmert: Ja, das ist etwas, das wir im Westen schon seit einiger Zeit sehen können. Daraus haben sich etwa Spiele wie Destiny ergeben. Dass das nun auch vermehrt in Asien passiert, überrascht mich nicht. Umso mehr, weil dort der Fokus auf Mobile viel größer ist und man daher mit gewissen technischen Limitationen zu kämpfen hat.
MeinMMO: Etwas, das mir in den letzten ein, zwei Jahren immer wieder aufgefallen ist: Entwickler scheinen den Begriff „MMORPG“ wann immer möglich zu vermeiden – besonders dann, wenn sie ein Spiel für die Konsolen positionieren. Im Jahr 2024 wurde New World: Aeternum plötzlich als „Online-Action-RPG“ neu vermarktet. Die Entwickler von ArcheAge Chronicles verwenden überwiegend dieselbe Bezeichnung. Ist der Begriff „MMORPG“ in deinen Augen toxisch geworden und mit negativen Assoziationen behaftet? Oder siehst du einen anderen Grund dafür, dass dieser Begriff gemieden wird?
Jack Emmert: Ich persönlich umarme den Begriff. Ich würde ihn nicht vermeiden. Ich kann mir aber vorstellen, dass manch einer fälschlicherweise glaubt, dass der MMORPG-Begriff negativ belastet ist. Durch Sachen wie Grind oder dass man sich für eine lange Zeit an ein MMO binden muss.
Gerade der enorm erfolgreiche Launch von New World hat aber bewiesen, dass auch heutzutage viele Spieler das MMO-Genre lieben. Das Spiel hat schnell über 10 Millionen Einheiten verkauft. Und es war ein MMO und wurde auch als solches vermarktet. Warum sollte man sich also davon distanzieren?
MeinMMO: Vergangenes Jahr wurde ja nicht nur das Warhammer-MMORPG eingestellt, sondern auch Projekt Ghost von Greg Street und das neue MMO-Projekt von Zenimax. Zudem steht hinter dem Herr-der-Ringe-MMO von Embracer ein riesiges Fragezeichen. Glaubst du, wir werden irgendwann noch mal ein ambitioniertes MMORPG aus dem Westen sehen, das über die Launch-Flitterwochen hinweg begeistern kann? Und auf welches bereits angekündigte Spiel setzt du die größten Hoffnungen?
Jack Emmert: Über die Projekte anderer möchte ich keine Vorhersagen treffen. Das wäre respektlos gegenüber den Kollegen. Ich hoffe, dass alle die aktuell angekündigten MMOs erscheinen und dass sie erfolgreich sind.
Die teuren Misserfolge der Vergangenheit sorgen heute dafür, dass niemand bereit ist, für ein großes MMO einen Scheck zu zücken. Ich glaube zwar, dass in diesen Fällen die initiale Strategie falsch war, aber ich verstehe auch, dass man heute vorsichtiger ist.
Zuletzt kamen viele der Finanzierungen vor allem aus China, aber das hört jetzt auch auf. Ich denke dennoch, dass MMOs heute erfolgreich sein können. Was die Spieler aber verstehen müssen: Es gibt nicht mehr diese großen Budgets von damals für die Entwicklung. Man kann nicht mehr einfach 100 oder 200 Millionen US-Dollar in ein neues MMO stecken.
Was man aber tun kann: Ein eher fokussiertes, überschaubar großes Projekt entwickeln und dieses mit der Zeit zu etwas Größerem wachsen lassen. Es gibt viele Spiele da draußen, deren aktuelles Fundament man leicht mit einem Update oder einer Erweiterung ausbauen könnte.
Ein Helldivers 2 könnte beispielsweise leicht mit Erweiterungen über die Jahre zu einem MMO gemacht werden. Das bedeutet nicht, dass sie das tun werden. Aber das ist das Modell, das heute funktionieren kann: Starte mit einem fokussierten Projekt. Vielleicht ist das dann nur ein 10-Stunden-Rollenspiel mit Koop-Mechanik.
Die erste Erweiterung ergänzt dann eine Open-World-Erfahrung, danach kommen dann vielleicht Raids, und so weiter. Und Schritt für Schritt hat man am Ende dann doch plötzlich ein 100-Millionen-Dollar-MMO, das eigentlich aus mehreren verbundenen Teilen besteht, die einzeln nur jeweils 25 Millionen Dollar gekostet haben.
MeinMMO: Ghostcrawler hatte genau diesen Weg auch beschrieben, als die Finanzierung für sein MMO Ghost gestoppt wurde. Plan B war es, aus dem aktuellen Prototypen erst einmal eine fokussierte Erfahrung zu bauen und diese dann nach und nach zur ursprünglichen MMO-Idee weiterzuentwickeln. Leider hat er auch dafür keine Investoren gefunden.
Jack Emmert und die Superhelden-MMORPGs
Du hast an City of Heroes / City of Villains, Champions Online und an Marvel Universe Online gearbeitet … als CEO von Daybreaks Studio in Austin lag DC Universe Online mit in deiner Verantwortung … man könnte also sagen, dass dich Superhelden-MMOs über deine Karriere hinweg begleitet haben. Hast du vergangenes Jahr den Steam-Start von Ship of Heroes mitverfolgt, das ja eine Art geistiger Nachfolger deiner Werke sein möchte?
Jack Emmert: Ich habe davon gehört, aber wahrscheinlich weiß ich mehr über das Wiederbelebungsprojekt City of Heroes Homecoming.
MeinMMO: Hat es dich eigentlich auch überrascht, dass NCSoft den Betreibern der Homecoming-Servern von City of Heroes die offizielle Erlaubnis für den Betrieb der Server gegeben hat? Und was macht das mit dir, dass ein Spiel, an dem du vor so vielen Jahren gearbeitet hast, bis heute eine so treue Community hat?
Jack Emmert: Ich glaube, das ist eine großartige Sache. Ich finde das wundervoll. Und es macht mich glücklich, dass all meine Spiele, die ich irgendwann mal veröffentlicht habe, heute noch spielbar sind. Das ist echt nicht schlecht.
MeinMMO: Mit all den Erfahrungen, die du gemacht hast … wie würde ein Superhelden-MMO heute aussehen, das von Jack Emmert kommt?
Jack Emmert: Ich würde die offene Welt einschränken und ein fokussiertes, urbanes Setting für das Spiel wählen. Die Missionen würden euch mit euren selbst erstellen Superhelden in die Innenbereiche der Häuser führen. Wahrscheinlich würde ich mich für Charakterklassen entscheiden. Ganz sicher würden individuelle Anpassungsmöglichkeiten für beispielsweise die Kostüme eine große Rolle spielen.
Aber jetzt kommt der spannende Punkt, denn das wollte ich schon immer machen: Damit sich die Stadt lebendig anfühlt, wirken sich die Aktionen der Spieler auf die Missionen und Gegner aus, die in der Stadt auftauchen.
Ein Beispiel: Je mehr man die kriminelle Bande Nummer 1 bekämpft, desto mehr verschwindet ihr negativer Einfluss von den Straßen. Es gibt weniger Graffiti an den Wänden, es fahren teurere Autos durch die Straßen. Was keiner wusste? Die Gang hatte einen geheimen Kult in seine Schranken gewiesen. Dieser kann sich nun in der Stadt breitmachen und Leute für seine Rituale entführen.
Stell dir eine ganze Stadt mit zahlreichen solcher Beziehungen vor, und wenn eine Sache passiert, ergibt sich daraus immer etwas Anderes. Bei jedem Einloggen weiß man nie, was gerade in der Stadt los ist.
MeinMMO: Das erinnert mich ein wenig an Everquest Next, nur ohne das Terraforming.
Jack Emmert: Ja, nur etwas mehr gescriptet. Everquest Next sollte noch etwas freier in seiner Sandbox sein, bei mir würde es mehr Abhängigkeiten geben.
MeinMMO: Hast du zum Abschluss unseres Gesprächs vielleicht noch ein Wort der Hoffnung für die vielen frustrierten MMORPG-Fans da draußen? Die letzten 10 Jahre waren sehr durchwachsen, was Neuerscheinungen angeht …
Jack Emmert: Wenn ihr jemals eines unserer Spiele gezockt habt – also Neverwinter, Champions Online oder Star Trek Online -, kommt zurück. Gibt den Spielen eine Chance. Ich spiele diese Games gerade selbst, nach 10 Jahren Pause, und im kommenden Jahr wird es nur darum gehen, diese Spiele kennenzulernen und die Communitys wieder zusammenzubringen.
Und während ihr, wie ich, erneut rein startet, gebt mir etwas Zeit. Denn es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass irgendwann ein neues MMO von mir kommt. Haltet die Ohren offen!
MeinMMO: Jack, ich danke dir sehr für die spannenden Einblicke und deine Zeit. Ich wünsche dir und dem Team bei Cryptic alles Gute!
Bis wir uns auf ein völlig neues MMORPG von Cryptic freuen dürfen, dauert es sicherlich mehrere Jahre. Doch kommen auch 2026 einige taufrische Online-Rollenspiele heraus. Die Neuerscheinungen, von denen wir uns aktuell am meisten erhoffen, findet ihr hier: MMORPGs 2026 – Die 8 hoffnungsvollsten Online-Rollenspiele, die dieses Jahr erscheinen sollen
Der Beitrag Cryptic is back! Unter neuer Führung will das große MMORPG-Studio aus dem Westen an alte Erfolge anknüpfen erschien zuerst auf Mein-MMO.
