Wichtige Entscheidungen können in Videospielen über den Ausgang der Geschichte und die Schicksale der Charaktere bestimmen, so auch in Cyberpunk 2077. Dort testete MeinMMO-Redakteurin Caro die Konsequenzen einer Entscheidung, die sie zuvor zutiefst verurteilt hätte – und muss sich eingestehen, dass sie ihre Aussage zurückziehen muss.
Spoilerwarnung! In dem Artikel wird über das Ende des DLCs von Cyberpunk „Phantom Liberty“, gesprochen. Wer das Ende des DLCs bereits kennt oder keine Probleme mit Spoilern hat, kann ohne Bedenken weiterlesen.
Bisher habe ich Phantom Liberty bereits zwei Mal durchgespielt. Bei meinem aktuellen und dritten Durchlauf war es dann vergangenes Wochenende so weit : Eine wichtige Entscheidung musste getroffen werden. Eine Entscheidung, die für verbündete Charaktere sowie auch V über Leben und Tod zu entscheiden scheint.
Entweder man verbündet sich mit Song So Mi, bekannt als Songbird, oder man hilft Solomon Reed und der FIA, die Netrunnerin zu fassen und die Bedrohung, die sie aufgrund ihrer Verbindung zu der gefährlichen Blackwall beherbergt, zu stoppen.
Für mich kam bisher immer nur ersteres in Frage. Die Parallelen zwischen Song und V sind sich so ähnlich, dass es sich für mich wie ein Verrat an V selbst und der Aufgabe der eigenen Moralvorstellung anfühlte, Songbird der FIA auszuliefern.
Wer auch immer es wagte, So Mi zu verraten und festnehmen zu wollen, wurde von mir zutiefst verurteilt, wie ich bereits in meiner Liste zu den schlimmsten Entscheidungen in Cyberpunk 2077 erklärte.
Da ich jedoch aus reiner Neugier wissen wollte, wie der andere Weg des großen DLC-Finales aussieht, entschied ich mich mit einem absichernden Speicherstand dazu, zu einer Verräterin zu werden. Ich stellte mich auf Reeds Seite und spielte den Weg, den ich sonst nie mit gutem Gewissen gewählt hätte.
Nach den weiteren Stunden im Spiel muss ich nur leider zugeben … Ich habe den alten Speicherstand nicht mehr genutzt. Ich blieb bei meiner Entscheidung. Und das nur, weil meine V und damit auch ich eine Schwäche für coole Waffen haben.
Anstelle eines guten Gewissens und lebensrettender Hilfe erhielt ich etwas viel Cooleres
Wenn man Song verrät, erhält man ein komplett anderes Endgame des DLCs als das, wenn man sich auf ihre Seite stellt. Anstatt ihr zu ihrer Flucht zum Mond zu helfen, muss man einer von der Blackwall korrumpierten So Mi in einen tiefen Bunker folgen, wo sie sich mit einer wilden KI der Blackwall verbindet.
Während V von einem Militech „Cerberus“ verfolgt wird, der von dieser KI gesteuert wird, bin ich in der Einrichtung auf zwei Items gestoßen, die man mit den Überresten des fiesen Jägers zu einem von zwei besonderen Gegenständen zusammenbasteln kann. Und auf diese Weise stieß ich auf meine neue absolute Lieblingswaffe im Spiel: Die Power-SMG „Erebus“.
Erebus ist eine experimentelle Prototyp-Waffe, die alle meine Tech-Warlock-Fantasien bedient. Sie beherbergt eine KI aus dem Jenseits der Blackwall, die sogar regelmäßig spricht und ein Auge besitzt, das blinzelt und sich bewegt.
Ich rüstete die Waffe aus, um sie einmal zu testen, bereit, meinen alten Spielstand nachzuladen, um Song zu retten, doch dann bemerkte ich binnen weniger Minuten mit Erebus: Das ist Liebe auf den ersten Blick.
Autoplay
Erebus macht V von einer Söldnerin zu einem düsteren Tech-Hexenmeister mit Paktwaffe
Erebus ist nicht nur eine starke Waffe. Was die Power-SMG neben ihrem Schaden wirklich so großartig macht, ist schlichtweg ihr Vibe.
Wenn ein Gegner durch Erebus unter 33 % seiner Gesundheit gebracht wird, schickt er diesem den Quickhack „Blackwall Gateway“ durch die Synapsen. Gegner werden von der KI komplett frittiert und schreien, als wären sie von einer dämonischen Entität besessen, woraufhin Erebus beinah gelangweilt Bemerkungen von sich gibt, wie fragil die Menschheit doch sei und dass es absolut mühelos sei, sie zu eliminieren.
Ich testete die Waffe – wie es sich gehört – an einer Gruppe Scavengers, eine der schlimmsten Gangs der Stadt, die es nicht anders verdient hat. Erebus ließ die Ausbeuter in sich zusammensacken, während die Blackwall-KI aus der Waffe die Übeltäter zappelnd in die Cyberhölle schickte. Als meine Waffe das mit „Das war deprimierend einfach” kommentierte, wusste ich, dass wir zu einem Dreamteam zusammenwachsen würden.
In diesem Clip könnt ihr sehen, wie es sich anfühlt, mit Erebus zu kämpfen:
Erebus gibt V einen neuen, deutlich düstereren Vibe, der jedoch wirklich schmeckt. Ja, ich verurteile mich weiterhin dafür, dass ich Songbird nicht gerettet habe. Ich wünschte, ich würde es bereuen. Doch das tue ich nicht. Erebus und V sind zusammen einfach eine absolute Wucht.
Anhand von Erebus und dem Leveldesign in Cyberpunk 2077 habe ich erkannt, dass sich Meinungen ändern können. Ob ich So Mi in zukünftigen Playthroughs retten werde oder nicht, wird damit wohl eine deutlich härtere Entscheidung, als ich sie bei meinen ersten Spieldurchläufen empfand. Worüber ich mir jedoch immer noch zu hundertprozent sicher bin, ist meine Meinung gegenüber einem NPC, der mir einen der unangenehmsten Momente im Gaming verschaffte: In Cyberpunk 2077 hat eine Spielerin Mitleid mit einem NPC, findet selbst heraus, warum er von der Community nicht gemocht wird
Der Beitrag Für eine mächtige Waffe verkaufte ich meine Seele in Cyberpunk 2077 und wurde zur miesen Verräterin erschien zuerst auf Mein-MMO.
