Schlechte Animationen, enttäuschende Entwicklung – einige Anime scheitern gerade. Doch Oshi no Ko legt bei der Qualität noch eine Schippe zu.
Die dritte Anime-Saison einer Serie scheint manchmal verflucht zu sein. Nach zwei Staffeln bauen viele Serien ab – sowohl in ihrer Geschichte, die oft auf einen eingeschobenen Filler-Plot ausweicht, als auch in ihrer Animationsqualität. Gerade in jüngster Vergangenheit war One-Punch Man in Verruf geraten und ich hatte Sorge, dass das auch meine aktuelle Lieblingsserie betreffen könnte – Oshi no Ko.
Autoplay
Qualität aus einer anderen Welt
Die Animationsqualität von Oshi no Ko war in den ersten beiden Staffeln schon überragend. Ich fand sogar, dass die Darstellung des Theaterstückes in Staffel 2 zu den optisch eindrucksvollsten Passagen gehört hat, die ich jemals in einem Anime gesehen habe. Für mich konnte das sogar mit großen Anime-Filmen mit deutlich mehr Budget mithalten.
Gerade durch das ganze Drama rund um One-Punch Man hatte ich Sorge, dass bei Oshi no Ko womöglich das Gleiche droht. Aber meine Sorge hat sich nicht erfüllt. Allein schon der Umstand, dass die Serie einen Livestream veranstaltet hat, um das Opening und Ending zu zeigen, war ein gutes Indiz dafür, dass man sich der Qualität ausgesprochen sicher ist. Wie gut das aussieht, schaut ihr euch am besten selbst einmal beim Opening mit dem Song „Test Me“ an:
Ein ähnliches Level von Qualität hat auch das Ending, obwohl es überhaupt keinen Grund dazu gibt – denn sind wir mal ehrlich, das Ending ist wohl am ehesten der Teil, den man bei einem Anime skippt:
Die Story macht mich nervös – und das liebe ich
Worum geht es in Oshi no Ko eigentlich? Oshi no Ko erzählt die Geschichte von Aqua und Ruby. Die beiden sind die Kinder des ermordeten Superstars Ai Hoshino, die früh in ihrer Kindheit von einem Stalker ermordet wurde. In den ersten beiden Staffeln hat vor allem der Junge Aqua versucht, im Showbusiness nach Informationen zum Mörder zu forschen, um an diesem Rache zu üben. Inzwischen ist Aqua davon überzeugt, dass der Mörder schon lange verstorben ist. Doch genau als Aqua zu dieser Erkenntnis kommt, erfährt Ruby, dass das Gegenteil der Fall ist: der Mörder ist noch auf freiem Fuß und irgendwo in der Unterhaltungs-Branche zu finden.
Schon am Ende der 2. Staffel zeichnet sich ab: Jetzt geht es um Ruby und ihren Abstieg in die Finsternis einer Jagd nach Vergeltung.
Normalerweise liebe ich Anime mit düsteren Thematiken. Ich mag es, wenn gute Charaktere auf einen finsteren Pfad geführt werden und sich positive Emotionen in negative wandeln. Ich mag Drama, Verzweiflung und Grausamkeit in Serien – doch bei Oshi no Ko ist das anders.
Die Verzweiflung der Charaktere nimmt nur noch weiter zu.
Zu sehen, wie berechnend und kalt Ruby wird, macht mich regelrecht unruhig. Zu sehen, dass Ruby mehr und mehr von der Welt der Unterhaltung verdorben wird, selbst zu lügen und Manipulationen greift, um ihr Ziel zu erreichen, ist unerwartet unangenehm – und genau deswegen so fesselnd. Vielleicht liegt es daran, dass man Ruby über 2 Staffeln als lebensfrohes, impulsives und einfach viel zu gut gelauntes Mädchen kennengelernt hat, das im Grunde nur für ihren Traum lebt.
Jetzt zu sehen, wie ihre Augen im Grunde permanent „erloschen“ sind (die Augen sind eh so eine Sache für sich in Oshi no Ko) beschert jeder Szene eine Schwere und Bedrücktheit – egal ob sie sich nur (vermeintlich) belanglos mit Schulkameraden unterhält oder für eine Fernseh-Show das „dumme Blondchen“ spielt.
Es ist lange her, dass mich eine Serie so sehr hat mitfiebern lassen, wie Oshi no Ko. Und auch, wenn ich weiß, dass die Serie erst mit Staffel 4 ein Ende finden wird, bin ich gespannt, wohin die Reise in den nächsten Wochen noch geht. Denn ich habe ein bisschen Angst davor, was aus Ruby noch werden könnte – und das ist ungeheuer spannend.
Natürlich besteht noch die Chance, dass Season 3 abbaut und ich in einigen Wochen meine Worte zurücknehmen muss. Doch was ich bisher gesehen habe, macht mich hungrig auf mehr – und gleichzeitig besorgt um Charaktere, wie ich es lange nicht mehr für eine fiktionale Serie war. Außerdem wird mir wieder klar, warum ich eigentlich abwarte, bis eine Serie vollständig verfügbar ist, bevor ich sie mir anschaue. Denn die Wartezeit zwischen den Episoden ist das Schlimmste …
Im Moment habe ich den Eindruck, dass zumindest für meine Interessen eine ganze Reihe von Anime interessant sind, die eine herausragende Qualität haben. Egal ob das die unerwartet düstere Geschichte von „Takopi’s Original Sin“ ist oder die beklemmend verzweifelte Stimmung von „This Monster Wants to Eat Me“ – die letzten Seasons waren einfach gut, auch wenn die großen Mainstream-Serien ein klein wenig auf der Strecke geblieben sind.
Wer Oshi no Ko bisher gemieden hat, sollte der Serie auf jeden Fall mal eine Chance geben und sich zumindest die erste Folge anschauen – am Ende seid ihr euch zu 100 % sicher, ob das etwas für euch ist.
Falls ihr noch nicht wisst, was ihr die kommenden Tage an Anime schauen sollt, hat unsere Jasmin euch eine Liste mit „Wochenend-Anime“ vorgestellt, die man ganz gemütlich an ein oder zwei Abenden durchschauen kann.
Der Beitrag Während One-Punch Man scheitert, wird mein Lieblings-Anime nur noch besser erschien zuerst auf Mein-MMO.
