Mit Dark Heresy ist ein neues Rollenspiel zu Warhammer 40.000 in Arbeit, das ihr schon jetzt in der Alpha auf Steam spielen könnt. MeinMMO-Redakteur und Warhammer-Experte Benedict Grothaus hat sich die aktuell verfügbaren Inhalte angesehen. Die meiste Spielzeit ging für die vielleicht größte Herausforderung drauf: nachdenken.
Seit der Ankündigung freue ich mich schon auf Dark Heresy und je mehr ich von dem Spiel höre, desto hibbeliger werde ich. Mit dem Chef zusammen bin ich schon in die tiefsten Nerd-Themen eingetaucht und sauge jede Neuigkeit zum kommenden Rollenspiel auf wie trockene Leichenstärke einen Tropfen sauberes Wasser.
Owlcat, die Macher von Dark Heresy, haben schon mit Rogue Trader eines der besten Spiele überhaupt abgeliefert, wenn man in die Welt von Warhammer einsteigen will. So viel Liebe zum Detail und zur Warhammer-Lore sieht man selten. Mit Dark Heresy wollten die Entwickler es sogar noch besser machen und die letzten Kritikpunkte ausbessern.
Schon seit Dezember 2025 läuft die Alpha des neuen Rollenspiels auf Steam und eigentlich wollte ich mich zurückhalten, weil ich weiß: Wenn ich da mal anfange, will ich weitermachen und dazu brauche ich das ganze Spiel!
Trotzdem habe ich jetzt die ersten 12 Stunden in der Alpha versenkt und bin froh darüber. Jetzt denke ich nicht nur, dass Dark Heresy mein nächstes Highlight wird, ich weiß es.
Kleine Spoiler-Warnung: Ich versuche, so wenig wie möglich von der mir bisher bekannten Story zu verraten. Wer aber gar nichts vorab wissen will, sollte zumindest die nächsten zwei Abschnitte überspringen. Hier geht’s zum letzten Abschnitt.
Autoplay
Rogue Trader war richtig gut, Dark Heresy ist noch viel besser
Um euch kurz abzuholen: Rogue Trader und Dark Heresy sind cRPGs, isometrische und Story-getriebene Rollenspiele mit rundenbasierten Kämpfen – ähnlich wie Baldur‘’’s Gate 3. Die Spiele erzählen eine Geschichte, deren Verlauf ihr mit euren Entscheidungen beeinflusst.
Ein wichtiges Feature sind die verschiedenen Begleiter mit eigenen Hintergründen und Persönlichkeiten. Rogue Trader hat hier schon gut vorgelegt, insbesondere mit dem ersten DLC Void Shadows, welches das ganze Schiff des Freihändlers verfügbar gemacht hat. Wer sich für die Hintergründe von Warhammer 40.000 interessiert, sollte unbedingt reinschauen.
Kritik damals betraf vor allem Kämpfe und Level bzw. Charakterentwicklung, die ich eigentlich sehr positiv empfand. Es gibt einfach zu viele Skills mit komplizierten Beschreibungen, wobei am Ende eigentlich einfach nur ein Haudrauf-Build mit schwerem Bolter das ganze Spiel getragen hat.
Dark Heresy geht hier einen anderen Weg. Statt eine riesige Auswahl verschiedener Skills, gibt es beim Leveln zum Archetyp passende Möglichkeiten, sodass mehr „Klassenidentität“ vorherrscht. Wie sich das auswirkt, habe ich selbst erfahren … schmerzlich, wie ich hinzufügen will.
Das Charakterblatt hat immer noch viele Details.
Die Talente passen zum Archetypen.
Beim Level-Up auf Stufe 4 gab’s 3 aktive Skills zur Auswahl.
Denken statt ballern ist anscheinend nicht meine Stärke
Die Alpha bietet aktuell rund 15 Stunden an Inhalten mit mehreren Gebieten, die sich erkunden lassen. Verschiedene Kämpfe warten hier an den Schauplätzen, von denen einer relativ leicht ist, ein zweiter fast mein ganzes Team ausgelöscht hat.
Im Kampf gegen einige Kroot, die viele von euch vermutlich als Auxiliar-Einheiten der T’au kennen, ist mir fast mein gesamtes Team draufgegangen. Nur noch Crogg, der einfache, aber treue Ogryn-Begleiter, stand am Ende noch mit der Hälfte seiner Lebenspunkte und ohne Moral.
Zugegeben, hätte JEMAND (der Psioniker hust) nicht entschieden, dass eine Dämonette den Kampf noch aufpeppen würde, wäre es vermutlich leichter gewesen…
Die Kroot riechen nach Ärger. Und nach Sumpf.
Der Boss flieht mit wenig Moral! Sieht gut aus. Noch.
Crogg ist am Ende mein letzter Überlebender. Ein echter Held!
Dark Heresy setzt aber mehr Fokus auf taktisches Gameplay. Statt einfach mit einem schweren Bolter reinzuhalten und Gegner niederzumähen, muss ich Deckung nutzen und vitale Stellen treffen, um Feinde am Handeln oder an Bewegungen zu hindern.
Teilweise musste ich taktisch meine eigenen Einheiten mit Flammenwerfern oder Zauberei angreifen und den Schaden in Kauf nehmen, um mehrere Gegner auszuschalten, die mich sonst erledigt hätten – dabei habe ich auf dem „leichten“ Modus gespielt wie die meisten Tester.
Solche Situationen hatte ich in Rogue Trader nie, aber sie passen voll und ganz zu Dark Heresy. Denn was mir schon nach den ersten Stunden aufgefallen ist: Ich muss viel mehr denken, Kämpfe sind gar nicht so wichtig. Es zählt, wie gut ich aus Einzelteilen ein ganzes Bild erschaffen kann.
Der Chef vergleicht sein Detektiv-System mit einem Meme und er hat vollkommen Recht
Der Kern von Dark Heresy ist das Investigations-System. Statt einen Freihändler wie in Rogue Trader oder einen Supersoldaten wie in Space Marine, spielt ihr in Dark Heresy ein Mitglied der Inquisition mit dem Ziel, in einer Makropole verschiedene Fälle zu lösen und mögliche Häresien zu verhindern.
Anatoly Shestov, der Executive Producer, hat mir in mehreren Gesprächen erklärt, dass man sich dieses System am besten vorstellen kann wie das Meme mit dem Typen, der vor einer Wand mit Hinweisen steht und alles mit roten Fäden verbindet. Und er hat recht:
Nachforschungen zu Hinweisen geben… mehr Hinweise.
Widersprüche entdeckt das Spiel selbst.
Also wenn A, dann B, aber dann kann nicht C, und wenn jedoch D…
In jedem Gespräch kann sich ein Hinweis verstecken, Items in der Welt – die teilweise WIRKLICH gut versteckt sind – und sogar einfach nur irgendwelche Rohre können weitere „Clues“ erzeugen, die den Fall weiterbringen. Teilweise reicht ein winziges Detail, um eine sonst plausibel wirkende These komplett zu Fall zu bringen.
Teilweise saß ich fast eine Stunde vor dieser Zettelwand und habe mir die Hinweise durchgelesen, mir Input von meinen Begleitern geholt und überlegt, wer nun wen ermordet und was gestohlen hat – und wozu. Am Ende kam ich nie zu einem Ergebnis und habe, etwas zerknirscht, nach weiteren Anhaltspunkten gesucht.
Wer hat die Kokosnuss geklaut – Und wer muss dafür sterben?
Die Inquisition ist die gefährlichste Organisation des Imperiums und das aus gutem Grund: Wenn sie den Verdacht haben, dass man mit den Mächten des Chaos paktiert oder unfreiwillig verdorben wurde, machen Inquisitoren schnell kurzen Prozess mit ihrer Pistole.
Dank Dark Heresy verstehe ich, warum sie das tun. Wenn ich mir überlege, wie unfassbar viel Aufwand ich allein dafür betreibe, nach verschwundenen Arbeitern zu suchen und so darauf komme, dass vielleicht ein unheiliger Kult im Underhive sein Unwesen treibt…
Spätestens, nachdem ich Hinweise auf eine Einmischung der brandgefährlichen Night Lords gefunden habe, war mir klar, dass es im 41. Jahrtausend schlicht der sicherere Weg ist, erst zu schießen und dann zu fragen. Denn während ich nach dem einen Schuldigen suche, greift die Korruption ja weiter um sich.
Und wenn es dabei mal einen (oder ein paar Dutzend) Unschuldigen erwischt … nun. Laut Inquisition gibt es so etwas wie Unschuld ohnehin nicht, nur verschiedene Stufen der Schuld.
Dark Heresy ist nicht ganz das, was ich erwartet habe – anders, aber noch besser als erhofft, zumindest in den ersten 12 Stunden. Bis zum Release ist es noch eine Weile hin und es fehlen noch wichtige Inhalte wie eine Charakter-Erstellung, aktuell spielt man einen vorgefertigten Charakter. Trotzdem hat mir der kurze Einblick noch mehr Lust auf das Rollenspiel gemacht. Das Highlight wäre, wenn ich irgendwann den Knopf drücken dürfte: Der Exterminatus ist die schlimmste Waffe in Warhammer 40.000 und selbst das irre Imperium nutzt sie nur ganz selten
Der Beitrag In Warhammer 40.000 greift die Inquisition schon beim kleinsten Verdacht zu drastischen Mitteln – Dank Dark Heresy verstehe ich das jetzt erschien zuerst auf Mein-MMO.
