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Die namensgebende Altbauwohnung steht im östlichen Teil der Stadt direkt an einer Straße, auf der einst die Mauer errichtet wurde. Und das spielt in zwei der vier Kurzgeschichten, die während der im Jetzt angesiedelten Renovierung erzählt werden, eine signifikante Rolle.
Handwerker Malik wird von Tochter Dilara begleitet, die Relikte früherer Bewohner entdeckt. Das löst mehrere Episoden aus, in denen durch die Augen der jeweiligen Protagonisten mal mehr und mal weniger ernste Situationen erlebt werden. Dass die Zeitreisen nach 1933 und 1945 schwermütiger ausfallen, liegt auf der Hand, während 1967 und 1989 die Ost/West-Thematik als Basis für leichtere Kost mit einer Portion hintersinnigem Humor nutzen.
Allen Epochen gemeinsam ist, dass Ihr nur im Appartement unterwegs seid (wobei eine wortwörtlich fiktive Ausnahme gemacht wird) und kleine Tätigkeiten durchführt, um die Handlung voranzubringen. Allzu anspruchsvoll oder knifflig gerät dabei nichts (und zur Not gibt das Pausemenü klare Hinweise), aber stets werden andere Aktivitäten fällig, was für eine willkommene Prise Abwechslung sorgt.
Neben den gut geschriebenen Texten und Dialogen, die gelungen vertont wurden, gefällt vor allem die hübsche und technisch blitzsauber gemachte Optik. Deren detailverliebter Stil vorwiegend mit Pastelltönen und dünnen schwarzen Linien erinnert uns an das Schaffenswerk der französischen Comiczeichner-Ikone Moebius.
Meinung & Wertung
Ulrich Steppberger meint: Wie meine freundliche Miene hier bezeugt, hat mir ”The Berlin Apartment” gefallen. Aber ich komme auch nicht umhin, das aus meiner Sicht etwas verschenkte Potenzial zu bedauern. Inszenatorisch gibt es angesichts des hübschen Comicstils, kompetenter Sprecher (hier sollte man wirklich auf Deutsch spielen) und viel Liebe zum Detail nichts zu beklagen und die kleinen Tätigkeiten sorgen für Beschäftigung im Rahmen der stimmig erzählten Kurzgeschichten. Und doch hätte ich mir insgesamt einfach mehr und dazu einen dickeren roten Faden gewünscht, der nach dem Ende noch länger Eindruck hinterlassen hätte.
Behutsam und stilvoll erzählte Kurzgeschichtensammlung, die (etwas) mehr ist als nur ein Walking Simulator.
Singleplayer71MultiplayerGrafikSound
