Silent Hill: Shattered Memories – im Klassik-Test (Wii)

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Spiel:Silent Hill: Shattered MemoriesPublisher:KonamiDeveloper:ClimaxGenre:AdventureGetestet für:WiiErhältlich für:PS2, WiiUSK:16Erschienen in:4 / 2010

Es ist offiziell: Serienguru Akira Yamaoka hat seinen langjährigen Arbeitgeber Konami verlassen und bei Suda 51s Studio Grasshopper angeheuert. Wissend, dass nach Shattered Memories kein weiteres Silent Hill mit den atmosphärischen Klängen des Japaners folgen wird, schalten wir noch einmal Wii, PS2 und PSP ein, um uns vielleicht zum letzten Mal in die verwunschene Stadt zu begeben.

Und dieser abschließende Ausflug soll ein ganz besonderer werden. Einer, über dessen Qualität man ausgiebig streiten kann. Auf der einen Seite überraschen die Entwickler nämlich mit einer Radikalkur an Innovationen, was Handlung und Spieldesign betrifft, auf der anderen wird sich Shattered Memories von eingeschworenen Fans vorwerfen lassen müssen, dass es mehr spannender Psychothriller denn gruseliger Survival-Horror geworden ist.

Harry Mason, Protagonist des ersten Silent Hill, sucht in dieser Neuinterpretation seine Tochter Cheryl, die nach einem Autounfall vom Beifahrersitz verschwunden ist. Als besorgter Vater macht Ihr Euch – nur mit einer Taschenlampe und einem Handy bewaffnet – auf die Suche in der verlassenen und verschneiten Stadt. Dabei trefft Ihr auf verschiedene Personen, sammelt Echos düsterer Erinnerungen von Stadtbewohnern mit Eurem multifunktionalen Telefon, das nebenbei auch als Karte und Fotoapparat dient, und löst bewegungsbasierte Rätsel.

Wann immer Harry von einer tiefgreifenden Erinnerung eingeholt wird, stürzt er in einen Albtraum und die Umgebung wird von Eis bedeckt. Bald greifen die ersten Kreaturen aus allen Richtungen an und Ihr rennt um Harrys Leben. Wird er gepackt, hilft nur das Schütteln der Remote bzw. ein Druck auf die eingeblendeten Tasten, um sich der Häscher zu entledigen, denn Harry kann nicht kämpfen. Auf seiner Flucht zur nächsten blau gerahmten Tür und über markierte Mauern bremst Ihr Verfolger lediglich mit einer brennenden Leuchtfackel und umgestürztem Mobiliar. Um in den zunehmend komplexen Labyrinthen auf Eure ­Karte zu blicken, muss Harry langsam gehen – und schnell hängen mehrere Gestalten an ihm. Ebenso nutzlos ist die Möglichkeit, sich in Schränken zu verstecken, denn Harrys Jäger finden ihn in jedem Fall.

Zu Beginn des Spiels und nach jeder Albtraum-Sequenz hockt Ihr bei Psychiater Dr. Kaufman, der Euch mit Fragen und Aufgaben analysiert. ”Psycho Gaming” nennt Climax die clevere Idee, Spielverlauf, Charaktere und Schauplätze an Eure Angaben anzupassen. Das erhöht den Wiederspielwert des mit sechs Stunden knapp bemessenen Abenteuers beträchtlich, immerhin warten mehrere Enden auf Euch – inklusive UFO-Abspann, für den Ihr verborgene Symbole entdecken müsst.

Meinung

Michael Herde meint: Ich bin hin- und hergerissen: Shattered ­Memories ist außerordentlich mutig und wirft nahezu alles über Bord, was Survival-Horror-Fans kennen und schätzen. Nach der mauen Homecoming-Episode kommt mir das gelegen, denn Grafik, Steuerung und Atmosphäre sind erneut klasse. Viele Ideen und Details begeistern mich und die Auflösung der Geschichte wird dem Erbe der Serie mehr als gerecht. Mein Problem ist vielmehr, dass durch die strikte Trennung von Erkundungspassagen und Albtraumabschnitten die Spannung verloren geht. Schnell wird klar: Wo kein Eis, da auch keine Gefahr! Das macht das Herumlaufen zwar nicht minder beklemmend, Angst habe ich aber nicht. Dank der pfiffigen Wii-Kontrollen ist das Abenteuer dennoch unbedingt spielenswert, die PSP-Version fällt in Ermangelung derer entsprechend ab.

Wertung

Schauplätze und Charaktere variieren je nach Spielweise
mehrere Enden
intuitive Taschenlampen-Steuerung (Wii)
knapper Umfang von etwa 6 Stunden

Innovativer Mystery-Thriller mit toller Story und famosem Wii-Gefühl – Serienfans fehlt jedoch die permanente Bedrohung.

Singleplayer80MultiplayerGrafikSound

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