In der Community des Hobbys, das sich mit dem Bemalen von Tabletop-Figuren zu Warhammer und Dungeons & Dragons befasst, sorgte ein besonderes Projekt eines Pokémon-Fans für Begeisterung. MeinMMO-Redakteurin Caro hat den Künstler kontaktiert und genau die Tipps erhalten, die man als Neuling eher ungern hört.
Im Subreddit zum Miniaturbemalen sorgte ein besonderes Projekt für Begeisterung, das beweist, dass Nerdkultur hobbyübergreifend funktioniert. Der Miniatur-Künstler MaskedPotat0 präsentierte einen vollständig bemalten „Relaxo-Dreadnaught“, der aussieht, als würde das schläfrige Pokémon sein bisheriges Leben hinterfragen und selbst in der Form einer Kriegsmaschine in die Schlacht ziehen wollen.
„Das ist es. Die Menschheit hat ihren Höhepunkt erreicht. Wir haben unser großes Werk vollbracht“, schreibt JustinLaloGibbs und fasst mit diesen Worten die allgemeine Reaktion auf das Meisterwerk zusammen.
Ebenso beeindruckt wie die Community war auch ich. Vor fast genau einem Jahr habe nämlich auch ich mit dem Hobby angefangen und bin dem Bemalen meiner kleinen Heldinnen, Helden und Monster komplett verfallen.
Als ich jedoch sah, dass MaskedPotat0 erst vor 4 Monaten mit dem Malen angefangen hatte und trotzdem solch beeindruckende Ergebnisse erzielen konnte, wusste ich: Ich muss wissen, was sein Geheimnis ist. Und ich freue mich sehr, sagen zu können, dass der freundliche Austausch zwar schmerzhafte, aber umso wertvollere Hinweise bot.
Autoplay
Künstler liefert genau den Tipp, den kein Neuling wirklich hören will
Im Gespräch mit dem Schöpfer des bemalten Relaxo-Dreadnaughts fragte ich MaskedPotat0, was ihm dabei helfen konnte, in so kurzer Zeit solche dargebotenen Skills zu entwickeln und zu verfeinern.
Die Antwort lautet: Es gibt keinen Cheatcode oder den „einen hilfreichen Tipp“, mit dem manche Tutorials werben. Vielmehr gibt es mehrere Wege zum Ziel, zwischen denen man den besten selbst finden muss.
MaskedPotat0: Ich habe versucht, auf YouTube nach Anleitungen zu suchen, und habe einige Leute gefunden, denen ich folgen konnte. Außerdem hilft es auf jeden Fall, sich verschiedene Ansätze zum gleichen Thema anzusehen, um ein besseres Verständnis zu bekommen.g
Durch eine Patreon-Mitgliedschaft, die er eigentlich für den Erwerb von Miniaturen nutzte, wurden ihm Video-Tutorials zur Verfügung gestellt, durch die er verschiedene Techniken kennenlernte. Letztendlich betont er jedoch, dass man inmitten dieser Flut von Tutorials selbst herausfinden muss, was für jeden Künstler persönlich am besten funktioniert.
Unter seinen persönlichen Empfehlungen befinden sich Zumakito, Midwinter Minis, Monument Hobbies, Squidmar und Rogue Hobbies, die man allesamt auf YouTube finden kann.
Durch Pokémon zum Miniatur-Künstler geworden
Anhand seines Relaxo-Dreadnaughts war ich neugierig, wieso er sich besonders für dieses Modell entschieden hat anstelle von „klassischeren“ Warhammer-Miniaturen. Letztendlich spielt Pokémon nicht nur in seiner Modellauswahl eine große Rolle, sondern auch dabei, wie er zu dem Hobby gefunden hat.
MaskedPotat0: Eigentlich fing alles damit an, dass ich ein lebensgroßes Pokémon bemalen wollte, lol. Ich habe eins ausgedruckt und dann im Winter mit dem Projekt begonnen, konnte es aber dann nicht wirklich draußen bemalen. Die Zeit verging, und schließlich habe ich mir eine billige Airbrush gekauft, die ich zunächst auf einem Helm und dann auf einem kleinen Modell ausprobiert habe. Und ich glaube, damit hat alles angefangen. Ich habe mir ein paar billige Airbrush-Farben und ein paar synthetische Pinsel gekauft und mein Glück versucht. Das Ergebnis war ziemlich schlecht, also habe ich nach Möglichkeiten gesucht, mich zu verbessern. Ich habe einen 3D-Drucker, also musste ich nur noch ein paar Modelle finden, die ich bemalen konnte.
Auf die Nachfrage, ob er letztendlich doch seinem eigentlichen Plan von lebensgroßen bemalten Pokémon nachkommen konnte, erklärt der Künstler, dass das einfacher gesagt gewesen sei als getan.
MaskedPotat0: Haha, nun ja, ich wollte zuerst Pikachu machen, aber nachdem ich alle Teile verbunden hatte, habe ich es mit der Menge an Füllmaterial vermasselt und einfach die Motivation verloren, es fertigzustellen. Außerdem hatte ich einige Probleme mit meinem Drucker, was zu viel Nachbearbeitung erforderte. Ich habe mich damit abgefunden und beschlossen, dass ein halb so großes Glumanda ausreichen würde. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch ein absoluter Anfänger und habe keine Highlights oder Schatten gesetzt, sodass es sehr flach wirkt, haha.
Ein (fast) lebensgroßes Glumanda, das MaskedPotat0 gedruckt und bemalt hat.
Größer ist nicht gleich besser – Alle Skalas haben ihren Vorteil
Die Vorliebe für große und kleine Miniaturen fand ich sehr spannend, da ich auch selbst verschiedene Größen als Projekte angehen will. Der Künstler erklärte, dass es keine „bessere“ Größe gäbe, sondern nur eigene Vor- und Nachteile.
MaskedPotat0: Die Größe der Figuren ist mir egal. Sie machen alle Spaß. Kleine Figuren sind schneller fertig, sodass man schneller ein Erfolgserlebnis hat, würde ich sagen, aber das kann sich leicht ändern, je nachdem, wie detailliert man arbeiten möchte. Die größeren Figuren machen auch Spaß. Es wird definitiv schwieriger, wenn man große Flächen zu blenden hat.
Aber genau für dieses Blending nimmt er sein Relaxo als Beispiel und erklärt, wie er an der friedlich dreinblickenden Kampfmaschine vorgegangen ist.
MaskedPotat0: Genau hier kommt die Punktierungstechnik zum Tragen. Es ist viel einfacher, zufällige Punkte, Farbflecken oder Kleckse ineinander verlaufen zu lassen, als eine glasierte Überblendung zu erzielen. Bei Relaxo habe ich also mit einer Mischung aus Schwarz und Jade als Basis begonnen und dann reines Jadegrün verwendet, wobei ich mich beim Stippling auf die Stelle konzentriert habe, an der sich die Lichtquelle befinden würde. Je näher man der Lichtquelle kommt, desto näher kommen sich die Kleckse/Farbkleckse/Punkte/Flecken. Dann wiederholt man diesen Vorgang einfach mit helleren Mischungen, bis man das gewünschte Ergebnis erzielt hat.
An Relaxos Kopf kann man sehen, wie die helleren, „unordentlichen“ Farbklekse trotzdem für einen perfekten Blend sorgen:
3D-Drucker sind eine Investition, die sich für ambitionierte Fans des Hobbies sehr lohnen könnten
In dem Gespräch mit MaskedPotat0 erwähnte der Künstler mehrmals, dass er seine Miniaturen selbst druckt, da er einen 3D-Drucker besitzt. Als jemand, der etwas unüberlegt aber trotzdem nur zu gerne bereit ist, zu viel Geld für Miniaturen auszugeben, wollte ich wissen, ob sich die Investition in einen 3D-Drucker lohnen könnte.
MaskedPotat0: Ja, ein hochwertiger 3D-Drucker ist meiner Meinung nach sehr nützlich. Ich habe einen FDM- und einen Resin-Drucker. Der FDM-Drucker eignet sich hervorragend für große Objekte, aber man muss immer daran denken, dass eine Nachbearbeitung erforderlich ist, wenn man ein glattes Finish erzielen möchte. Die Resin-Modelle sind viel detailreicher und der Herstellungsprozess ist aufwendiger. […] Die gewünschten Modelle zu finden, ist natürlich das Schwierigste, wenn es um 40k-Sachen geht, da Games Workshop diesbezüglich ziemlich streng ist. Aber für den Preis einer Box mit 10 Marines kann man sich 100 Einheiten selbst drucken, wenn man die Dateien hat. Meiner Meinung nach lohnt es sich also sehr, sich einen anzuschaffen.
Und dass es nicht gleich immer exakte Warhammer-Soldaten sein müssen, beweist MaskedPotat0 mit einer 5-Stück-Commission, die er für einen Freund druckte und bemalte und mir letztendlich zeigte:
Ich habe bereits eine weitere Künstlerin zu ihren Warhammer-Miniaturen befragt, die jedoch einen anderen Ansatz als Pokémon-Soldaten wählte. Bubblegum Angels widmet sich dem „Girly-Pop“-Genre und schafft damit Kreationen, die in der Community besonders gut ankommen: Eine Künstlerin macht aus harten Warhammer-Soldaten „alberne kleine Kerlchen“, trifft damit bei der Community einen Nerv
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