Mit jedem neuen Gameplay-Trailer entdecken Open-World-Fans immer neue Features und Inhalte, die Crimson Desert beim Release am 19. März 2026 anbieten möchte. Der fast schon zu ambitionierte Umfang erinnert MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz stark an ein erfolgreiches Rollenspiel aus 2025.
Ich weiß noch genau, wie es war, als wir das erste Mal Where Winds Meet spielen durften. Das war im Juli 2025, also ein paar Monate vor dem finalen Release. Ich bin neugierig, aber auch ein wenig skeptisch in die Wuxia-Welt des Rollenspiels eingetaucht, und wurde regelrecht umgehauen. Von dem enormen Umfang des Spiels, den zahllosen Funktionen, Systemen, Ideen und Inhalten.
Wir merkten in der Redaktion schnell: Das ist ganz anders als erwartet, und anders als alles andere. Trotz des Service-Modells, seiner asiatischen Eigenheiten und der viel zu verschachtelten Menüs steckt hier eine besondere Perle drin, die unfassbar viel unter einen Hut bringen möchte und das erstaunlich gut hinbekommt.
Die Ambitionen wurden belohnt. Alleine auf Steam tummelten sich zeitweise mehr als 250.000 Spieler gleichzeitig in der Welt von Where Winds Meet. Die Wertung liegt dort bei 87 Prozent positiven Rezensionen. 15 Millionen Spieler haben das Rollenspiel weltweit allein bis Dezember 2025 ausprobiert (Quelle: X). Where Winds Meet ist ein enormer Erfolg.
Crimson Desert von Pearl Abyss erinnert mich mit jedem Trailer immer mehr an Where Winds Meet, das auch für mich rückblickend zu den besten Spielen des Jahres 2025 gehört hat.
Autoplay
Warnsignale und fast schon zu große Ambitionen
Denn auch Crimson Desert nähert sich mit vielen Fragezeichen und potenziellen Skepsispunkten dem finalen Release:
Es wurde erst als MMORPG angekündigt, soll nach vielen Jahren Entwicklung jetzt aber eine reine Singleplayer-Erfahrung sein. Ein optionaler Multiplayer könnte nach dem Launch vielleicht folgen. Diese Transformation während der Entwicklung muss erstmal bei allen Spielern ankommen.
Crimson Desert kommt von den Entwicklern von Black Desert. Das MMORPG besitzt klare Stärken, wird aber auch immer wieder für seine Monetarisierung kritisiert. Natürlich gibt es daher auch Bedenken bezüglich des Bezahlmodells von Crimson Desert. Spoiler: Es bleibt (fürs Erste?) beim Kaufpreis. Es gibt keinen Cash-Shop und keine Mikrotransaktionen.
Bei Anspiel-Events entpuppte sich die komplexe Steuerung als mögliche Schwäche. Oft benötigt man viel zu viele Eingaben, um eigentlich einfache Interaktionen durchzuführen.
Spielbar waren bei den Events immer nur klar abgegrenzte Bereiche wie ein Bosskampf oder eine Herausforderung in einem überschaubar großen Areal. Wie die offene Welt aufgebaut ist und sich anfühlt, kann man bisher nur durch Trailer erahnen.
Wie Where Winds Meet bringt Crimson Desert aber auch eine unfassbar lange Liste an Systemen, Aktivitäten und Funktionen mit. Hier nur mal die Dinge, die mir ganz spontan in den Kopf schießen:
Das Spiel erzählt eine lineare Hauptgeschichte, die euch durch die verschiedenen Zonen der riesigen Welt führt. Es soll aber auch unzählige optionale Nebenaufgaben, Geheimnisse, Rätsel und Herausforderungen geben.
Es gibt neben der Hauptfigur noch 2 weitere spielbare Charaktere, die eigene Kampfstile, Fertigkeiten und Waffen mitbringen sollen.
Das Aussehen der 3 Figuren ist zwar festgelegt, doch könnt ihr die Frisuren, Haarfarben und Tatoos eurer Helden anpassen. Auch die Ausrüstung lässt sich farblich sehr kleinteilig verändern.
Es gibt ein Parcours-System wie in Black Desert, wodurch man klettern, Hürden überspringen und sich einfach flüssig durch die Welt bewegen kann.
Im Kampf stehen euch neben Waffen, Gadgets und Zaubern auch allerlei Wrestling-Moves wie Würfe zur Verfügung. Und ihr könnt euch die Umgebung beim Kampf zunutze machen.
Ihr könnt euch ein Lager hochziehen und ausbauen (erinnert an das Lager aus Red Dead Redemption, aber mit mehr Housing-Funktionen) und dort Landwirtschaft betreiben oder Nutztiere halten.
Vom Lager aus könnt ihr NPCs eures Clans auf Missionen schicken. Sie können euch so Ressourcen besorgen oder gegnerische Befestigungen schwächen, während ihr euch in anderen Bereichen der Spielwelt herumtreibt.
Es gibt verschiedene Mounts wie Drachen, Mechs, Bären oder Saurier, die euch sogar in Kämpfen helfen können. Zudem erhaltet ihr Hilfsmittel, um auch ohne Flug-Mount sicher durch die Lüfte zu reisen. Wildpferde lassen sich zähmen.
Euch erwarten Aktivitäten wie Armdrücken, Bogenwettbewerbe, Glücksspiel oder Faustkämpfe. Ihr könnt mit Tieren wie Hunden und Katzen interagieren.
Es gibt ein Verbrechens-System: Wer Leute beklaut und dabei beobachtet wird, bringt nahe Bewohner und Wachen gegen sich auf. Es drohen Geldstrafen und Knast.
Ihr könnt angeln, Tiere jagen, Kräuter, Insekten, Erze und andere Ressourcen sammeln. Mit diesen stellt ihr Bufffood, Tränke, Werkzeuge oder Ausrüstung her. Oder ihr handelt mit NPCs in Städten und Dörfern, um das zu kaufen, was euch fehlt.
Wenn Will Powers, Director of Marketing für Crimson Desert, im Podcast „Dropped Frames“ erklärt, dass man locker hunderte Stunden in der Welt des Spiels verbringen kann, dann überrascht uns das bei der langen Liste an Inhalten kein bisschen.
Ein MMORPG-Studio macht MMO-Dinge in einer Singleplayer-Open-World
Der ambitionierte Umfang von Crimson Desert lässt sich laut Will Powers auf die Wurzeln des Studios zurückführen. Pearl Abyss denkt durch Black Desert in MMO-Größenordnungen. Das ist die DNA des Unternehmens.
Zwar änderte sich das Genre von Crimson Desert zwischenzeitlich vom MMORPG zu einer reinen Singleplayer-Erfahrung, doch haben die Entwickler weiterhin das Ziel, eine riesige Spielwelt zu erschaffen, in der man sich wunderbar verlieren kann.
Auch das erinnert mich an Where Winds Meet, nur dass es dort tatsächlich einen optionalen MMORPG-Modus gibt, in dem dann die sozialen Features des Rollenspiels in den Fokus rücken. Was das angeht, ist Crimson Desert offenbar fokussierter. Aber dadurch könnte das Spiel vor allem bei uns im Westen sogar noch besser ankommen als Where Winds Meet.
So viel Spaß ich mit Where Winds Meet bis heute habe: Crimson Desert könnte die noch bessere Open-World-Erfahrung für mich sein. Aufgrund des noch größeren Singleplayer-Fokus, aufgrund der nicht vorhandenen Service-Struktur und -Monetarisierung, aufgrund des Settings, das westliche „Game of Thrones“-Vibes besitzt, und weil mir die Kämpfe der Black-Desert-Entwickler noch mehr Spaß machen könnten. Alles Gründe, warum ich mich riesig auf Crimson Desert freue.
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