Erst bildet die Polizei Schradin und Zarbex aus, dann macht sie den Streamern auf Twitch Konkurrenz – Ihren Meisterplan verraten die „Officers“ im Interview

Auf Twitch sind nicht nur die üblichen Verdächtigen unterwegs, sondern auch die Polizei Niedersachsen. MeinMMO hat das Team interviewt.

Um wen geht es? Die Polizei Niedersachsen ist nicht nur auf den Straßen aktiv, sondern auch auf Twitch. Auf ihrem Twitch-Kanal PolizeiHannover geben die „Twitch Officers“ einen Einblick in den Polizei-Alltag, aber sie zocken auch immer wieder miteinander.

Mittlerweile hat der Twitch-Kanal über 54.000 Follower und konnte in den letzten 365 Tagen durchschnittlich 606 Zuschauer erreichen (Quelle: SullyGnome.com). Dabei verbringen sie die meiste Zeit in der Kategorie Just Chatting.

Eines der Hauptziele des Twitch-Kanals ist es, Menschen einen Einblick in den Beruf des Polizisten zu geben und gleichzeitig Präventivarbeit zu leisten. Es soll so proaktiv gegen Delikte wie Cybergrooming und Mobbing vorgegangen werden. Dabei wird im besten Fall auf Twitch eine Art Safe Space mit den Twitch Officers gebildet, um potenziellen Opfern zu helfen.

Mehr über ihre Arbeit, Ziele und Aktivitäten geben die Twitch Officers im Interview weiter unten preis.

TL;DR

– Die Polizei nutzt Twitch, um eine junge Zielgruppe dort zu erreichen, wo sie sich ohnehin schon täglich aufhält. Es soll so aktiv gegen Delikte wie Cybergooming, Mobbing oder Beleidigung vorgegangen werden.
– Mit nur wenigen Beamten lassen sich über Twitch viel mehr Menschen erreichen, als es beispielsweise mit Infoständen möglich wäre.
– Die räumliche Distanz und Anonymität können dazu führen, dass sich potenzielle Opfer bei sensiblen Themen wie häuslicher Gewalt oder Ähnlichem eher an die Polizei wenden als im direkten persönlichen Kontakt. Zwischen den Twitch Officers und Zuschauern wird eine Vertrauensbasis geschaffen.
– Der Erfolg basiert darauf, dass sich echte Polizisten ihre private Gaming-Leidenschaft mit in die Streams bringen. Das gemeinsame Hobby dient als Basis, damit auf Augenhöhe kommuniziert werden kann.

Das wollen die Twitch Officers erreichen

MeinMMO: Wie seid ihr auf die Idee eines eigenen Twitch-Kanals gekommen?

PolizeiHannover: Twitch gehört zu den Social-Media-Plattformen mit dem größten Wachstum und spricht eine besondere junge Zielgruppe mit einem besonderen Interesse an den Themen Streaming und Gaming an. Zahlen zeigen, dass jeder Zweite regelmäßig Videospiele spielt, bei Kindern und Jugendlichen sind es gut 90 Prozent – und diese Gruppe widmet dem Gaming oft mehrere Stunden ihrer Freizeit täglich.

Die Polizei Hannover ist auf vielen Social-Media-Kanälen präsent und ansprechbar – nicht jedoch bei Twitch, einer Plattform, auf der wir Betroffene von diversen Delikten finden können.

Mobbing, Bedrohungen, Beleidigungen, aber auch Cybergrooming können für Betroffene schwerwiegende Folgen haben. Tätern fällt es sehr leicht, über die spielerische Beziehung Vertrauen aufzubauen und dies für sich auszunutzen. Mit der Ende 2024 gestarteten Aktivität der Polizei Hannover sind wir auch dort inzwischen nicht nur ansprechbar, sondern können auch zielgruppenorientiert Präventionsarbeit leisten – um potenzielle Betroffene vor den genannten Phänomenen zu schützen, aber womöglich auch potenziellen Täterinnen und Tätern die strafrechtlichen Folgen eines solchen Fehlverhaltens aufzuzeigen und eine Verhaltensänderung zu bewirken.

Auch wir können über das gemeinsame Thema Gaming Vertrauen aufbauen und dies dann nutzen, um effektive Präventionsarbeit zu leisten.

MeinMMO: Was möchtet ihr mit eurer Arbeit auf Twitch erreichen? 

PolizeiHannover: Ziel ist es, als Polizei in einem Bereich präsent zu sein, in dem wir zum einen eine ganz bestimmte Zielgruppe erreichen, die wir immer schwerer kontaktieren und ansprechen können. Zudem wollen wir in einem Bereich wirken, in dem Polizei bislang nicht ansprechbar ist, in dem es jedoch vermehrt zu Straftaten kommt. Wir leisten Präventionsarbeit zu verschiedensten Themen, um Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vor schwerwiegenden Folgen zu schützen. Und wir nehmen Hinweise zu möglichen strafrechtlichen Aktionen entgegen.

Darüber hinaus können wir über unsere Arbeit transparent berichten und Fragen zum Polizeiberuf beantworten. Nicht nur das, sondern auch die reine Präsenz und moderne und zielgruppenorientierte Art der Kommunikation ist darüber hinaus auch wirksam in Bezug auf die Nachwuchsgewinnung.

Zuschauer können in diesem Interview mehr über Cyberkriminalität (Quelle: twitch.tv).

MeinMMO: Was ist für euch ein erfolgreicher Stream?

PolizeiHannover: Ein erfolgreicher Stream ist jeder, in dem es die Twitch Officer schaffen, Menschen zu erreichen, die sonst eher keine Gespräche mit der Polizei führen. Entweder, weil sie aus unterschiedlichen Gründen Hemmungen entwickelt haben, oder aber auch, weil sie meinen, dass die polizeilichen Inhalte für sie vermeintlich nicht von Relevanz sind.

Wir wollen mit Menschen ins Gespräch kommen. Jede Interaktion, jede Frage, die an uns gerichtet wird und die wir quasi in Echtzeit beantworten können, ist ein Erfolg. Zahlen sind für uns eher zweitrangig, aber natürlich trotzdem von Bedeutung: Je mehr Menschen wir erreichen, desto leichter ist es, relevante Themen und Kernbotschaften der Polizei an eine größtmögliche Zahl von Menschen zu adressieren.

Dass wir mit unseren Streams inzwischen 60.000 bis 80.000 Menschen gleichzeitig erreichen, bei einem vergleichsweise geringen Personaleinsatz, ist fantastisch. Wann schafft es die Polizei schon, ein Präventionsthema für so viele Menschen gleichzeitig verständlich aufzubereiten, wie in ein Bundesliga-Stadion passen?

MeinMMO: Inwiefern? Meint ihr, dass Twitch den Respekt vor der Polizei bei jungen Menschen fördert?

PolizeiHannover: Uns war es wichtig, mit jungen Menschen ein vertrauensvolles Gespräch auf Augenhöhe aufzubauen. Das schafft eben genau jene Gaming-Komponente. Wir wollten uns nie anbiedern und cool tun – unsere Officer sind cool. Sie sind Menschen, die wie viele Twitch-User dieselbe Leidenschaft teilen: das Gaming.

Polizeibeamtinnen und -beamte sind keine Maschinen. Es sind Menschen, die nach dem Dienst nach Hause kommen, um am Controller bei einer Runde Fifa zu entspannen – so wie Schüler, die nach Hause kommen, so wie Azubis, die nach einem stressigen Tag in der Firma einfach nur abschalten wollen. Respekt und Verständnis lässt sich viel leichter erzeugen, wenn beide Seiten Gemeinsamkeiten erkennen. Sie können sich besser in den jeweils anderen hineinversetzen. Respekt ist der Boden, auf dem wir alle gemeinsam stehen.

IRL & Gaming – Die Twitch Officers können beides

MeinMMO: Was ist das Lieblingsformat eures Teams?

PolizeiHannover: Ein echtes Lieblingsformat haben unsere Officer gar nicht. Wie im normalen Job ist es ja die Vielfalt, die die Tätigkeit so spannend macht.

Wir sind bei Twitch vielseitig unterwegs: Wir haben Just-Chatting-Formate mit Experten oder auch einfach nur mit der Beantwortung von FAQs aus der Community. Oft zocken wir mit den Zuschauerinnen und Zuschauern, damit sie sich mit uns messen können.

Auch IRLs zählen inzwischen zu unserem Repertoire. Unvergessen sind der Ausbildungstag mit Zarbex und Schradin oder die Begleitung einer Schwerpunktkontrolle zum Thema Fahrtüchtigkeit auf der Autobahn.

Zarbex und Schradin waren bei der Polizei zu Gast (Quelle Screenshot: twitch.tv).

MeinMMO: Welches Format kommt bei der Community am besten an? Warum glaubt ihr tut es das?

PolizeiHannover: IRLs haben schon die Nase vorn, weil sie einfach einen ungefilterten, also einen sehr authentischen Einblick in die Polizeiarbeit oder -ausbildung geben. Das wollen Menschen sehen. Aber auch FAQ-Formate ziehen inzwischen Zehntausende Menschen pro Stream an.

Zuletzt hatten wir sehr oft 60.000 bis 80.000 Zuschauer, die wir mit einem dreistündigen Stream erreicht haben. Viele haben Fragen an die Polizei, die sie im Stream stellen, für die sie auf der Straße aber nie einen Streifenwagen heranwinken oder eine Fußstreife ansprechen würden.

MeinMMO: Wenn es darum geht, ein neues Format zu entwickeln, wie geht ihr dabei vor?

PolizeiHannover: Wir haben schon einen Plan, was wir gern zeigen wollen und welche konkreten Einblicke wir aus einsatz- oder auch ermittlungstaktischen Gründen geben können. Wir hören aber auch sehr stark auf die Community. Was ist gewünscht? Welche Themen sind besonders stark nachgefragt? Dazu sind wir ja da: Wir wollen ansprechbar sein und unsere Polizei transparent darstellen. Aber die Kommunikation macht nur Sinn, wenn sie nicht in eine Richtung läuft.

Wir wollen mit den Menschen interagieren. Wichtig ist dabei aber auch stets die menschliche Komponente: In jeder Uniform steckt ein Mensch. Das zeigen die Officer auch, wenn sie Humor zeigen, Verständnis, Betroffenheit und vieles mehr. Oder wenn sie eben auch einfach mal scheitern und beim gemeinsamen Gaming eben nicht so gute Skills vorweisen können, wie Mitspielerinnen und Mitspieler aus der Community.

Wie echte Twitch-Streamer produzieren die Twitch Officers auch Reactions. Hier als Reaktion auf ihre Kollegen (Quelle: twitch.tv).

MeinMMO: Welche Spiele/Genres sind für euch auf Twitch tabu?

PolizeiHannover: Wir haben uns dazu entschieden, dass wir aktuell keine gewaltverherrlichenden Spiele zocken. Spiele, in denen Gewalt eingesetzt werden muss, um einen Erfolg zu erzielen oder Missionen zu erfüllen, passen nicht zum Selbstverständnis der Polizei.

Uns ist bewusst, dass wir nicht alle Gamerinnen und Gamer mit Mario Kart, EA FC oder verschiedenen Koop-Spielen ansprechen. Aber diese Games stehen eben auch für unsere Arbeit: Um hier erfolgreich zu sein, braucht es Ehrgeiz, Willen und die Fähigkeit, im Team gemeinsam voranzukommen. Und hey: Bei Games wie GeoGuessr können unsere Officer zeigen, dass sie gute Ermittlerinnen und Ermittler sind und nicht die Orientierung verlieren.  

Zum Glück noch keine peinlichen Momente

MeinMMO: Was war euer liebster Moment bis jetzt auf Twitch?

PolizeiHannover: Ich würde gar nicht auf einen bestimmten Moment abzielen. Zu Beginn waren wir schon recht unsicher, wie unsere Aktivitäten in der Community bzw. bei der jungen Zielgruppe ankommen wird.

Glaubt man uns, dass wir da Gaming-Fans in Uniform sitzen haben, die ihre private Leidenschaft dienstlich einbringen können, oder hält man unsere Streams für eine billige Form der Anbiederung, was es eben nie war? Insofern ist mein liebster Moment, die Feststellung, dass wir eine sehr positive Reaktion auf unseren Kanal erlebt haben und nach wie vor erleben.

Natürlich hinterfragen manche, ob da Steuergelder richtig eingesetzt werden, und das ist auch gut so, dass Menschen diese Fragen stellen. Alleine die Effizienz, die sich aus der enormen Reichweite mit einem sehr schmalen Ressourceneinsatz ergibt, beantwortet diese Frage eigentlich recht eindeutig. Und das merkt auch die Community, die dieses Projekt richtig gut angenommen hat.

MeinMMO: Was waren die peinlichsten Momente bisher?

PolizeiHannover: Gott sei Dank haben wir keine peinlichen Momente erlebt. Es gab keinen Shitstorm und nein, unser Stream war bislang auch noch nie betroffen von einer Swatting-Attacke, was aber auch wenig Erfolg haben würde.

Das ist das Team auf Twitch

MeinMMO: Wer von den Twitch Officers ist der beste Gamer?

PolizeiHannover: Wir haben bei der Auswahl der Officer schon ein Auge darauf gehabt, dass sie unterschiedliche Vorlieben und Lieblingsspiele oder -genre mitbringen, um auch im Gaming sehr vielfältig aufgestellt zu sein. Nichts ist schlimmer als Langeweile, weil wir immer nur dasselbe Spiel zocken.

Tatsächlich sind wir bei EA FC ziemlich gut aufgestellt. Einige unserer Officer haben privat sowie dienstlich bereits an E-Sports-Turnieren teilgenommen, können sich also durchaus mit sehr starken Gamerinnen und Gamern messen.

MeinMMO: Bei welchem Spiel würde das ganze Team zusammenkommen, um es zu spielen?

PolizeiHannover: Wie gesagt: Jeder Officer hat etwas andere Präferenzen: Der eine ist für Fußball eher zu haben als für Racing, andere mögen Simulatoren oder simple Spaß-Games, die man locker mit einer großen Zahl von Zuschauerinnen und Zuschauern spielen kann.

Bei Chained Together können die Twitch Officers ihr Teamwork beweisen (Quelle: twitch.tv).

MeinMMO: Was haltet ihr von der Darstellung der Polizei in Spielen? Wo müsst ihr den Kopf schütteln/Was sind die häufigsten Fehler?

PolizeiHannover: Im Auftrag der Community haben wir sehr früh angefangen, den Autobahn Police Simulator zu spielen. Der ist teilweise schon echt wild. Wer im echten Leben Unfallstellen so absichert wie in diesen Spielen, der dürfte wohl zum Vorgesetzten zum Rapport. Und nein: Die Polizei schiebt auch keine Kühe von der Autobahn.

Lustig ist übrigens auch der Einbruch-Simulator, also „Thief Simulator“. Als wir dieses Game gespielt haben, hatten wir unseren Experten von der technischen Prävention zu Gast, der anhand des Spiels diverse Schwachstellen an Häusern aufgezeigt hat und erläutert hat, wie man technisch aufrüsten kann, um Einbrecher bestmöglich auszusperren. Wie man sieht, kann man auch aus exotischsten Spielen Nutzen ziehen, wenn man es richtig anstellt.

MeinMMO: Wie schafft man den Spagat zwischen der lockeren Twitch-Etikette mit Memes und Slang und eurer Rolle als Gesetzeshüter?

PolizeiHannover: „Gesetzeshüter“ zu sein, bedeutet ja nicht, dass man seine Lockerheit und Authentizität in der Umkleide lässt. Uns ist bewusst, dass Uniformen eine gewisse Distanz zu anderen Menschen erzeugen können, weil sich Beamtinnen und Beamte optisch direkt von der Bevölkerung abheben. Aber in den Uniformen stecken Menschen wie du und ich, die können auch lachen und verstehen Spaß – die gucken nicht die ganze Zeit streng und rattern Gesetzestexte runter.

Das wichtigste Werkzeug bei der Polizei ist in erster Linie Kommunikation. Und damit unsere Botschaften verstanden werden, muss zielgruppengerecht kommuniziert werden, was uns bei Twitch – aus meiner Sicht zumindest – sehr gut gelingt.

Wir haben die Twitch Officer in Auswahlgesprächen kennengelernt und auch darauf geachtet, ob sie entsprechend kommunizieren können oder ob der Amtsschimmel wiehert. Wer unsere Streams verfolgt, kann bestätigen, dass Lockerheit, aber dennoch auch Werte wie Verlässlichkeit und Verbindlichkeit, zum Alltag gehören.

MeinMMO: Was halten ältere Kollegen von den Streams?

PolizeiHannover: Die Akzeptanz steht nicht zwingend im Zusammenhang mit dem Alter. Wir haben es geschafft, Skeptiker in den eigenen Reihen, aber auch aus der Bevölkerung von der Sinnhaftigkeit zu überzeugen – wenn sich diese denn die Zeit genommen haben, unsere Argumente wirklich anzuhören und mit ihren ersten Eindrücken abzugleichen. Wir sind ja nicht nur die einzige Polizei in Deutschland, die aktuell bei Twitch streamt.

Wir haben Gaming auch als Chance in der analogen Welt entdeckt. Wir haben seit einigen Monaten einen sogenannten Gaming-Koffer, der über eine Playstation 5, zwei Controller sowie einen fest verbauten Monitor im Deckel verfügt. Damit können wir das Gaming auch zu Veranstaltungen, in Jugendeinrichtungen oder in Schulen mitnehmen.

Auch hier geht es aber gar nicht ums Gamen. Das gemeinsame Spielen ist für uns ein Türöffner für tiefere Gespräche. Unsere Kontaktbeamten laden andere Zielgruppen, zum Beispiel auf Wochenmärkten, auf einen Kaffee ein, um in lockerer Atmosphäre mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Was bei diesen Kollegen die Kaffeetasse ist, ist bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nun immer öfter der Controller. Wer bei Fifa gegen die Polizei ein, zwei Tore geschossen hat, steht einem Gespräch über Präventionsthemen oder zu persönlichen Problemen viel aufgeschlossener gegenüber, zeigen unsere ersten Erfahrungen.

Die Twitch Officers & ihre Community: Kommunikation ist das Wichtigste

MeinMMO: Wie geht ihr mit negativen Stimmen aus der Community um?

PolizeiHannover: Die Polizei steht dafür ein, die Meinungsfreiheit zu schützen. Dazu gehört es auch, Meinungen, die man nicht teilt, zu akzeptieren. Wir hören Kritik an und reagieren auch darauf, wenn sie sachlich informiert ist.

Inzwischen ist es ein Leichtes, auf die Kritik, wonach unsere Twitch-Streams Steuergeldverschwendung wären, zu reagieren: Nicht nur, dass sich am Grundsatz nichts geändert hat, dass die Polizei Zielgruppen aktiv aufsuchen und diese jeweils auch in geeigneter Form ansprechen muss, wenn sie mit ihnen ins Gespräch kommen möchte.

Es geben uns inzwischen auch die Zahlen recht: Zwei, drei Beamtinnen und Beamte, deren Auftrag in diesem Moment das Gespräch mit der Bevölkerung ist, sprechen in drei Stunden so viele Menschen an, wie sie es selbst bei Großveranstaltungen nicht schaffen. Das ist aus meiner Sicht keine Verschwendung, sondern moderne und zielgruppenorientierte Kommunikation unter effizientestem Einsatz von Mitteln.

In der Kategorie Just Chatting beantworten die Twitch Officers Fragen, wie beispielsweise was sie zu dem Beruf Polizist bewegt hat oder was sie stattdessen beruflich machen würden (Quelle: twitch.tv).

MeinMMO: Wie oft kommt es vor, dass ein Bewerber durch euren Twitch-Kanal zu euch kommt?

PolizeiHannover: Aus technischen Gründen können wir noch nicht messen, wer sich für ein Polizeistudium oder ein Angestelltenverhältnis aufgrund unserer Streams entscheidet. Wir wollen das allerdings künftig gern evaluieren.

Allerdings erhalten wir sehr viele Nachfragen zum Studium, zu Zugangsvoraussetzungen oder inwiefern bestimmte körperliche Merkmale oder Vorerkrankungen ein Hinderungsgrund sein könnten. Einige haben bereits angemerkt, dass sie gern zu uns wechseln wollen, weil die Polizei Hannover durch die Twitch-Aktivitäten als moderne Arbeitgeberin wahrgenommen wird. Das freut uns natürlich sehr.

MeinMMO: Was war ein besonderer Moment, in dem ihr jemanden erreicht habt, den ihr über die klassischen Infostände wohl nie erreicht hättet?

PolizeiHannover: Das sind die Momente, bei denen wir die Rückmeldung von Menschen erhalten, dass sie einen möglichen Ausweg aus einer für sie schwierigen Situation gefunden haben, nachdem sie sich im Chat zu Livestreams an uns gewandt haben.

Das können zum Beispiel Betroffene von häuslicher Gewalt sein, die entweder für sich erstmals realisiert haben, dass das nicht richtig und nicht normal ist, wie sie in ihrer „Beziehung“ behandelt werden, oder aber konkrete Hilfsangebote und Anlaufstellen genannt bekommen, die sie kontaktieren beziehungsweise direkt aufsuchen können.

Ein besonderer Moment ist aber auch, wenn Menschen mit psychischen Problemen durch die Thematisierung ihrer Symptomatik im Stream den letzten Anstoß erhalten, sich jemandem anzuvertrauen und sich Unterstützung zu suchen – sei es nun eine Anlaufstelle oder einfach ein Mensch aus dem persönlichen Umfeld.

Im 1:1 an einem Infostand, vor allem inmitten eines belebten Umfelds wie Messen oder Großveranstaltungen, werden Betroffene sich so vermutlich auch der Polizei höchstselten anvertrauen. Im Chat ist die Hemmschwelle aufgrund der räumlichen Distanz und der Anonymität deutlich niedriger, was solche positiven Entwicklungen natürlich begünstigt.

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Wie schon im Interview erwähnt, ist die Polizei in Niedersachsen nicht die einzige, die sich über Twitch die Erschließung neuer Zielgruppen und mehr Kommunikation zwischen Polizei und Bürgern wünscht. In Dänemark streamen Polizisten ebenfalls, und mehr dazu lest ihr hier auf MeinMMO: In einem Land in Europa zocken Polizisten auf Twitch, und 33.500 Leute folgen ihnen

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