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Von 2008 bis 2013 verging kein Jahr ohne neues Inazuma Eleven. Die gewitzte Mischung aus Fußball- und Rollenspiel erfreute sich exklusiv auf Nintendo-Hardware von DS bis Wii steter Beliebtheit. 2016 wurde der nächste große Schritt angekündigt, mit Ares sollte ab 2018 auch die PS4 erobert werden. Was danach schiefgelaufen ist, hält LEVEL5 unter Verschluss, aber im November 2025 gab es nach zig Verschiebungen doch noch das Happy End. Das inzwischen umbenannte und hierzulande mit dem klobigen Untertitel Helden der Siegesstraße versehene Mammutprojekt ist endlich fertig und zudem gut geworden.
Ganz wie bei den früheren Episoden geht es darum, eine bunte Truppe schrulliger Anime-Sportler zu einem Fußballteam zu formen und dann auf dem Platz zum Erfolg zu führen. Typische Rollenspiel-Aspekte sind dabei nicht nur im Story-Drumherum zu finden, sondern auch während der Matches. Zwar steuert Ihr Eure Spieler direkt und könnt den Ball mit Pässen kicken. Aber sobald Euch ein Gegner stellt, wird ein einfaches Duell ausgefochten, bei dem Ausweich- und Spezialmanöver verwendet werden und der Erfolg nicht zuletzt von den Charakterwerten abhängt. Seid Ihr in Strafraumnähe, verlangsamt sich das Geschehen und Ihr könnt Eure Angreifer gezielt Aktionen ausführen lassen, die teils ausgesprochen pompös inszeniert sind. So trocken beschrieben klingt das abstrakt und der Reiz davon lässt sich nur bedingt vermitteln. In der Praxis fügt sich aber alles stimmig zusammen und sorgt für flotte Matches, bei denen Strategie und Geschick gleichermaßen gefragt sind.
Der Storymodus ist ein unterhaltsames Epos, das nebenher wie ein langes Tutorial fungiert und klug (aber nicht gänzlich umfassend) in die zahlreichen Systeme einführt. Zwar dauert es lange, bis Ihr hier erste richtige Matches erlebt, doch mit vielen Aktivitäten von Training bis zu Nebenmissionen gibt es genug zu tun. Dass bei den Schlüsselpartien dramatische Szenen fix vorgegeben sind und Ihr spezifische Ziele abarbeiten müsst, wirkt in diesem Rahmen stimmig. Wer es direkter mag, kann gleich in den ”Chronik”-Modus einsteigen, der die alten Teile nacherzählt und Euch gegen deren Teams antreten lässt. Und natürlich sind auch Freundschaftsspiele sowie Online-Wettkämpfe zu finden.
Meinung & Wertung
Ulrich Steppberger meint: Um die auf Realismus getrimmten Kickereien wie EA Sports FC & Co. mache ich seit Langem einen Bogen, aber flottere oder einfallsreichere Fußball-Varianten schaue ich mir gerne an. Da kommt Inazuma Eleven natürlich gerade recht, auch wenn ich zugeben muss, die Serie einst schmählich ignoriert zu haben. Das Comeback verlangt erfreulicherweise keinerlei Vorwissen und erzählt primär eine eigenständige Geschichte – und das richtig unterhaltsam. Die technisch tadellos inszenierte Grafik und schick animierte Anime-Sequenzen sorgen für den stimmigen Rahmen, das Charakter-Ensemble wächst ans Herz und die Story ist zwar nicht gerade original, aber motivierend. Vor allem aber funktioniert die Fusion aus Sport- und Rollenspiel-Mechaniken während der Matches prima und lässt Bastlern viel Taktik-Spielraum, den man nutzen kann, jedoch nicht muss. Reinfuchsen solltet Ihr Euch allerdings schon wollen, denn neben einigen Längen zwischendurch werden viele Feinheiten des Spielsystems nur bedingt erklärt und erst durch den praktischen Einsatz nachvollziehbar.
Motivierendes Fußball-RPG mit schicker Aufmachung und klugen Mechaniken, aber auch ein paar zähen Aspekten.
Singleplayer81MultiplayerGrafikSound
