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In naher Zukunft übernimmt Spieletester Samuel einen brisanten Auftrag. Er soll das neue Virtual-Reality-Projekt A.I.L.A ausprobieren, das mit einer innovativen KI individuelle Survival-Horror-Erlebnisse auf den Leib schneidert. Im Verlauf des gut achtstündigen Abenteuers gibt sich die Rahmenhandlung mit alltäglichen Szenen in Samuels Wohnung die Hand mit einzelnen Grusel-Kapiteln an seinem Computer, die großzügig alles zitieren, was im Genre Rang und Namen hat. Und selbstverständlich verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion immer mehr, am Schluss warten ein zünftiger Twist und mehrere mögliche Enden. Bis dahin müsst Ihr erst Eure Survival-Horror-Kenntnisse unter Beweis stellen: In A.I.L.A wird Outlast-mäßig weggerannt und wie in Silent Hill gerätselt und hakelig gekämpft, das mittelalterliche Zombiedorf sieht aus wie in Resident Evil Village und das weitläufige Anwesen wie in Resident Evil 7 biohazard. Neben Haudrauf-Werkzeugen wie Schwert, Axt oder Brecheisen nutzt Samuel Armbrust, Pistole und Schrotflinte. Je nach Szenario variiert der Anstrich, im Kern bleibt die Spielmechanik aber immer dieselbe: Erkunden, Rätsel lösen, Gegenstände finden, Wege ebnen, dazwischen kämpfen und manchmal wegrennen.
Handwerklich ist A.I.L.A solide und sieht dank Unreal Engine 5 auch stimmungsvoll aus. Im Detail merkt man aber, dass es sich um ein Indie-Game mit überschaubarem Budget handelt – und man hört es. Deutsche Sprecher gibt es nicht, auf Englisch klingt insbesondere Samuel oft, als ginge ihn das alles gar nichts an. Dafür sorgt der restliche Sound immer wieder für Gänsehaut.
Meinung & Wertung
Michael Herde meint: Zur Hälfte hätte ich ein ”Gut” gezückt, dann begriff ich, dass der Spielablauf trotz origineller Rahmenhandlung irgendwie gleich bleibt. Das ist an sich okay, denn das Erspähen der offensichtlichen Genrevorbilder bereitet Freude und das Spiel insgesamt funktioniert ordentlich. Zwar fehlt Feinschliff und insbesondere Kämpfe machen weniger Spaß als sie sollten, dafür tröstet der Mix aus Erschrecken, absurden Rätseln und Erkundung – leider ohne Karte! Schade nur, dass die Entwickler aus dem Storyansatz wenig machen: Es bleibt mir zu plump und besonders der Schluss ist arg konstruiert, weil es die Genrekonventionen eben so verlangen.
Wertung
+ Best-of Survival Horror
+ tatsächlich gruselig
+ verheißungsvoller Story-Ansatz…
– …mit bemüht-konstruierter Pointe
– fehlender Feinschliff
– hakelige Kämpfe
Originell inszenierter Survival Horror zwischen KI und VR mit spielerisch konventionellem Kern.
Singleplayer68MultiplayerGrafikSound
