Ein deutscher Krimi sieht aus wie die perfekte Unterhaltung für Boomer, versüßt mir als Gen Z jeden Abend auf Netflix

MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes schaut selten deutsche Filme, doch eine Krimi-Reihe auf Netflix hat ihn so sehr überrascht, dass er jetzt ein Fan ist – auch wenn er nur die Hälfte versteht.

Deutsche Filme haben oft einen negativen Ruf, auch bei mir. Ich schaue sie selten, und abseits von Highlights wie Rheingold, Systemsprenger oder Das Lehrerzimmer bin ich kein großer Fan der Filme der letzten Jahre gewesen.

Ohne das wirklich erklären zu können, saß ich aber letzten Sonntag auf der Couch und suchte einen kurzen Film, den man sich vor dem Schlafengehen noch anschauen kann. Nach langer, verzweifelter Suche stieß ich auf Dampfnudelblues aus dem Jahr 2013. Immerhin geht er nur knapp 90 Minuten.

Obwohl ich gar keine Erfahrungen mit der bayerischen Kultur gemacht habe und manchmal auch den Dialekt nicht verstehe, wurde ich überrascht: Der Film ist richtig gut und die ganze Reihe ist sehenswert.

Eine einzigartige Atmosphäre

Eine deutsche Krimi-Reihe, die in Bayern spielt. Das klingt zunächst nach einem Film, der im Kino wohl eher Boomern zugeordnet werden würde und der mir als Teil der Generation Z wohl gar nicht gefallen würde. Doch ganz ehrlich: Die Eberhofer-Krimis sind etwas Besonderes.

Die Filmreihe basiert auf den Romanen der Autorin Rita Falk, und die Regie übernahm in allen 9 Filmen Ed Herzog. Im Fokus steht immer der Polizist Franz Eberhofer, der als Dorfsheriff in der fiktiven Gemeinde Niederkaltenkirchen einen Fall pro Film löst.

Auf dem Papier wirken die Filme wie klassische Provinzkrimis, nur eben in einer kleinen Gemeinde in Bayern. Aber diese Filme haben eine besondere Stimmung, die man sonst nirgendwo findet.

Die Gemeinde wirkt wie ein losgelöster Ort, und in Kombination mit den seltsamen Bewohnern und dem Dialekt entsteht eine gewisse Heimeligkeit, die ich nur aus dem Heimatort meiner Oma in Polen kenne. Es ist absurd, manchmal etwas unangenehm, aber eben auch gemütlich.

Niederkaltenkirchen ist wie eine Bubble, die eigene Probleme hat, aber von dem Rest der Welt irgendwie abgeschottet ist. Man lernt Dynamiken, Figuren und Rituale kennen, und dadurch sind die Filme wie eine Komfortzone. Ich lasse mich auf sie ein und genieße die Fälle, die schrägen Witze, aber auch die dörfliche Ruhe, die ich als Stadtkind sonst selten empfinde.

Doch die Filme funktionieren nicht nur wegen des Ambientes. Ohne Franz Eberhofer, gespielt von Sebastian Bezzel, wären die Filme nicht annähernd so faszinierend.

Eberhofer gerät in jedem Film in absurde Situationen (Bildquelle: Constantin Film auf YouTube)

Die Anti-These eines Detektivs

Jeder kennt wohl das Bild eines klassischen Detektivs. Ein ernster Typ, düstere Fälle und ein langer Mantel. Franz Eberhofer als Figur ist davon fast eine Anti-These. Er ist stets sarkastisch, hat wenig Gefühl für Timing und seine Kleidung sieht eher aus wie die eines Mannes, der an Karneval als Polizist verkleidet ist.

Doch er hat einen Sinn für Gerechtigkeit, den er verfolgt, auch wenn er eigentlich nicht sollte. Eberhofer ist der Ankerpunkt für Zuschauer, weil er oft fehl am Platz wirkt. Gleichzeitig ist der Ort eben auch für ihn ein Safe Space. Wenn es schlecht läuft, geht er in die Bar und betrinkt sich mit seinen Freunden.

Sebastian Bezzel trifft dabei eine wirklich schöne Balance zwischen Parodie und Liebeserklärung an diesen Typ Mensch. Franz Eberhofer ist hartnäckig, geht mit seinen Freunden nicht immer perfekt um und seine Wortwahl lässt zu wünschen übrig. Aber genau das ist auch sein Charme.

Im Gegensatz dazu hat er Eigenschaften, die man eben von Detektiven, etwa aus dem Noir-Genre, kennt. Er ist stets ruhig, hat immer einen Plan und ist auch etwas grob, wenn es darum geht, seine Waffe zu ziehen.

Ein schöner Kontrast zu ihm sind die Nebenfiguren. Seine freche Oma, sein kiffender Vater und die Bewohner von Niederkaltenkirchen sind schrullig und unangenehm, versprühen aber eine ähnliche Faszination wie Eberhofer.

Die Bewohner von Niederkaltenkirchen haben ihren eigenen Charme (Bildquelle: Constantin Film auf YouTube)

Faszinierend, aber nicht perfekt

Ich kann jedem nur empfehlen, mal in einen der Filme reinzuschauen, doch zugegebenermaßen haben sie auch einige Schwächen. Der Look passt zum Ambiente, manchmal ist die Kamera aber nicht optimal. Da hätte ich mir mehr Experimentierfreude gewünscht. Die gibt es an einigen Stellen, aber da ist noch mehr Potenzial.

Der andere Kritikpunkt: Die Reihe ist super interessant, aber man muss sich auch auf die Witze einlassen, die meine Generation wohl als cringe beschreiben würde. Manche Gags zünden, aber oft sind sie schon an der Grenze zu Altherrenwitzen, die man eher in einer kleinen Kneipe hören würde – immerhin passen sie damit meist zum Ambiente.

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Wie das Gefühl nach Hause zu kommen

Was sagen Filmexperten zu den Eberhofer-Krimis? Im Zuge des Artikels habe ich auch den Filmexperten Marco Risch vom YouTube-Kanal Nerdkultur gefragt, warum er die Eberhofer-Krimis als Fan der Reihe empfehlen kann:

Die bayerischen Eberhofer-Krimis sind wie die österreichischen Knochenmann-Kultfilme – nur als massenkompatibles Kantinengericht: leichter, seichter – aber eben auch genau für den deutschen Gaumen abgeschmeckt!

Die nötige Würze in der Inszenierung hebt sie angenehm vom anderen Einheitsbrei ab: die Musik zaubert daraus einen eingeschlafenen Provinzwestern, wie ihn die Coen-Brüder sich nicht absurder vorstellen könnten. Die Figuren blicken in zentrischen Bildern direkt in die Kamera und unsere Seelen wie Hannibal Lecter. Nur machen sie uns damit keine Angst, sondern erinnern mich an die Archetypen meiner Dorfjugendjahre. Seltsam vertraut das alles… und damit wie das Gefühl, nach Hause zu kommen.

Man muss die Figuren gern haben, auch wenn sie sich mit jedem weiteren Film immer weiter im Kreis drehen wie Franz Eberhofer im Kreisverkehr.

Marco Risch vom YouTube-Kanal Nerdkultur über die Eberhofer-Krimis

Disclaimer: Sowohl der YouTube-Kanal als auch der Podcast von Marco sind Teil des Webedia-Netzwerks, zu dem auch MeinMMO gehört.

Im Zuge seines Podcasts Nerd & Kultur nahm er sogar eine ganze Folge zur Filmreihe auf und sprach dabei mit Filmkritikerin Antje Wessels über die Besonderheiten der Eberhofer-Krimis. Die Folge könnt ihr euch hier anhören:

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Wo kann ich die Eberhofer-Krimis schauen? Die Reihe besteht aktuell aus 9 Filmen, die in dieser Reihenfolge erschienen sind:

Dampfnudelblues (2013)

Winterkartoffelknödel (2014)

Schweinskopf al dente (2016)

Grießnockerlaffäre (2017)

Sauerkrautkoma (2018)

Leberkäsjunkie (2019)

Kaiserschmarrndrama (2021)

Guglhupfgeschwader (2022)

Rehragout-Rendezvous (2023)

Die Filme findet ihr aktuell alle auf Netflix. Dort habe ich sie geschaut, da ich die Plattform am liebsten habe. Ansonsten findet ihr die Filme auch im Abo auf HBO Max oder RTL+ oder viele der Filme auch kostenlos in der ARD-Mediathek.

Es ist auch recht egal, mit welchem Film ihr startet. Die Fälle und Figuren funktionieren auch einzeln. Auch wenn es aussieht, als würden die Filme nur Boomer ansprechen, kann ich euch nur ans Herz legen, reinzuschauen, denn das lohnt sich auf jeden Fall. Weitere Krimi-Empfehlungen findet ihr hier: 5 starke, nordische Krimiserien für einen düsteren Fernsehabend

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