A Knight of Seven Kingdoms ist ja toll, aber könnt ihr mal aufhören, über House of the Dragon zu meckern

Die vorerst letzte Folge von A Knight of the Seven Kingdoms ist live und schließt eine bisher exzellente Serie ab. Allerdings ist MeinMMO-Autorin Sophia Weiß ziemlich von den Fans genervt, die mit dem Erfolg der Serie ausgerechnet House of the Dragon schlecht reden. 

Ich habe A Knight of the Seven Kingdoms absolut genossen und bin Spoilern auf Social Media bestmöglich aus dem Weg gegangen. Was ich allerdings seit einigen Wochen sehe, macht mich teilweise richtig wütend:

Einer schreibt, Game of Thrones ist gegangen, damit House of the Dragon stolpern und A Knight of the Seven Kingdoms rennen konnte (via X.com). Man habe in House of the Dragon niemand Guten zum Anfeuern (via X.com). Alternativ postet man Memes, die die Serie als dumm darstellen (via Threads). Ein anderer Nutzer hat vor ein paar Wochen auch verkündet, Dunks Abenteuer seien besser, weil es darin keine Drachen gäbe.

Ja, A Knight of the Seven Kingdoms ist eine exzellente Serie. Aber deswegen ist House of the Dragon nicht schlecht: Die beiden Serien sind zwei gänzlich unterschiedliche Arten an Geschichte und die eine schlechter zu reden, weil die andere besser sei, geht mir gehörig auf den Zeiger.

Die Heldensage vs. die griechische Tragödie

House of the Dragon und A Knight of the Seven Kingdoms unterscheiden sich nicht nur in der Länge ihrer Episoden und dem Budget. Sondern auch fundamental darin, was genau das eigentlich für Geschichten sind: 

A Knight of the Seven Kingdoms umfasst sechs Episoden, die jeweils ca. 30 Minuten lang sind. Rundum sind es etwa drei volle Stunden Mittelalterspaß, vielleicht etwas mehr. Im Grunde ist die Serie ein schöner Unterhaltungshappen für den Feierabend, den man aber auch bingen könnte. 

Dann sind Duncs Abenteuer aber auch eine klassische Heldengeschichte: Der Underdog Ser Duncan der Große und sein treuer Knappe Ei wollen an einem Turnier teilnehmen. Allerdings bezichtigen die mächtigen Prinzen der Targaryens Dunc einer Missetat und fordern ein Urteil der Sieben. 

Dazu kommt, dass Dunc das Herz am rechten Fleck hat. Er ist seinen Mitmenschen gegenüber immer freundlich und höflich. Er eilt den Armen und Schwachen zur Hilfe. Genau das ist der Grund, warum er überhaupt in die Bredouille gerät. 

Außerdem basiert A Knight of the Seven Kingdoms auf einer Novelle, die für die Serie teilweise 1:1 adaptiert wurde.

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House of the Dragon basiert im Gegensatz dazu auf der Geschichtsschreibung eines fiktiven Maesters, der nach den ganzen Ereignissen rund um Rhaenyra und Aegon alles aufschreibt. Es gibt also keine adaptierbaren Dialoge, sondern nur die groben Rahmenbedingungen, wie in einem regulären Geschichtsbuch. 

Der Kampf um den eisernen Thron zu Rhaenyras Zeiten erzählt vom gewaltsamen Machtverlust einer fast gottgleichen Monarchie: Noch zu Beginn regieren die Targaryens unangefochten, da sie mit ihren Drachen das Westeros-Äquivalent von Atombomben besitzen. Dem stellt sich nach Aegons Eroberung kein noch so mächtiger Lord in den Weg. 

In House of the Dragon geht es um den eigentlich durch gute Kommunikation verhinderbaren Niedergang dieser mächtigen Dynastie. Denn ohne groß spoilern zu wollen: Wenn der Tanz der Drachen zu Ende ist, wird es keine Drachen mehr in Westeros geben, bis Daenerys ihre drei bringt. 

Die Monarchie steht also auf wackelnden Beinen – weswegen targarysche Prinzen überhaupt erst zu einem kleinen Turnier in Aschfurt fahren müssen. Sie betreiben dort Marketing für ihre Regierung. Oder sollen das zumindest tun. Dann passiert Aerion.

Im Grunde zerfleischen sich die Targaryens in House of the Dragon in ca. einstündigen Episoden selbst, weil sie die Erbfolge nicht sauber geregelt bekommen. Dabei machen sie alle Fehler, begehen Fehltritte und müssen den Mist anderer Leute ausbaden. Hier gibt es keine Helden. Es gibt keine Bösewichte. Es gibt nur Menschen mit zu viel Macht und Ambitionen. Hier ist alles einen Ticken komplexer.

Wer also A Knight of the Seven Kingdoms und House of the Dragon miteinander vergleicht, stellt eine Heldensage einer griechischen Tragödie gegenüber. Ich sage nicht, dass House of the Dragon besser ist, als A Knight of the Seven Kingdoms. Ich sage, dass man Äpfel nicht wirklich mit Birnen vergleichen kann. 

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Dunc ist der Superman von Westeros

House of the Dragon wird diesen Sommer wieder pünktlich zum Deutschland-Release auf meinem Fernseher laufen, weil ich tragische Geschichten mit komplexen Charakteren liebe. Außerdem finde ich Drachen grundsätzlich toll und unterstützenswert. 

A Knight of the Seven Kingdoms hingegen hat mir in Folge fünf das Herz (mal wieder) herausgerissen – es ist eine Game-of-Thrones-Prequel-Serie, es war zu erwarten. Aber die sechs Episoden haben mir trotzdem das gleiche warme, wohlige Gefühl gegeben, wie letzten Sommer schon James Gunns Superman: 

Dunc und Ei sind zwei liebenswerte Protagonisten, die vor der harten Westeros-Kulisse eine willkommene Abwechslung zu den heftigeren Storys von George R. R. Martin sind. Rhaenyra gegen Aegon und einfach das Wissen, dass es hier nur Verlierer geben wird, ist im Vergleich natürlich ein viel härterer Brocken zum Verdauen. 

Das Turnier in Aschfurt kommt für mich übrigens auch gerade zur richtigen Zeit: Wenn ich mir die Nachrichten auf Tagesschau.de anschaue, wird meine Laune beim Lesen immer schlechter. Eine hoffnungsvolle Story mit sympathischen Helden und Cast ist da genau das Richtige, um mich aufzuheitern. Ich brauche gerade eben diese positiven Storys und vermutlich bin ich damit nicht alleine. 

Für House of the Dragon setze ich mich dann wieder mit Popcorn hin und freue mich schon auf die Diskussionen mit meinen Freunden. Aktuell streiten wir uns darüber, wie viel von Otto Hohenturms Plan von den Maestern der Zitadelle und deren Abneigung gegenüber Magie motiviert ist. Oder ob er einfach ein machtgieriger zweiter Sohn ist. 

Alles in allem sind A Knight of the Seven Kingdoms und House of the Dragon beides tolle Serien. Die eine passt, denke ich, nur gerade mehr zu dem, was die Leute brauchen, als die andere. Und gebraucht werden empathische Helden und Geschichten, in denen die Guten auch einmal siegen. Das sollte aber die komplexen Geschichten mit den anspruchsvollen Charakteren nicht abwerten.

Dunc ist eben gerade der Superman von Westeros: Warm, herzlich, empathisch.

Buch zu Serie – Adaptieren ist nicht einfach

House of the Dragon hat es durch das Fehlen einer dedizierten Buchvorlage übrigens weitaus schwerer, als A Knight of the Seven Kingdoms. Eine historische Niederschrift von Ereignissen hat nicht den Anspruch, eine spannende und balancierte Story zu erzählen. Zudem ist Geschichtsschreibung immer durch die Sieger eines Konflikts geprägt. 

Damit trotzdem eine kohärente, spannende Serie daraus wird, müssen die Episoden-Autoren von der Vorlage abweichen. Aufgrund fehlender historisch belegter Konversationen können auch keine Dialoge von der Buchseite auf den Fernseher gebracht werden. Den Serienmachern hier Vorwürfe zu machen, sie seien nicht nah genug an der Vorlage, ist entsprechend auch nicht ganz fair.

George R. R. Martin selbst fällt ja auch mit seiner Meinung zu den Serien(machern) auf: Mit dem Showrunner von House of the Dragon, Ryan Condal, hat sich der Westeros-Autor wohl heftig verkracht – wegen Änderungen zwischen Buch und Serie (via Hollywood Reporter). Condal würde schlicht nicht mehr auf Martin hören. Das sei bei A Knight of the Seven Kingdoms ganz anders. 

Ryan Condal selbst sagte Entertainment Weekly gegenüber schon 2025, er habe nach bestem Wissen und Gewissen versucht, Martin in die Produktion von Staffel 2 mit einzubeziehen. Sie seien daran gescheitert, dass Martin manche praktische Hürden hätte nicht anerkennen wollen.

Es ist vielleicht nicht ganz dumm, bestimmte Sachen aus Fire & Blood nicht fürs Fernsehen zu übernehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand wirklich sehen möchte, wie der in der Serie nicht existierende zweite Sohn von Aegon und Haelena von einem wütenden Mob zerfleischt wird. 

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Lasst uns doch vielleicht beide Serien einfach als das genießen, was sie sind: Die eine als anspruchsvolles Drama mit komplexen Seiten, die andere als wohlig warme Heldengeschichte mit liebenswerten Hauptcharakteren. 

Ich freue mich jetzt auf jeden Fall erst einmal auf House of the Dragon Staffel drei. Den ersten Trailer habe ich euch ja oben schon eingebaut. In der Staffel sollte der Krieg so richtig losgehen, und wenn ich meinen persönlichen Wunsch erfüllt bekomme, werden wir einen neuen coolen Drachen sehen: Einer der gefährlichsten Drachen von Westeros hörte auf keinen Targaryen, war eine große Bedrohung für andere seiner Art

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