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Mit ihrem charmanten Rätsel-Adventure Shady Part of Me legten Douze Dixièmes vor einigen Jahren ein solides Debüt hin. Die entschleunigte Hüpferei mit Knobel-Fokus überzeugte vor allem mit ihrer hübschen Präsentation und sackte 76% in der M! 02/21 ein. Für ihr neues, deutlich ambitionierteres Projekt tun sich die französischen Entwickler nun erneut mit Focus Entertainment zusammen. MIO: Memories in Orbit setzt einmal mehr auf eine vorbildliche Inszenierung, tauscht den Rätselspaß des Erstlingswerks jedoch gegen knifflige Metroidvania-Action ein. Eine Rechnung, die trotz einiger Stolpersteine gut aufgeht.
Worum geht es? Die KI-Betreuer einer gewaltigen Weltraum-Arche versagen ihren Dienst und ebnen so den Weg für eine Vollkatastrophe. Ihr schlüpft in die Rolle des titelgebenden Roboters MIO, um das verwinkelte Innenleben des Schiffes zu erforschen, abtrünnigen Maschinen zu trotzen und das drohende Desaster abzuwenden. Das funktioniert alles nach bewährtem Regelwerk, wodurch sich gerade Fans des Genres im Handumdrehen wohlfühlen. Bewegt Ihr Euch eingangs noch träge durch die kompetent verzahnten Eingeweide der Arche, versorgen Euch bald regelmäßige Upgrades mit neuen Bewegungsmöglichkeiten. So schwingt Ihr Euch etwa an Ankerpunkten in luftige Höhen oder krabbelt wie eine Spinne an Wänden und Decken entlang. Damit die Fortbewegung herausfordernd bleibt, gilt es, Eure Ausdauer stets im Blick zu behalten. Nur mit festem Boden unter den Füßen oder mit Hieben gegen passend in der Luft platzierte Feinde und Blüten erholt sich Euer Energievorrat. Daraus resultieren grundsätzlich motivierende Geschicklichkeitspassagen, denen aber gelegentlich frustrierend platzierte Rücksetzpunkte und eine nicht immer präzise Steuerung den Spaß rauben können. Ähnlich verhält es sich mit den fordernden Bosskämpfen, die zwar – wie auch die restliche Spielerfahrung – keinen Innovationspreis verdienen, aber unterhaltsam ausfallen. Sind Euch die Konfrontationen zu knifflig, erleichtern Euch clevere Accessibility-Optionen das Leben. So werden Bosse bei jeder Niederlage abgeschwächt oder Ihr frischt Eure Lebensenergie mit einem kurzen Stillstand auf.
Mit seiner Präsentation und Inszenierung sticht MIO: Memories in Orbit dann aber doch heraus. Der Titel setzt auf eine bildhübsche, handgemalte Optik. Immer wieder verwöhnt Euch MIO mit farbenfrohen, abwechslungsreichen Kulissen, beeindruckenden Panoramen und stilvoll inszenierten Momenten. Ein Eindruck, der sich auch auf akustischer Ebene fortsetzt. Der anregende Soundtrack von Nicolas Gueguen verbindet beruhigend sphärische und treibend elektronische Klänge und trägt so wesentlich zu der stimmungsvollen Atmosphäre bei.
Meinung
Kevin Pinhao meint: Ulrichs Fazit zu Douze Dixièmes’ Debüt Shady Part of Me lässt sich erstaunlich akkurat auf das neue Spiel der französischen Schmiede übertragen. Wie schon das Erstlingswerk ist auch MIO: Memories in Orbit bei Weitem nicht ”bahnbrechend originell, versteht es aber gelungen, vertraute Rezepte mit einem Hauch frischen Wind und vor allem einer sehr schick in Szene gesetzten Welt zu verknüpfen”. Wer auf die nächste große Offenbarung im Genre hofft, wird vermutlich enttäuscht. Steht Euch nach Silksong aber der Sinn nach kompetentem Metroidvania-Nachschub mit Plattforming-Fokus, lege ich Euch MIO wärmstens ans Herz.
Wertung
+ spielerisch kompetent verschachtelte und audiovisuell toll präsentierte Welt
+ Spiel nimmt Euch nicht an die Hand…
– …lässt Euch so allerdings immer wieder mal umherirren
– potenziell frustrierende Rücksetzpunkte
Hervorragend präsentierter Metroidvania-Vertreter, dem es nur
spielerisch etwas an Innovation mangelt.
Singleplayer80MultiplayerGrafikSound
