Lost Planet 2 – im Klassik-Test (PS3 / 360)

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Spiel:Lost Planet 2Publisher:CapcomDeveloper:CapcomGenre:ActionGetestet für:360, PS3Erhältlich für:360, PS3USK:16Erschienen in:6 / 2010

Erneut schickt Euch Capcom auf den gefährlichen Planeten E.D.N. III, um diesen von den Akrid-Monstern zu säubern: Diesmal führt Euch die Handlung aber nicht nur durch Höhlen und Schneewüsten, sondern auch in Dschungel, Sandwüsten und Industriekomplexe – die Eiszeit ist Geschichte. Die Kampagne ist in sechs Episoden mit je vier Kapiteln unterteilt, in denen Ihr wechselnde Helden verschiedener Fraktionen spielt – erst ganz am Schluss führen die Macher die Handlungen der einzelnen Episoden zusammen. Zudem ist die Fortsetzung komplett auf Teamplay ausgelegt: Bis zu vier Spieler ballern sich Schulter an Schulter durchs Alienterritorium!

Auf den ersten Blick ist Lost Planet 2 ein übersichtlich arrangierter Third-Person-Shooter: Die Kapitel führen Euch durch überschaubare Schluchten und Arena-förmige Schauplätze. Es gilt, in jedem Abschnitt bis zu drei Säulen zu aktivieren, die als Respawn-Checkpoint und als Radar­quelle fungieren – dann werden Umgebung und Feinde auf der Karte rechts oben eingeblendet. Bei den Kämpfen gegen Soldaten, Riesenkrebse und Saurier ist oftmals Teamwork der einzig effektive Schlüssel zum Sieg: Die gigantischen Monster schlagen nicht nur wild um sich, sondern knüpfen sich schon im leichten Schwierigkeitsgrad gezielt einzelne Spieler vor – wer einen Volltreffer landet, muss sich stets auf einen mächtigen Gegenschlag einstellen.

Deshalb taugen die zuschaltbaren KI-Söldner nur als dritte und vierte Besetzung: Sie ballern nur selten auf die empfindlichen Punkte eines Feindes und wollen manche Teamaufgaben entweder gar nicht übernehmen oder nur dann, wenn Ihr es vormacht. Da muss man sich schon mal einige Sekunden niederknien, um eine Barriere zu deaktivieren: Wer sich dann nicht auf seine Kame­raden verlassen kann, braucht zig Versuche. Mindestens zwei Spieler müssen zusammenarbeiten, um die Bosse ab Episode drei einigermaßen in Schach zu halten – sonst kann’s stellenweise richtig frustig werden.

Ähnlich verhält es sich mit ­den komplexeren Teamaufgaben, die zusätzlichen Pfiff in die Ballerei bringen: Die Spieler verteidigen etwa in einer Mine vier Schalter gegen zahlreiche Angreiferwellen. Nur wenn sich Eure Mannschaft taktisch klug im Level verteilt, könnt Ihr den reibungslosen Ablauf der Produktion garantieren.

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Besonders originell ist die Episode um den Wüstenwurm: Euer Team erobert einen Zug mit einer mächtigen Kanone, die Ihr auf den Kriecher richten müsst: Während ein Spieler den Ziel- und Feuermechanismus bedient, schaffen die Kameraden Munition aus der Waffen­kammer herbei und aktivieren bei Überhitzung die Sprinkleranlage. Außerdem greifen Amöbenschwärme an, die es abzuwehren gilt – da muss jeder Handgriff sitzen, denn mit dem schwerfälligen Geschütz habt Ihr nur selten die Gelegenheit zum Volltreffer – ein richtiger Nervenkitzel, der für Stimmung sorgt! Als regelrechter Teamsport entpuppen sich die Stunts mit dem Kletter­haken, mit dem Ihr Klippen erkraxeln, Euch aber auch an Monster hängen und dann hochziehen könnt: So erklimmen geschickte Spieler selbst mächtige Giganten wie den Salamander, um dann auf ihm zu reiten – so gibt’s in Lost Planet 2 sogar einiges zu lachen.

Abseits solcher Spielereien gestalten sich die Feuergefechte ­erfreulich abwechslungreich, weil am Wegrand massig Extrawaffen und bemannbare Vehikel warten: Jeweils zwei Waffen wie Shotgun, Raketenwerfer, Sturm- und Scharfschützengewehr könnt Ihr gleichzeitig tragen, außerdem sammelt Ihr Splitter- und lähmende Plasma­granaten. Richtig spaßig wird’s, wenn Ihr in einen der vielen Kampfanzüge bzw. Mechs steigt: Große Modelle besitzen montierte Waffen wie Riesenflinte und Gatling-Maschinengewehr. Damit tretet Ihr selbst den mächtigsten Obermotzen mutig entgegen! Später dürft Ihr gar Kampfhubschrauber kapern und dann aus der Luft in den feindlichen Reihen wüten.

In der Not nutzt Ihr dagegen den ’T-Eng-Versorger’: Dieses praktische Lebenserhaltungssystem lässt sich bei Spendern mit Energie laden, die dann den Helden bzw. Kameraden auf Knopfdruck heilt oder Versorgungscontainer öffnet – in diesen findet Ihr die ganz großen Wummen. Ebenfalls eingebaut sind Zoom-Optik, Nachtsichtgerät und ein automatischer Zielmarker, der alle verwundbaren Objekte nahe des Zielkreuzes markiert. Dieser nutzt Euch vor allem in unübersichtlichem Gelände wie dem Dschungel: Hier ist die Flora so detailliert und dicht, dass Ihr stellenweise nur wenige Meter sehen könnt. Mit dem Zielmarker lassen sich jedoch selbst im tiefen Schilf kleine Feinde flott identifi­zieren und ausschalten. Action­ erwartet Euch übrigens auch in den Sequenzen: Capcom hat ­einige Reaktionsspiele eingebaut, die an manchen Stellen über Leben und Tod entscheiden: Wer dann im korrekten Augenblick eingeblendete Tasten drückt, beeinflusst den Verlauf der Geschehnisse.

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Neben der Kampagne gibt es einen unterhaltsamen Trainingsmodus für Anfänger und Profis: In der Anfänger­version sprintet und klettert Ihr unter Zeitdruck durch 25 Hinderniskurse. In den 25 Parcours der Profiliga aktiviert Ihr in komplexen Arenen die versteckten Säulen: Wer hier erfolgreich sein will, sollte sich bestens mit dem Kletterhaken auskennen.

Im Laufe der Kampagne erbeutet Ihr Erfahrungspunkte, Credits und Spielfigurenteile, mit denen Ihr einen eigenen Kämpfer für die Mehrspielermodi erstellt: Wählt eine von fünf vorgefertigten Figuren und personalisiert diese mit Körperteilen, Waffen, Fähigkeiten, Gesten und Spitznamen. Capcom hat massig Upgrades eingebaut: Mit den Fähigkeiten arrangiert Ihr Boni auf verschiedene Aktionen, Gesten sind dagegen für das Zusammenspiel gedacht – mit acht Tastenkombinationen könnt Ihr Kameraden Mut zusprechen, Freudentänze aufführen und Euch provokativ auf den Hintern klatschen.

Zum Freischalten der vielen ­Elemente nutzt Capcom keinen ­taktischen Extrabaum, sondern ­einen einarmigen Banditen: Bei diesem könnt Ihr de facto nicht verlieren, die ’Niete’ ist jeweils einer der zahllosen Spitznamen. Doch nur die wenigsten Exemplare wie ”Sadist” oder ”Gesetz­loser” will man sich ­wirklich ans Icon kleben – planlose Spitznamen wie ”Eisenbahner”, ”Vorwärts” und ”Schadenskontrolle” machen dagegen­ nix her.
In den Mehrspielerschlachten kämpfen bis zu 16 Spieler in Deathmatch, Teamschlacht oder um Stellungen. Weil zum Zeitpunkt des Tests nur der Systemlink verfügbar war, konnten wir nur einen oberflächlichen Blick auf diese Modi werfen.

Die Summe aller Erfolge ruft Ihr in einer komplexen Charakterstatistik ab und vergleicht sie online: Eure Leistungen in jedem Modus und Abschnitt werden penibel festgehalten. Das bereits eingebaute Download-Menü lässt uns auf geplante Erweiterungspacks mit zusätzlichen Modi und Spielelementen hoffen.

Meinung

Oliver Ehrle meint: Lost Planet 2 ist das ideale Abenteuer für eine hitzige LAN-Party: Die Levels sind spektakulär und taktisch knackig arrangiert, so dass Teamspiel belohnt wird – sowohl mit Erfolgen und Auszeichnungen, als auch originellen Bonusszenen! Nicht zuletzt wegen der vielen steuerbaren Mechs und möglichen Kletterhaken-Stunts lohnt es sich, eine Episode mehrfach zu spielen und bei jedem Durchlauf neue Dinge auszuprobieren. Aber nur, wenn Freunde oder Online-Spieler mitmachen, denn die KI-Bots lassen Euch regelmäßig eiskalt im Stich: Mal laufen sie Euch davon, mal hüpfen sie planlos in einem Graben herum. Bei den Obermotzkämpfen ballern sie einfach wild drauf los, anstatt die blinkenden Schwachstellen ins Visier zu nehmen – da braucht Ihr für manches Ungetüm zahllose Respawns. Zum Glück sind diese unbegrenzt, mit guten Nerven könnt Ihr die Kampagne solo also schon durchspielen.

Wertung

6 spektakuläre Episoden für 4 Spieler
massig wuchtige Waffen und Mechs
taktische Teamaufgaben und -strategien
entwickelbarer Held für Kampagne, Mehrspielermodi und Online-Vergleich

Explosive Alienschlachten mit spannenden Teamaufgaben und entwickelbarem Held – Solisten nerven die planlosen Bots.

Singleplayer82MultiplayerGrafikSound

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