Metroid Prime 4: Beyond – im Test (Switch / Switch 2)

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Spiel:Metroid Prime 4: BeyondPublisher:NintendoDeveloper:Retro StudiosGenre:Action-AdventureGetestet für:Switch, Switch 2Erhältlich für:Switch, Switch 2USK:12Erschienen in:1 / 2026

Dass Metroid Prime 4: Beyond acht Jahre nach seiner Ankündigung und einer bewegten Entwicklungsgeschichte endlich das Licht der Welt erblickt, dürfte sich für manchen Fan surreal anfühlen. Bereits zur Enthüllung lag Samus Arans letztes großes 3D-Abenteuer eine Dekade zurück, nun blickt Corruption langsam, aber sicher seinem 20-jährigen Jubi­läum entgegen – eine lange Zeit, die ganz wunderbar als Nährboden für all die hohen Erwartungen an das Comeback der Serie herhält, die Anhänger im Laufe der Jahre zweifellos aufgebaut haben. Aber kann Beyond diesen auch gerecht werden? Wir verraten es Euch auf den folgenden Seiten.

Als eine vermeintliche Routinemission aus dem Ruder läuft, verschlägt es Samus für ihr neuestes Abenteuer auf den fremden Planeten Viewros. Für die ikonische Kopfgeldjägerin vermutlich nichts weiter als ein normaler Dienstag, bedeutet ihre Ankunft für die einheimischen Lamorn die Erfüllung einer wichtigen Prophezeiung. Als ”Erkorenes Wesen” soll Samus die Geschichte des mysteriösen Planeten und seines gebeutelten Volkes hinaus in die Weiten des Universums tragen. Im Gegenzug ebnen die Hilfesuchenden ihr einen Weg zurück nach Hause – eine Hand wäscht die andere, quasi. Da die Kopfgeldjägerin zur Aktivierung des Teleporters fünf über den Planeten verteilte Schlüssel sammeln muss, bleibt die Arbeit letztlich aber doch vollumfänglich an Euch hängen. Ihr schlüpft also einmal mehr in die polierte Rüs­tung der Serienheldin, um Euch auf eine Reise zu begeben, die den langen Winterschlaf der Reihe auf Anhieb vergessen lässt.

Wie gewohnt startet Ihr Eure Entdeckungsreise lediglich mit einem einfachen Blaster und jeder Menge Neugier bewaffnet. Mit ­Ersterem haltet Ihr Euch fiese ­Aliens aus der Ego-Perspektive vom Leib, während der obligatorische Scan-Visor Letztere befriedigt. Bald füllt sich Euer Werkzeugkasten mit diversen neuen Instrumenten – allen voran den frischen Psy-Fähigkeiten. Ihr manipuliert Schlösser und Konstruktionen per Telepathie, verlagert Energiequellen, legt unsichtbare Plattformen frei oder befehligt ferngesteuerte Geschosse. Sämtliche Fähigkeiten werden serien­typisch kompetent – zuweilen sogar sehr kreativ – ins Level­design eingebettet, wodurch sich die Bezwingung des Terrains (und der gelungenen Bosse) immer wieder belohnend anfühlt.

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Der Schwung an neuen Skills in den ersten Stunden kommt ­allerdings mit einem Haken. Nach einem Startschuss voll anregender, frischer Mechaniken bleiben spielerische Überraschungen im weiteren ­Abenteuer weitgehend aus. Stattdessen konzentriert sich Beyond auf erprobte Elemente: Ihr schwingt Euch per Lasso über ­Abgründe hinweg, kraxelt in Kugelform Wände entlang und füttert Eure Wumme mit neuen – wenig erfinderischen – Munitionstypen. Beyond tischt dabei zwar immer wieder verspielte Ideen auf, große Inno­vationen solltet Ihr aber keine erwarten.

Wie sehr dieser Umstand ins Gewicht fällt, ist von Eurem persönlichen Anspruch an das Spiel abhängig – wir hätten uns durchaus etwas mehr Experimentierfreude gewünscht. Den Controller konnten wir über die gesamte Laufzeit von rund 12 bis 15 Stunden trotzdem kaum aus der Hand legen. Im Gegenteil: Wir kämpften uns sogar ein zweites Mal enthusiastisch durch das Abenteuer, um sämtlichen Scans und Items nachzujagen, die uns beim ersten Anlauf durch die Lappen gingen. Weniger, um die Galerie mit hübschen Konzeptzeichnungen zu füllen als vielmehr, um einfach noch ein wenig länger auf Viewros zu verweilen.

Was dem Abenteuer an Innova­tionslust abgeht, macht es mit seiner hervorragenden Umsetzung wett. Der Mix aus bunter Ego-Shooter-Action und Erforschung abwechslungsreicher Biome hat auch 20 Jahre nach Samus’ 3D-Debüt nichts von seinem Glanz verloren. Getreu dem Motto ”Evolution statt ­Revolution” feilt Beyond an sämtlichen Aspekten: Der Titel spielt sich in allen Steuerungsoptionen butterweich; lediglich die im Kern ­solide umgesetzte Maus-Steuerung kränkelt an der ungünstigen Ergonomie der Joy-Cons. Längere Sessions ohne schmerzendes Handgelenk? Das klappt wohl nur mit unterstützender Peripherie.

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Die vielseitigen Biome motivieren derweil weiterhin vorbildlich zur Erkundung und der Jagd nach versteckten Schätzen, verwöhnen das Auge aber noch ein ganzes Stück regelmäßiger mit beeindruckenden Schauwerten als die Vorgänger. Von gewaltigen, sturmgepeitschten Fabrikkomplexen über verschneite Labor­anlagen bis zum gängigen Vulkan-Ausflug – mit seinen Referenzen auf Sci-Fi-Schwergewichte wie HR Giger, Ridley Scott oder auch John ­Carpenter bereitet ­Beyond audio­visuell großen Spaß. Insbesondere gepaart mit dem facettenreichen Soundtrack, der unerwartet treibende Klänge ­bereithält. Beyond erfindet das Rad nicht neu, fühlt sich aber im besten Sinne wie ein verlorenes GameCube-Abenteuer im modernen Gewand an, das die Stärken der Reihe gekonnt ausspielt.

Wie passt hier also Vi-O-La ins Bild? Samus’ neues Bike entpuppt sich im Test als kurioses Feature. Mithilfe des futuristischen Zweirads überquert Ihr das weitläufige Sol-Tal, das die einzelnen Biome miteinander verbindet. Was auf dem Blatt gut klingt, kommt mit einem nicht unwesentlichen Haken: Während die Raserei dank Arcade-Spielgefühl und einer ­direkten Steuerung grundsätzlich Laune bereitet, gibt es in den Weiten der Wüste kaum etwas zu tun. Von einer Handvoll Breath of the Wild-ähnlichen Rätselstätten und Ruinen, einer Vielzahl von grünen Kristallen zur Freischaltung neuer Gadgets und den immer gleichen drei Gegnertypen abgesehen, düst Ihr die meiste Zeit reibungslos über karge ­Dünen. Das kommt der isolierten Atmosphäre zwar zugute, spielerisch lässt sich aber kaum der Gedanke abschütteln, dass hier jede Menge Potenzial auf der Strecke bleibt. Ärgerlicher noch: Das regelmäßige Durchqueren der Wüste ist die einzige Möglichkeit, um zwischen den Biomen hin- und herzureisen. Das bremst den Spielfluss zuweilen ungelenk aus, da natürlich das genre­typische Backtracking ansteht. Schade!

Entwarnung können wir derweil bezüglich der vorab kritisch diskutierten NPCs geben. Zwar wieselt sich Techniker ­MacKenzie immer wieder mal mit ­unnötigen Tipps in den Funk, um die serien­typische Stimmung braucht Ihr Euch aber nicht sorgen. Die ­meiste Zeit verbringt Ihr weiterhin in atmosphärischer Isolation. Tatsächlich entpuppen sich die Handvoll Kameraden, die Ihr im Spielverlauf trefft als nette Gesellschaft, die uns – im Rahmen einer seichten Geschichte – sogar ein Stück weit ans Herz gewachsen ist.

Meinung

Kevin Pinhao meint: Hat sich das lange Warten denn nun gelohnt? Als großer Fan der Reihe finde ich: absolut! Die gelungene Neuauflage von Samus’ erstem Ego-Abenteuer vor zwei Jahren bewies eindrücklich, dass Metroid Prime auch nach zwei Dekaden noch in vielerlei Hinsicht zur Spitzenklasse gehört – ein Eindruck, den nun die neue Episode bestätigt. Trotz modernem Gewand wandelt das Serien-Comeback über weite Strecken auf bekannten Pfaden und bereitet damit heute wie damals unheimlich viel Spaß. An Teil 2 reicht ”Beyond” nicht ganz heran – dafür drückt man sich dann doch zu sehr um spielerische Überraschungen, während das ”Vi-O-La”-Element unausgegoren wirkt. Die Stärken der Reihe spielt Beyond derweil ganz vortrefflich aus. Einer einwandfreien künstlerischen und technisch bemerkenswerten Umsetzung sei Dank, liefern die Retro Studios hier das rundeste Spielerlebnis seit Samus’ erster 3D-Mission ab. Hoffentlich lässt ihr nächstes Abenteuer nicht wieder so lange auf sich warten.

Oliver Schultes meint: Um gleich den Elefanten im Raum zu benennen: Die Vi-O-La-Wüstenfahrten hätte ich nicht gebraucht. Sie wirken unfertig und wie ein Designkrückstock, um die Biome zu verbinden. Eine elegant zusammenhängende Welt konnte von den Entwicklern offenbar nicht umgesetzt werden. Sei’s drum: Der Rest ist exquisite Metroid Prime-Oldschool-Kost mit all ihren Stärken (toll austarierte Mischung aus Erkundung und Action, viele interessante Spielmechaniken, verwinkeltes ­Leveldesign) und Schwächen (Backtracking, komplexe Kontrollen). Insbesondere die Bosskämpfe, die häufig Um-die-Ecke-Denken, Fingergeschick und Timing erfordern, sind ein Fest. Dass die Switch 2 im TV-Modus solch imposante 4K-Grafik (die Wüste ausgenommen) liefern kann, hat mich zudem positiv überrascht – auch akustisch werden typisch-hochwertige Serienklänge geboten. Eingedenk der holprigen Entwicklung ein würdiger Teil 4!

Wertung

schwerer Modus nach erstem Durchspielen verfügbar
diverse Extras durch Meilensteine im Spiel freischaltbar

”Beyond” liefert das beste Spiel­erlebnis seit dem Original. Innovationsarmut und Stolpersteine verwehren aber die Spitzenposition in der Reihe.

Singleplayer87MultiplayerGrafikSound

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