Warum hat jeder Mensch in Warhammer 40.000 Angst vor der Inquisition? Jemand, der es wissen muss, klärt mich auf

Die Inquisition gilt als eine der gefährlichsten und brutalsten Organisationen in Warhammer 40.000, aber warum ist das eigentlich so? Inquisitoren sind nicht einfach nur Fanatiker ohne Moral. MeinMMO-Redakteur und Warhammer-Experte Benedict Grothaus sprach mit jemandem, der genau zu diesem Thema die perfekte Expertise hat: Anatoly Shestov, dem Executive Producer von Dark Heresy, dem kommenden Rollenspiel zu Warhammer 40.000.

Für Viele gelten Menschen in Universen, in denen es Elfen und Aliens gibt, vielleicht als langweilig und lahm. Aber gerade in Warhammer 40.000 ist das Imperium der Menschheit facettenreich und vielfältig – und hat einige der gefährlichsten Organisationen des Universums hervorgebracht.

Die Liste dieser Organisationen führt zweifelsohne die Inquisition an. Wer sich mit Xenos oder dem Chaos einlässt, sogar nur daran denkt oder den Anschein erweckt, er sei dem Imperator, dem Gott der Menschen nicht treu ergeben, kann im Prinzip mit seinem Leben abschließen, wenn ein Inquisitor davon erfährt.

Inquisitoren gelten als absolut skrupellos und kalt. Aber das ist nicht der Punkt, der sie gefährlich macht. In einem anderthalbstündigen Gespräch mit Anatoly Shestov – in dem ich vieles über Warhammer 40.000 gelernt habe – ging es unter anderem um genau dieses Thema.

Anatoly ist Executive Producer des Rollenspiels Dark Heresy, in dem ihr selbst in die Rolle eines Inquisitors schlüpft. Owlcat, das Studio dahinter, arbeitet eng mit Game Workshop zusammen, insbesondere bei Fragen zur Lore. Kaum jemand könnte mir also besser erklären, was die Inquisition so gefährlich macht.

Warhammer 40.000: Dark Heresy im Announcement-Trailer


Autoplay

„Es gibt Grenzen. Die Inquisition setzt diese Grenzen.“

Die Frage recht zu Anfang unseres Gesprächs war eigentlich ziemlich simpel: „Was macht die Inquisition deiner Meinung nach zu einer so gefährlichen Organisation?“ Anatoly reagiert mit einer Gelassenheit, als habe er diese Frage nicht nur erwartet, sondern als sei er ein erfahrener Lehrer, der gerade einem Schüler die Grundlagen seines Fachs darlegt:

Es gibt Grenzen. Für jede Organisation im Imperium gibt es Grenzen. Es gibt Regeln. Es gibt Bedingungen, denen du dich fügen musst. Die Inquisition, auf diesem Weg oder Spektrum der Dinge, ist die einzige Organisation, die diese Grenzen, Bedingungen und Regeln für alles im Imperium setzt.

Nicht der Hohe Rat von Terra tut diese Dinge, die Inquisition macht das. Am Ende ist die wichtige Frage, wer die Wächter überwacht. Das ist eine der… sagen wir, am meisten erwachsene Seiten des Universums, eines der vielschichtigsten Dinge.

Anatoly Shestov, Executive Producer für Dark Heresy bei Owlcat

Konkret heißt das: Die Inquisition arbeitet außerhalb der Gerichtsbarkeit des Imperiums. Was auch immer sie als richtig oder falsch deklariert, ist so – zumindest für den Moment und auch nur, wenn der Inquisitor die entsprechende Verstärkung im Rücken hat, um sein Recht durchzusetzen. Die Inquisition ist nicht allmächtig, in Warhammer sei man immer nur „so stark wie die Feuerkraft, die man selbst und seine Streitmacht mitbringt.“

Selbst den Worten eines Inquisitors leiste man keine Folge, wenn dieser seine Befehle nicht durchsetzen kann. Und Anatoly gibt noch ein weiteres Beispiel: Selbst die Inquisition sei Abhängig von anderen wie dem Mechanicus. Denn wer wartet die tolle Ausrüstung nach einer Mission?

Anatoly und Owlcat haben schon zuvor mit Rogue Trader ein ähnliches Narrativ bedient: Freihändler sind selbst so etwas wie Allmächtige außerhalb des Rechts, nur eben nicht innerhalb des Imperiums, sondern ausschließlich abseits dessen Grenzen.

„Alle anderen haben strikte Regeln, strikte Uniformen“

Genau diese Möglichkeiten sind es aber auch, die die Arbeit mit der Inquisition so spannend machen, wie er mir weiter erklärt. Einen Inquisitor als Hauptfigur für ein Spiel zu nehmen, gebe gewisse Freiheiten:

[Die Inquisition] ist eine der [Organisationen] mit der weitesten Möglichkeit an Freiheit, um eine solche Organisation darzustellen. Alle anderen haben nicht nur strikte Regeln, sondern strikte Uniformen und eine strikte Vorgabe an Dingen, die sie nicht nutzen dürfen.

Die Inquisition ist die einzige, die solche Beschränkungen nicht hat. Nur die, die sie sich selbst setzt. Das macht sie, aus meiner Sicht, am interessantesten, am gefährlichsten und am ansprechendsten.

Anatoly Shestov, Executive Producer für Dark Heresy bei Owlcat

Das Gespräch verlor sich dann für eine Weile in den Lore-Tiefen, unter anderem mit der Frage, welche Inquisitoren Anatoly eigentlich am coolsten findet oder welche er gerne mal in einem Spiel erwähnen würde. Es fielen einige Namen, darunter der berühmte Fidus Kryptman, der einst einen „genialen“ Plan gegen die gefräßigen Tyraniden erdacht hat.

Kryptman ist ein perfektes Beispiel für die grenzenlose Macht, die die Inquisition besitzt: trotz Widersprüche hat der Inquisitor eine vermeintlich an die Tyraniden verlorene Welt mit einem Exterminatus vollständig vernichtet, etwas, das nur in äußersten Ausnahmefällen passieren sollte. Und damit wollte er sogar eigentlich noch weiter machen …

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Nicht jeder Inquisitor ist gleich, denkt gleich

Da ich mich selbst sehr auf Dark Heresy freue und schon vom ersten Anspielen sehr angetan war, habe ich Anatoly auch noch ein wenig zu seinem kommenden Spiel ausgefragt – gerade mit Blick auf die Inquisition. Denn die hat verschiedene Ausrichtungen:

Der Ordo Xenos, der sich auf den Kampf gegen Aliens spezialisieret und dem die Deathwatch als militärischer Arm zur Seite steht.

Der Ordo Malleus, der gegen Dämonen kämpft und mit dem geheimen Orden der Grey Knights arbeitet.

Der Ordo Hereticus, der natürlich alles bekämpft, was nach Ketzerei klingt und entsprechend oft Unterstützung von den fanatischen Adepta Sororitas bekommt.

Mehrere kleinere Ordos mit verschiedenen Aufgaben.

Dazu kommt eine Unterteilung in Puritaner, die sich streng an Regeln und den Glauben halten, und Radikale, die alle Mittel nutzen (wobei Anatoly betont: „Jeder Inquisitor hält sich für einen Puritaner“). Laut Anatoly ist der Ordo, dem man in Dark Heresy angehört nicht festgelegt und auch keine Auswahl, eure Taten entscheiden eure Ausrichtung.

Genau solche Möglichkeiten seien auch das Spannende an der Inquisition als Fokus-Punkt: „Es gibt so etwas wie einen ‘wahren’ Adeptus Mechanicus oder einen ‘wahren’ Arbites, aber es gibt keinen ‘wahren’ Inquisitor. Sie sind von Natur aus unterschiedlich. In einem Rollenspiel müssen wir solche Anpassungs-Optionen offen lassen.“

Dies hier ist der zweite Teil des Gesprächs. Da wir fast 90 Minuten lang in die tiefsten Tiefen des Nerdtums abgetaucht sind, verarbeite ich unser „Interview“ in mehreren Teilen. Ihr könnt euch also auf noch einen oder zwei weitere Teile freuen.

Eine Bitte gab mir Anatoly allerdings noch mit: während des Alpha-Tests von Dark Heresy hat ein Nutzer immer wieder nach Romanzen für Space Marines gefragt. Die Hartnäckigkeit und Hingabe dieses Fans hat Owlcat beflügelt. Anatoly bat mich darum, deswegen eine Nachricht mit aufzunehmen: Falls das jemand von euch war, meldet euch.

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