Metal Gear Solid: Peace Walker – im Klassik-Test (PSP)

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Spiel:Metal Gear Solid: Peace WalkerPublisher:KonamiDeveloper:Kojima ProductionsGenre:Action-AdventureGetestet für:PSPErhältlich für:PSPUSK:16Erschienen in:7 / 2010

War der Kalte Krieg überhaupt ein Krieg oder eher eine Phase des Friedens, weil ein ”Gleichgewicht des Schreckens” zwischen den Nuklearmächten herrschte? Ein Atomangriff zöge automatisch einen Vergeltungsschlag nach sich, es gäbe keine Sieger. Daher drückt keiner den roten Knopf. Doch was, wenn die Angegriffenen rational handelten und nicht zurückschlügen? Dann bräche das Konstrukt in sich zusammen. Metal Gear Solid: Peace Walker liefert eine mögliche Lösung für dieses Dilemma, doch die wollen wir Euch nicht verraten. Dafür verraten wir Euch, warum der Ttel das bis dato ambitionierteste, umfangreichste, ja vielleicht beste Spiel für die PSP ist.

Die Geschehnisse von Peace ­Walker ereignen sich nach Teil 3 und ­Portable Ops, wir befinden uns im Jahr 1974 in Costa Rica. In dieses Land ohne eigene Armee marschieren Truppen der CIA ein und Jack alias Naked Snake alias Big Boss soll intervenieren, zur Belohnung winkt eine Militärbasis in der karibischen See. Doch das ist nur der Einstieg in eine erneut komplexe Geschichte um nukleare Bedrohung, die dieses Mal nachvollziehbarer denn je erzählt wird. Neben interaktiven Cut-Scenes im animierten Comic-Look erfahrt Ihr Handlungsrelevantes sowie Lehrreiches in ausführlichen Standbild-Dialogsequenzen, die erstmals aus dem eigentlichen Spiel herausgenommen und in ein separates Menü gesteckt wurden. So bestimmt Ihr, ob und wann Ihr zuhören möchtet.

Doch weniger das Schicksal des besetzten Landes beschäftigt unseren Protagonisten, vielmehr wird er die Gedanken an seine einstige Mentorin ”The Boss” nicht los. Als er ihre Stimme auf einem Band hört, mischt sich Snake in den Konflikt ein. Dass erneut zahlreiche beteiligte Charaktere doppeltes Spiel miteinander treiben, imposante Mechs eine Rolle spielen und viel geschlichen und gekämpft wird, steht außer Frage. Doch das ist es nicht, was ”Peace Walker” so besonders macht.

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Das spielerische Fundament stellt Snakes Mutterbasis dar, die zugleich als Hauptmenü dient. Hier verwaltet Ihr im Verlauf der Story, die in überschaubare Missionshappen unterteilt ist, eine drastisch zunehmende Vielfalt an Möglichkeiten. Im Zentrum steht dabei stets der Aufbau Eurer Söldnerarmee ’Militaires sans Frontières’. Hierzu rekrutiert Ihr bewusstlose Feinde im Einsatz, spürt verborgene Geiseln auf, scannt reale WLAN-Access-Points oder tauscht Soldaten mit anderen Spielern. Zwischen den Schleichpassagen in Dschungel, Militärbasis und Co. trefft Ihr wiederholt auf schweres Kriegsgerät wie Panzer und Hubschrauber. Entscheidet Ihr Euch dafür, die begleitenden Soldaten auszuschalten, streckt irgendwann der Anführer seinen Kopf aus dem Vehikel. Per Betäubungspistole schickt Ihr ihn ins Schlummerland. Rekrutiert ihn und der Panzer gehört Euch. Den wiederum entsendet Ihr zusammen mit Angriffsteams im Modus ’Auftrags-Ops’ – einem rundenbasierten Rollenspiel, bei dem bis zu acht KI-gesteuerte Kämpfer und Vehikel im Rahmen etlicher Nebenmissionen gegen Feinde antreten. Ein ganzes Bündel an Statuswerten entscheidet über den Ausgang der Schlachten, die die Werte Eurer Krieger verbessern und neue Ausrüstung freischalten.

Neben den Schleich- und Ballereinsätzen in Echtzeit, die bisweilen zur Nebensache werden, läuft Peace Walker rundenbasiert ab: Kameraden heilen, Panzer flicken, Ausrüstung entwickeln, Gefangene überreden – all das passiert, während Ihr der Story folgt oder in Nebenmis­sionen Werte pusht. Nach jedem Einsatz erhaltet Ihr Nachrichten und Belohnungen, die zum Weiterspielen motivieren – selbst einen eigenen Metal Gear konstruiert Ihr mit der Zeit. Dafür benötigt Ihr wiederum verschiedene Bauteile, die Ihr in einigen der besten Bosskämpfen der MGS-Geschichte beschafft.

Leider konnten wir vorab nicht ausreichend testen, wie gut sich Peace Walker zusammen mit Freunden spielt. Das prüfen wir nach dem 17. Juni im ’Nachspiel’-Bericht. Nach gut 30 Stunden stehen wir vor dem letzten Bossgegner, aber wir haben so viel noch nicht gesehen: Wo ist die angekündigte ”Monster Hunter”-Insel? Und weshalb ist die auf der linken Seite abgebildete Basis mehr als doppelt so groß wie unsere? Was kommt denn da noch alles? In jedem Fall seid Ihr mit Peace Walker wochenlang beschäftigt, denn zahlreiche Faktoren wie neue Ausrüstung motivieren dazu, Mis­sionen mehrfach zu spielen und unterschiedlich anzugehen. Leider genügt es angesichts kurzsichtiger und mitunter wenig treffsicherer Feinde häufig, einen nach dem anderen ihm Nahkampf bewusstlos zu schlagen – doch planvolles Schleichen ist spannender!

Wir empfehlen die volle Installa­tion des Spiels, die mit 880 MB zu Buche schlägt. Dafür sind Ladezeiten gering und englische Sprachausgabe allgegenwärtig.

Meinung

Michael Herde meint: Peace Walker ist komplexer und umfangreicher als jedes andere PSP-Spiel. Gleichzeitig wurde das Abenteuer aber so intelligent aufgebaut, dass ich mich nie überfordert fühle. Und selbst nach einer Woche Spielpause rufen Tutorials und Hilfemenüs alles ins Gedächtnis, was ich wissen muss. Gleichzeitig schließt der Titel die Kluft zwischen Lernen und Spielen und ist in meinen Augen der erste ernstzunehmende Edutainment-Titel. Weil Historie und Fiktion erkennbar getrennt sind, habe ich einiges über weltpolitische Zusammenhänge im Kalten Krieg ­gelernt und überprüft, ob das alles auch so stimmt. Ja, tut es. Das ist nicht weniger als genial und ein wichtiger Schritt hin zu reiferen Videospielen. Auch spielerisch fesselt der Mix aus Rollenspiel und taktischer Schleichaction ungemein, denn Kojima versteht es meisterhaft, mich fürs Charakter-Leveln zu belohnen. Technisch ist das Spiel erste Sahne, allein die ­manuelle Kamera verhält sich gelegentlich chaotisch – trotz unterschiedlicher Steuerungsmodi. Dass ich nicht kriechen kann, stört nicht; die Tatsache, dass das Spiel beim Durchstöbern des Inventars nicht anhält, dagegen schon.

Oliver Ehrle meint: Die bisherigen Strategie- und ­Action-Ableger waren nur zum warm werden, denn Peace Walkeer ist das erste echte Metal Gear für Sonys Handheld! Und dabei hat Konami nicht nur die Stärken der PlayStation-Serie – sei es Präsentation oder optionale Vorgehensweisen – mobil gemacht, sondern mit den taktisch einsetzbaren Überläufern, Luftangriffen, Koop-Einsätzen und allerlei anderen Elementen noch einen drauf gesetzt. Immer wenn man glaubt, alle Aspekte des Abenteuers entdeckt zu haben, kommt eine neue Spielfacette hinzu. Außerdem hat Konami die intrigenreiche Kalter-Krieg-Handlung so einleuchtend arrangiert, dass man sie beim ersten Durchlauf kapiert. Genial finde ich zudem die Möglichkeit, Missionen zu wiederholen – nicht nur wegen der Item-Jagd, sondern weil mir manche Snake-Missionen besonders viel Spaß machen.

Wertung

haufenweise Nebenmissionen aller Art
Koop-Modus für bis zu 4 Spieler
optionale Codec-Hintergrundinformationen zu Politik, Landeskunde, Kultur, u.v.m.
Armee mit Panzern und Metal Gear

Kaum Luft nach oben: ”Peace Walker” ist ein epochales Meisterwerk, wie es PSP-Spieler noch nie gesehen haben.

Singleplayer94MultiplayerGrafikSound

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