Vor MeinMMO: Als das Geld knapp war, schrieb ich Geschichten über schlüpfrige Superhelden

MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz plaudert aus dem Nähkästchen und erzählt euch von seiner Freiberuflichkeit. Zeitweise entwarf er mal launige, mal schlüpfrige Quest-Texte für Browser-Games, um seine Rechnungen zu bezahlen.

Als ich mich 2009 dazu entschloss, mein Glück als Redakteur für PC- und Videospiele zu versuchen, wartete noch kein sicherer Hafen der Festanstellung auf meinen Karriere-Kutter. Stattdessen fuhr ich nach den ersten Paddelversuchen im Praktikum raus aufs raue Meer der Freiberuflichkeit.

Ich hatte Glück, und das in gleich mehrfacher Hinsicht. Als verlässlicher Autor, der bereit war, unzählige Stunden in Vorschau-Artikel, Tests, Guides und Sonderhefte zu Online-Rollenspielen zu investieren, war es kein Problem, an Auftraggeber und Aufträge zu kommen.

Genau in dieser Zeit startete zudem das frisch gegründete WoW-Heft MMOPRO voll durch. Zur Erinnerung, wir sprechen hier von einer Zeit der fallenden Auflagen und eingestellten Magazine. Als freiberuflicher Frischling in eine etablierte Heft-Redaktion reinzukommen und dort regelmäßig mehr als ein paar Seiten schreiben zu dürfen, war fast unmöglich.

MMORPGs wie WoW begleiten MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz bereits seit zwei Dekaden.

WoW: Dunkles Herz – Die Suche nach der Vorbotin

Dank einer persönlichen Empfehlung durfte ich für die zweite Ausgabe der MMOPRO meine ersten Testseiten schreiben. Ein paar Monate später kamen bereits mehr als 20 Seiten pro Ausgabe von mir. Das war ein erstaunlich stabiles Fundament für einen Leichtmatrosen wie mich, der noch zu den Frischlingen der Branche gehörte.

Und da im Jahr 2010 und darüber hinaus einige namhafte MMORPGs erschienen – wie Star Wars: The Old Republic, Guild Wars 2 oder Final Fantasy XIV -, fühlte sich das weite Meer der Freiberuflichkeit gar nicht so rau an wie befürchtet. Es gab in den Anfangsmonaten eher zu viel als zu wenig Arbeit. Was ein glücklicher Luxus.

Die Gezeitenwende

Es blieb jedoch nicht bei strahlendem Sonnenschein und Wind in den Segeln. Mein Karriere-Kutter steuerte nach den ersten Jahren Freiberuflichkeit auf eine Sturmfront zu. Die MMOPRO bekam keinen Fuß auf den Boden und musste eingestellt werden. Zudem erschienen sukzessive immer weniger Online-Rollenspiele, die einen Hype entfesseln konnten, der Sonderhefte und große Guide-Strecken rechtfertigte.

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Ich hatte zwar erneut Glück und kam nach der Einstellung des Hefts bei der direkten Konkurrenz unter, der PC Games MMORE, doch gab’s dort bereits eine etablierte Hierarchie aus Festangestellten, die den Großteil der Seiten unter sich aufteilten. Ich musste mich also nach alternativen Aufträgen umschauen, um die wegfallenden Print-Seiten aufzufangen.

Fremdgehen mal anders

Tatsächlich konnte ich mein Angebot an Services im Laufe der nächsten Jahre deutlich erweitern. Ich schrieb immer häufiger auch über Spiele anderer Genres, half Verlagen bei der Übersetzung englischer Schwester-Magazine und übernahm vereinzelt PR-Aufgaben, etwa für das Verfassen von sogenannten Advertorials (Werbeanzeige in redaktioneller Form).

Am spannendsten fand ich jedoch die Zusammenarbeit mit Playata. Die beiden Gründer, Mathias Fabian und Marcel Anacker, hatten seinerzeit das Community-Tool Blasc sowie die WoW-Datenbank für buffed entwickelt – so kam es zum ersten Kontakt.

Zuerst durfte ich Quest-Texte für einige Level von Hero Zero schreiben. Das ist ein humorvolles Browser-Game, in dem man sich vom Sesselkuschler zum Superschurken-jagenden Helden aufschwingt.

Der neckische Grafikstil von Big Bang Empire erinnert euch vielleicht an den Klassiker Leisure Suit Larry.

Das zweite Spiel des Teams kommt ähnlich bunt und lustig daher, hört jedoch auf den Namen Big Bang Empire und macht euch zum angehenden Erotik-Star. Hierfür schlüpfrige Texte, Conventions und Stages zu entwerfen, war ein großer Spaß. Hier ein Beispiel für das Briefing einer zeitbasierten Quest:

„Die EvilDick Productions hat in Beverly Humps ebenfalls ihre Zelte aufgeschlagen. Infiltriere das Studio des größten Konkurrenten von Trent und finde heraus, was dort gerade für Pornos gedreht werden.“

Und der Text nach dem erfolgreichen Abschluss der Aufgabe: „Als Komparse verkleidet gelangst du in das noble Studio. Anscheinend setzt die Konkurrenz auf Hightech-Geräte wie selbstreinigende Vagina-Nachbildungen und Vibratoren mit Zielhilfe. Davon muss Trent erfahren!“

Es war eine wertvolle Erfahrung, auch mal an der Produktion von Spielinhalten beteiligt zu sein und Games nicht nur aus der sicheren Entfernung zu kritisieren. Ich muss aber auch zugeben, dass mir diese Art der kreativen Arbeit deutlich schwerer fiel als das Schreiben von Guides und Tests.

Entsprechend froh war ich, als ich die Freiberuflichkeit 2015 gegen eine Festanstellung als Redakteur sowie ein planbares monatliches Gehalt eintauschen konnte. Endlich ein sicherer Hafen für den eigenen Karriere-Kutter, der mich letztlich zu MeinMMO und damit zu euch geführt hat.

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