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Als namenlose Kriegerin mit weißer Mähne nehmt Ihr Euch der Aufgabe an, die Welt von fünf fiesen Akolythen zu befreien. Viel mehr Erklärung gibt und bedarf es eingangs auch nicht, damit Ihr losziehen und diverse Schauplätze von allerhand dämonischen Schergen säubern dürft. Zum Auftakt lediglich mit einer einfachen Klinge versorgt, fühlen sich ”Souls”-Veteranen im Gefecht schnell pudelwohl. Ihr nutzt die rechten Schultertasten für leichte und schwere Hiebe, blockt mit der linken Schultertaste und setzt optional zur Parade an. Natürlich springt Ihr wahlweise auch auf Knopfdruck in Sicherheit und versorgt Eure Wunden mit Heilmitteln, die wie besiegte Feinde nach einem Gebet am entsprechenden Lagerfeuer-Pendant wieder aufgefrischt werden. Hier und da legt Ihr nützliche Abkürzungen auf dem linearen Weg frei und arbeitet Euch so Stück für Stück zum Bossgegner des jeweiligen Gebiets vor. Morbid macht kein Geheimnis daraus, in hohem Maße von den Genre-Pionieren aus dem Hause FromSoftware inspiriert zu sein. Manch einen Schauplatz und diverse Gegnertypen könnte man gar als schamlos kopierte Budget-Version der großen Vorbilder bezeichnen, das haben andere schon subtiler verpackt.
Es gibt aber auch eine Handvoll spannender eigener Ideen und Systeme: Mit jedem besiegten Feind wächst etwa ein Bonus-Multiplikator, der verdiente Erfahrungspunkte erhöht, solange Ihr nicht das Zeitliche segnet. Die investiert Ihr nicht in Stufenaufstiege, sondern in Segen für unterschiedliche Boni wie erhöhte Gesundheit und schnelle Ausdauer-Regeneration. Eure Waffen schmückt Ihr mit Runen, die sich auf ihre Werte auswirken, oder Ihr bindet sie permanent, um so die Sockel für neue Runen frei machen. Und dann wäre da noch Eure geistige Gesundheit, die gen Erleuchtung oder Wahnsinn tendiert, je nachdem, wie Ihr Euch im Kampf anstellt. Erleuchtet verbraucht Ihr weniger Ausdauer und erfreut Euch an erhöhter Erfahrung. Wahnsinn lässt Euch hingegen auf Geister besiegter Feinde treffen, macht Euch dafür aber auch kräftiger. Diese Mechaniken greifen stimmig ineinander und verleihen Morbid bei aller Ähnlichkeit zu den beliebten Genregrößen zumindest eine eigene Note.
Außerdem spielt es sich erfreulich flott und direkt, nach kurzer Eingewöhnungszeit nehmt Ihr es souverän mit großen Feindgruppen auf, die auf Anhieb erst mal unbezwingbar anmuten. Das lässt dann auch die betagte Technik verschmerzen, die sich irgendwo auf PS3- und Xbox-360-Niveau bewegt.
Meinung
Kevin Pinhao meint: The Lords of Ire macht anfangs nicht den Eindruck, entpuppt sich aber schnell als kompetentes Soulslike, das mit direktem Kampfsystem und einer Handvoll spannenden Ideen auf bekanntem Boden überzeugt. Geschmälert wird dieses solide Gefühl lediglich von einer Technik und Präsentation, die ziemlich aus der Zeit gefallen wirken – auf den ersten Blick würde man es vermutlich in der vorletzten Konsolengeneration verorten. Allerdings tat dieser Umstand meinem Spaß über weite Strecken des überschaubaren Abenteuers selten Abbruch. Solltet Ihr also noch nach einem kleinen – und preiswerten – Soulslike-Appetizer suchen, werft ruhig einen Blick darauf.
Wertung
jedes Gebiet mit optionalem Boss
zahlreiche unterschiedliche Waffen für jeden Spielstil
Hinter einer längst überholten Technik verbirgt sich ein kompetentes Soulslike mit toller Spielbarkeit und einer Handvoll spannender Ideen.
Singleplayer74MultiplayerGrafikSound
