Killzone 2 – im Klassik-Test (PS3)

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Spiel:Killzone 2Publisher:SonyDeveloper:Guerrilla GamesGenre:Ego-ShooterGetestet für:PS3Erhältlich für:PS3USK:18Erschienen in:3 / 2009

An wen denkt Ihr, wenn das Stichwort BioShock fällt? Genau, an die Big Daddys. Wer kommt Euch in den Sinn, wenn die Sprache auf Horrorfilme wie ”Nightmare on Elm Street” und ”Halloween” oder den SciFi­-Schocker ”Alien” kommt? Richtig, die Bösewichte Freddy Krueger und Michael Myers oder die fiesen Sabbermonster. Was ­diese Streifen mit Killzone 2 gemein haben? Der Feind ist der Star. Der Feind ziert das DVD-Cover oder die Spiele­packung. Der Feind steht sinnbildlich für das Produkt. Die Kill­zone-Serie ohne die grimmigen Helghast mit ihren durchdringenden roten Augen und den bedrohlichen Atem­masken – undenkbar!

Aber wie hieß noch mal der Held aus dem ersten Teil? Na? Templar war der Name des austauschbaren Kämpfers. Und die anderen spielbaren Charak­tere? Verschwunden im Videospiel-Nirwana,­ vergessen. An die Männer mit den Masken hingegen werdet Ihr nach dem ­Genuss von Killzone 2 noch lange denken. Euch daran erinnern, wie sehr sie Euch in den Allerwertesten getreten haben, wie hartnäckig sie ihren Heimatplaneten verteidigt haben. Natürlich auch, wie rücksichtslos ihr charismatischer Herrscher seine Soldaten in den sicheren Tod geschickt hat oder wie kaltblütig sein Schoßhund General Radec gegen Eure Kollegen vorgegangen ist.

Euer Feldzug beginnt in dem Augenblick, als Euer Alter Ego Sev seinen Fuß auf den Planeten Helghan setzt. Ihr werdet oft ins Gras beißen, aber Ihr werdet noch viel mehr Feinde erschießen. Ihr werdet Euch am Controller festklammern und Ihr werdet staunen. Staunen über die künstliche Intelligenz, welche die holländischen Entwickler den Helghast-Kämpfern eingeimpft haben. Zu behaupten, die Rotaugen hätten im Vergleich zu Teil 1 dazugelernt, ist eine glatte Lüge. Sie haben nicht nur dazugelernt, sie sind nicht mehr wiederzuer­kennen. Wenn Ihr hinter einer Deckung verharrt, könnt Ihr sicher sein, dass bald ein explosives Metallei in hohem Bogen vor Euren Füßen landet – begleitet von einem grollend-fiesen Spruch des Absenders: ”Hier hast du was zum Spielen!”

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Also raus aus der Deckung und über das offene Feld gespurtet – zum Glück steckt Ihr einige Treffer weg, bevor der schwarzweiße Bildschirm vom baldigen Tod kündet. Robust sind auch die Helghast: Meist reichen einige Kugeln nicht aus, um die gepanzerten Feinde umzunieten. ­Einen entscheidenden Vorteil habt Ihr jedoch – Eure Energie regeneriert sich automatisch.

Sind die Schergen erst einmal in Deckung, fängt das Spiel von vorne an: Seid Euch sicher, dass ein Helghast fast nie an ein und derselben Stelle zweimal über die Deckung lugt. Einige Zenti­meter über selbige zielen und abwarten, bis der behelmte Schädel wieder auftaucht – das funktioniert nicht. Oft hat aber auch die etwas träge Zielsteuerung Schuld: Wenn Gegner von einer Hausecke zur nächsten spurten, kommt Euer Zielvisier anfangs kaum hinterher. Mit der Zeit gewöhnt Ihr Euch daran – verzagt also nicht, wenn in den ersten Missionen viele Schüsse ihr Ziel verfehlen. Parallel müsst Ihr gefallene ­Kameraden wiederbeleben oder die Flanken im Auge behalten – gerade in den höheren Levels bietet kaum ein Winkel wirklich Sicherheit.

Eine weitere Spezialität von Killzone 2 sind Kämpfe auf verschiedenen Ebenen – in zerstörten Häusern feuern die Helghast durch Löcher in der Decke, anderswo fliegt tödliches Blei durch die Stufen ­einer Treppe. Doch keine Sorge: ­Obwohl Ihr mitunter einen Augenblick braucht, um zu erkennen, von wo Ihr beschossen werdet, sind die Gefechte fast nie unfair – häufige Checkpoints vermeiden Frust. Außerdem habt Ihr der maskierten Armada einiges entgegenzusetzen.

Wie schon im Vorgänger sind die verschwenderisch detaillierten Flinten eine Wucht: Zig verschiedene MGs unterscheiden sich in Magazin­größe, Feuerrate und Zielgenauig­keit. Hinzu kommen u.a. ein Flammen­werfer (der im Gegensatz zu Far Cry 2 nur Feinde brutzelt), ein explosives Bolzenschussgewehr oder die (zu) starke Elektroknarre. Über Munitionsmangel klagt Ihr nur sehr selten, schließlich könnt Ihr die Waffen der gefallenen Gegner erbeuten; schade eigentlich, dass Ihr stets nur eine dicke Wumme mit Euch herumtragen dürft. Noch mehr Feuerkraft bieten stationäre Geschütze, deren Wucht jedem ”Rambo”-Film zur Ehre gereichen würde – im Gegensatz zum Master Chief vermag Euer Held Sev diese nicht aus der Verankerung zu reißen.

Zweimal geben Euch die Entwickler Fahrzeuge an die Hand: Nach einem kurzen Panzereinsatz müsst Ihr lange auf ein weiteres Cockpit warten. Dass dennoch keine Langeweile aufkommt, dafür tragen die Missionsziele Sorge: Ihr müsst die Stromversorgung der helghanischen Verteidigung kappen, Brücken erobern, Plätze verteidigen, Luftabwehrgeschütze zerstören, verschleppte ISA-Soldaten befreien oder auch mal ein Haus sprengen. Klar, dass sich unter die (bis zum Ende des Spiels) knapp 800 getöteten Helghast einige wenige Bossgegner mischen.

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Doch auch die normalen Helghast-Einheiten zeichnen sich durch angenehm unterschiedliche Vorgehensweisen aus: Während so mancher mit gezogenem Messer heranstürmende Maskenmann den Begriff ’Kamikaze-Fußsoldat’ verdient, machen Euch die gut geschützten Flammenwerfer-Einheiten das Leben schwer – sie rappeln sich sogar vom Boden wieder auf. Noch kniffliger ist der Mann mit der Chaingun: Seine Metallpanzerung knackt Ihr nur mit dem Raketenwerfer; ist keiner zur Hand, dann feuert auf sein Gesicht, bis er Euch erschöpft den Rücken zuwendet – ein ganzes Magazin in Richtung des dort ­platzierten Gastanks und der Koloss ist Geschichte.

In Deckung geht Ihr mit der L2-Taste – eine Lektion, die Euch die Entwickler schon früh beibringen. Im Gegensatz zu Rainbow Six Vegas 2 wechselt die Spielperspektive dann aber nicht zur Third-Person-Sicht. In Killzone 2 lehnt Ihr Euch im Ego-Modus an Wände oder Kisten. Ein Druck auf den Analogstick genügt dann, um aus der Deckung zu schnellen und Feinde ins ­Visier zu nehmen. Während das bei niedrigen Hindernissen problemlos abläuft, funktioniert das Bewegen im Deckungsmodus nicht optimal – mal stehen Kollegen im Weg, mal könnt Ihr nicht um die gewünschte Kante lugen. Eine Bereicherung für den Spielablauf ist dieses Feature dennoch: Durch Ausnützen der Deckungsmöglichkeiten rückt Ihr leichter vor und vermeidet so ­manchen digitalen Exitus. Nur schwach ins Spielgeschehen eingebunden wurde hingegen die Sixaxis-Steuerung – beim Snipern ist die Feinjustierung via Analogstick komfortabler; das Aktivieren von Sprengsätzen oder Hebeln geht als nette Spielerei durch, die aber ­keinen echten Mehrwert darstellt.

Mehr Wert hat da schon die Grafik. Killzone 2 macht den 2005er Rendertrailer endgültig vergessen und verweist sogar die Ego-Shooter-Referenz Call of Duty 4: ­Modern Warfare in die Schranken (trotz schwächerer Texturen sowie eintönigerer Farbpalette) und wirkt ­insgesamt stimmiger, echter, schmutziger und wuchtiger. ­Neben den vielen feinen Details (von kleinen Klappen und Hebeln an den Waffen bis hin zu glühenden ­Gewehrläufen der Geschütze) tragen die Animationen wesentlich dazu bei. Guerrilla mixt physik­basierte Bewegungen der Körper mit Motion-Capturing-Verfahren; das macht das Stiefeln, Springen, Stürzen und Sterben der Helghast-Einheiten zum Genuss. Ganz nebenbei vermitteln die zuckenden Leiber eine perfekte Rückmeldung Eurer Treffer.

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Natürlich drängt sich auch in puncto Schlachtenintensität ein Vergleich mit der Call of Duty-Serie auf: Selbst hier legt Killzone 2 spätestens in der zweiten Spielhälfte noch eine Schippe drauf. Die Entwickler machen Euch stets klar: Hier tobt der Krieg! Wenn Ihr inmitten einer Gruppe versengter Rot­augen-Soldaten thront, über Euch die Flugabwehr donnern hört und zeitgleich fliegende Drohnen Jagd auf Eure Kollegen machen, dann ist nicht mehr Euer Charakter Sev auf Helghan, sondern Ihr selbst. Wer den grandios inszenierten Sturm des Reichstags in Call of Duty: World at War erlebt hat und danach das Schlusslevel von Killzone 2 übersteht, wird erkennen, dass die Kampfhandlungen in Killzone 2 noch intensiver, noch näher am Spieler sind.

Allerdings werdet Ihr Euch auch wundern, warum manchmal unendliche Gegnerhorden anrollen. Ganz einfach – gescriptete Events müssen ausgelöst werden: Erst wenn der feindliche Soldat am stationären MG erledigt ist, kommen seine Kollegen nicht mehr in Scharen aus dem als Bunker getarnten Helghast-Generator. Leider merkt Ihr das meist erst, wenn Ihr den ­gewünschten Punkt passiert habt.

Wer befürchtet, dass Killzone 2 während der gut zehn Stunden dauernden Einzelspieler-Kampagne (die Ihr nicht kooperativ zocken könnt) kaum aus den grauschwarzen Straßenzügen der helghanischen Hauptstadt herauskommt, darf aufatmen. Auch wenn die Abwechslung in puncto Farbgebung und Levelgestaltung nicht an Halo 3 oder Call of Duty 4 heranreicht, peitschen Euch die Entwickler durch etliche Szenarien – u.a. ballert Ihr Euch durch staubige Einöden oder eine verwinkelte Raffinerie und macht sogar einen fahrenden Zug unsicher. In Grundzügen müssen die Szenarien auch für den packenden Mehrspieler-Modus herhalten – soll heißen: Die teils gigantischen Karten orientieren sich grafisch an den vom Einzelspieler-Modus vorgegebenen Levels. Praktischerweise könnt Ihr bis zu 15 Bots in die acht Arenen einladen und den Online-Ernstfall proben.

Meinung

Matthias Schmid meint: Flüssige, geile Grafik hebt den Spielspaß, clevere Gegner auch – dieser Ego-Shooter hat beides. Spielerisch gefällt mir Call of Duty 4 wegen der abwechslungsreicheren Szenarien und genaueren Steuerung besser, doch Killzone 2 setze ich die Grafikkrone auf – die Entwickler haben Wort gehalten, ­dafür verdienen sie großes Lob. Nur während der ersten Spielstunden war ich etwas enttäuscht – die Anfangs-Levels sind sich zu ähnlich. Nicht glücklich bin ich mit der Visualisierung der gegnerischen Treffer – oft blicke ich mich planlos um, von wo ich beschossen werde. Sekunden später versöhnt mich eine akribische Nachlade-Animation, entzückt mich eine bombastische Schlacht oder zieht mich das Helghast-Design in seinen Bann. Enttäuschend, dass eine Story quasi nicht vorhanden ist. Gerne hätte ich mehr über die finsteren Machthaber erfahren oder Seite an Seite mit Rebellen gefochten.

Oliver Schultes meint: Dreckig, kompromisslos, knallhart: Der Krieg gegen die Helghast läuft in einer Intensität ab, die mir regelmäßig den Atem raubte. Die Gefechte fesseln mit herausragenden Kämpfen auf engem Raum, die so nur ansatzweise in Half-Life 2 und Call of Duty 4 zu sehen waren. Vorstürmen, das Magazin leerballern, in Deckung gehen, nachladen, aus der Deckung heraus feuern und ein paar Meter weiter das gleiche Prozedere noch einmal, bis die Maskenträger schließlich röchelnd am Boden liegen – das geht an die Substanz und lässt den Adrenalinpegel steigen. Die zweite Stärke von Killzone 2 ist die Grafik: Kein PS3-Spiel sieht derzeit gleichzeitig so gut und so stimmig aus. Ob Detailgrad, Design oder Animationen – die Optik begeistert auf ganzer Linie. Für die Auszeichnung ’Ego-Shooter-Referenz’ reicht es dennoch nicht ganz. Call of Duty 4 hat mehr Tempowechsel, Bio­Shock das spannendere Szenario samt einfallsreicher Story und Half-Life 2 mit seinen Erweiterungen das insgesamt etwa dreimal so umfangreiche Action-Paket. Das dämpft meine Begeisterung allerdings nur wenig: Killzone 2 ist ein Kaufgrund für die PS3!

Michael Herde meint: Ich halte das erste Killzone für einen Grafikblender mit mäßigen spielerischen Qualitäten. Dementsprechend skeptisch war ich bei Teil 2. Doch der übertrifft meine Erwartungen bei Weitem: Die dreckige ­Atmosphäre ist top und endlich steckt auch ein gutes Spiel hinter der schicken Fassade. Die Helghast verhalten sich überraschend clever und sorgen für packende Gefechte, bei denen mich die geschmeidigen Animationen immer wieder verblüffen. Die spärlichen Sixaxis-Einlagen sind hingegen überflüssig, die behäbige Steuerung erschwert präzises Zielen zumindest in den ersten Stunden. Nach langer Eingewöhnungsphase erlaubt sie jedoch ein einzigartiges Spielgefühl, obwohl das Deckungsfeature hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Schade auch, dass die Entwickler auf eine Story verzichten, was inmitten der intensiven Kämpfe zum Glück kaum ins Gewicht fällt. Eher stören mich teils lahme Waffen, Fruststellen mit unzähligen Gegnerwellen und Kameraden, die mir in engen Passagen den Weg versperren.

Wertung

äußerst intensive Schlachten
Blut: ja, Splatter: nein
martialisches Waffenarsenal
8 Mehrspieler-Karten (für Solisten auch mit Bots spielbar)

Sonys Exklusiv-Shooter protzt mit ­Bombast-Optik, ebenso klugen wie coolen Feinden und den härtesten Konsolen-Kämpfen.

Singleplayer88MultiplayerGrafikSound

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