Über Baldur’s Gate 3 gibt es viel Lob. Doch eine Quest ist so schlecht implementiert, dass die Community sich wünschte, es gäbe sie gar nicht.
Wenn man an Games denkt, die möglichst viel Freiheit bieten und so ziemlich alle Entscheidungen der Spielerinnen und Spieler berücksichtigen, dann ist Baldur’s Gate 3 wohl ganz oben auf der Liste. Egal ob bei der Lösung von Kämpfen oder Quests, es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, um sie abzuschließen und fast jeder Zauber und jede Fähigkeit kann in irgendeiner Weise dazu beitragen. Zwar gibt es manchmal Kleinigkeiten, wie einen Stab, der seine Wirkung in Cutscenes verliert, aber der überwiegende Teil ist durchdacht und konsequent.
Doch eine Quest gegen Ende des Spiels wird von einem großen Teil der Community nicht gemocht. Denn sie ist einfach schlecht im Vergleich zu dem, was das Spiel sonst bietet.
Autoplay
Um welche Quest geht es? Es geht um den Vorfall mit dem Doppelgänger in Akt 3. Sobald ihr nämlich in der Stadt Baldurs Tor ankommt, erhaltet ihr nach kurzer Zeit die Warnung von Gortash, dass sich ein Doppelgänger in eurem Lager befindet. Dabei handelt es sich also um ein Wesen, das sich als eines eurer Gruppenmitglieder ausgibt. Die Quest mündet später in einer Entführung und die Aufgabe scheint klar zu sein: Finde den Doppelgänger, bevor etwas Schlimmes passiert.
Der einzige Haken: Das ist überhaupt nicht möglich und ignoriert alle Mechaniken der Spielwelt.
Was ist das Problem an der Aufgabe? Im Subreddit von Baldur’s Gate 3 hat der Spieler TheHatOnTheCat einen langen Beitrag darüber verfasst, was an der Aufgabe alles nicht funktioniert. Denn die Heldentruppe des Spiels hat einige besondere Umstände, die eigentlich dafür sorgen sollten, dass sich ein Doppelgänger recht leicht identifizieren lässt.
Ja, du wirst gewarnt, dass es einen Gesichtslosen in deinem Lager gibt. Ja, jeder würde annehmen, dass du versuchen sollst, diese Person ausfindig zu machen. Du sollst das nicht tun und du kannst es gar nicht. Es ist buchstäblich unmöglich für dich, den Vorfall zu untersuchen und herauszufinden, wer das ist.
Das Problem an der Aufgabe ist, dass du eigentlich eine Vielzahl von Möglichkeiten hast, um einen solchen Betrüger ausfindig zu machen:
Tränke, Zauber, Schriftrollen und ein Amulett, mit dem man „Detect Thought“, also „Gedanken aufdecken“ wirken kann
Wenn man einen Doppelgänger tötet, nimmt er wieder die ursprüngliche Form an. Das ist bei keiner Person im Lager der Fall.
Hinzu kommt der Umstand, dass die Heldentruppe eigentlich durch die Gedankenschinder-Würmer im Kopf telepathisch miteinander verbunden sind. Immer wieder führen sie nicht nur Dialoge über Telepathie, sondern haben auch Einblick in die Gedanken und Erinnerungen der anderen Personen. Damit sollte es ein Kinderspiel sein, herauszufinden, wer denn eigentlich der Doppelgänger ist.
Es gibt keinen Doppelgänger – bis das Spiel sagt: Doch!
Wirklich problematisch ist an der Aufgabe, dass sie schlicht nicht lösbar ist. Denn zu dem Zeitpunkt, wo man vor dem Doppelgänger gewarnt wird und logischerweise Nachforschungen anstellt, hat das Spiel noch gar nicht entschieden, wer denn der Verräter sein soll:
Das Spiel lügt dich an. Ja, es gibt einen Verräter in deinem Lager, aber das Spiel hat sich noch nicht entschieden, wer es sein wird. Du kannst keine Nachforschungen anstellen und es gibt keine Möglichkeit [den Verräter] zu fangen, denn alle sind gegenwärtig noch sie selbst. Das heißt auch, dass es überhaupt keine Hinweise gibt, denn das hätte ja minimalen Aufwand erfordert, diesen „Plot“ effizient einzubauen.
Oder, wie TheHatOnTheCat es am Ende drastischer formuliert:
Die Gesichtslosen-„Quest“ ist die dümmste „Quest“ im ganzen Spiel. Ehrlich, es ist sogar die dümmste „Quest“ über mehrere Spiele hinweg. Der überwiegende Teil des Spiels ist gut, aber das hier ist nur ein Kacke-Emoji, das von einem Grundschul-Kind gemalt wurde.
Die Worte sind vielleicht ein bisschen arg gewählt, aber gerade gemessen mit dem Rest der Qualität von Baldur’s Gate 3, sticht der ganze Doppelgänger-Vorfall doch besonders negativ heraus. Aber ein Spiel kann eben wohl niemals perfekt sein und so hat Larian auch noch etwas, das sie im nächsten Spiel verbessern können.
Fast so gehasst wie die Quest wird aber ein Volk in D&D – Die Tieflinge. Aber das hat viele Gründe.
Der Beitrag Baldur’s Gate 3 hat an alles gedacht – nur eine Quest ist richtig, richtig schlecht erschien zuerst auf Mein-MMO.
