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Sieht man einmal von der famosen Knobel-Perle Humanity (89% in M! 06/23) ab, ziehen sich zwei klare Motive durch das Portfolio von Enhance Games: die spielerische Nutzung des Synästhesie-Konzepts (bekanntlich ein Steckenpferd von Studiogründer Tetsuya Mizuguchi) und die damit verbundene Wiederaufbereitung etablierter Klassiker – meist aus eigener Schöpfung wie Rez Infinite, aber auch mal (siehe Tetris Effect) von anderen Großmeistern. Entsprechend war die größte Überraschung bei der erst vor Kurzem erfolgten Ankündigung des jüngsten Projekts, dass es nicht schon früher passiert ist. Denn Lumines Arise passt perfekt ins Enhance-Schema und es wird genau das abgeliefert, was man sich davon erhoffen konnte.
Wie einst 2004, als der erste Teil das Start-Line-up der PSP veredelte, stapelt Ihr auch bei Arise von oben in ein Feld fallende Quadrate mit zwei mal zwei Blöcken, die jeweils eine von zwei Farben tragen. Am Boden sollten diese dann so angeordnet sein, dass gleichfarbige Rechtecke nebeneinanderliegen, um anschließend von einer im Takt zur Musik durchlaufenden ”Zeitlinie” ausgelöscht zu werden. Das Prinzip ist schnell begriffen (und wird bei Bedarf in 60 kurzen Trainingsaufgaben klug beigebracht), unverwüstlich und fast unverändert. Nur ein neues Element wurde in Arise eingefügt: Vergleichbar zur ”Zone”-Mechanik von Tetris Effect ladet Ihr hier einen ”Burst” auf, der bei Aktivierung das Geschehen verlangsamt und Euch das Bilden besonders großer Combos ermöglicht. Das ist gerade bei Zweispieler-”Battle”-Duellen ein elementarer Vorgang, fügt sich aber ebenso stimmig in Solo-Aktivitäten ein. Ebenfalls wie bei Tetris schaltet Ihr im zentralen ”Reise”-Modus 35 Skins frei – also Levels, die jeweils mit eigener Optik und Musik aufwarten und durch die Bank sehens- wie hörenswert ausfallen und den Spielablauf dezent variieren. Denn jeder Skin hat noch einmal drei Phasen, in denen sich die Fallgeschwindigkeit der Quadrate und die Zeitlinie verändern können.
Ansonsten gibt es ein paar High-Score-Jagden auf begrenzte Zeit, 26 Herausforderungen, die mit teils eigenwilligen Modifikatoren das Grundkonzept variieren und Loomii: ein knuffiges virtuelles Ebenbild von Euch, dessen Aussehen Ihr selbst bestimmt.
Meinung
Ulrich Steppberger meint: Eigentlich konnte hier nichts schiefgehen: Das Lumines-Konzept funktioniert seit dem ersten Teil tadellos, die neue ”Burst”-Mechanik fügt sich ebenso gelungen wie stimmig ein. Und dass man sich um die ästhetische Seite keine Sorgen machen musste, lag nach Tetris Effect auch auf der Hand. Entsprechend erfüllt Lumines Arise meine hochgesteckten Erwartungen ohne Probleme und ich schäme mich fast ein bisschen dafür, mir insgeheim doch noch eine Prise mehr Originalität zu wünschen. Aber man kann eben nicht alles haben und was hier drinsteckt, ist das Geld und Eure Zeit absolut wert. Der zentrale Reise-Modus mit seinen drei Dutzend Skins erweist sich als der erhoffte Genuss. Die Trainingsfunktion ist klug gemacht, die Missionen beherbergen einige gewitzte und durchaus einfallsreiche Herausforderungen. Und selbst Sammelmuffel dürften Lust drauf haben, neue Komponenten für ihren Loomii freizuschalten. Lumines Arise ist ein Kunststück!
Wertung
VR-Faktor: Wie bei Tetris Effect ist die Quadratstapelei in VR leicht verträglich und an sich identisch – die schicken Details von einigen Skins kommen dabei aber noch etwas besser zur Geltung.
Ein zeitlos-gelungenes Knobelkonzept mit schicker audiovisueller Hülle – das Rezept geht erneut toll auf.
Singleplayer85MultiplayerGrafikSound
