Seit Jahrtausenden prägen Weinberge das Bild des Mittelmeerraums. Jetzt zeigt eine Grafik, dass ausgerechnet diese Regionen bald nicht mehr für den Weinbau geeignet sein könnten – doch die Darstellung sorgt auch für Diskussionen.
Was genau zeigt die neue Karte? Laut einem Beitrag von The European Correspondent, der sich auf aktuelle Klimamodelle und -erhebungen bezieht, deuten neue Szenarien auf einen drastischen Wandel hin: Die Weinbaugebiete rund ums Mittelmeer – darunter Spanien, Italien, Griechenland oder Südfrankreich – könnten durch die steigenden Temperaturen und zunehmende Dürreperioden bis zur Mitte des Jahrhunderts kaum noch für den traditionellen Weinbau geeignet sein.
Im Gegenzug erscheinen nördlichere Länder wie Deutschland, Polen, die Niederlande oder sogar Teile Skandinaviens künftig besser für den Weinanbau geeignet.
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Wie dramatisch ist die Lage wirklich?
Warum sorgt die Karte für Kontroverse? Während The European Correspondent auf TikTok die Brisanz der klimatischen Entwicklungen betont, gibt es in den Kommentaren reichlich Kritik – insbesondere an der dargestellten Karte.
Ein kurzer Blick erklärt, warum: Traditionelle Weinbauregionen wie die Steiermark (Österreich), Jerez (Südspanien) oder Alentejo (Portugal) fehlen – ebenso wie bedeutende Teile in Deutschland, Frankreich oder der Schweiz.
In fast allen einbezogenen Ländern gibt es solche Lücken. Wie Xataka deutlich macht, liegt das wiederum an der Datengrundlage der Karte, dem sogenannten Huglin-Index. Dieser Index fasst die Temperatursummen während der Wachstumsperiode (April bis September) zusammen — und berücksichtigt sowohl Tagesmittel‑ als auch Tagesmaximaltemperaturen sowie die geographische Lage. Je wärmer ein Gebiet über die Saison ist, desto höher der Huglin‑Index und desto eher eignet es sich für wärmeliebende Rebsorten (via meteoblue).
Quelle: TikTok
Weil der Index in Zukunft überall steigt (heißere Sommer durch Klimakrise), verschieben sich die geeigneten Zonen für den Weinanbau Richtung Norden.
Ist der Huglin-Index passend? Die Karte stellt die Verschiebung der Eignung für den Anbau in den Fokus: Mediterrane Regionen steigen in höhere Huglin‑Index‑Kategorien, während bislang zu kühle Gebiete im Norden Europas für Weinbau attraktiv werden. Das bestätigt auch eine ungarische Studie, die einen kontinuierlichen Anstieg des Index in mehreren Weinregionen dokumentiert (Frontiers).
Allerdings kann der Huglin‑Index nur die thermische Eignung abbilden — er berücksichtigt nicht Niederschlag, Frostrisiken, Bodenverhältnisse oder Sonnenscheindauer, die für die tatsächliche Weinqualität und den Erfolg eines Weinbaus ebenso entscheidend sind (via Landesportal Rheinland Pfalz).
Der Huglin‑Index und die darauf basierende Karte zeigt: Der Klimawandel verändert den europäischen Weinbau grundlegend. Wie dramatisch, das wird sich in den kommenden Jahren genauer zeigen. Konkrete Forschung zur europaweiten Verschiebung von Anbaugebieten gibt es derzeit jedoch nicht.
Was der Weinbau durchmacht, erleben auch andere Bereiche der Landwirtschaft. Wie kreativ manche Lösungen aussehen können, zeigt etwa ein spannender Fall aus der Energiewende: In einem Land wurden 1.700 Schafe untersucht, die zwischen Solarpaneelen grasen – mit überraschendem Ergebnis
Der Beitrag Zum ersten Mal in der Geschichte zeichnet sich die Möglichkeit eines Mittelmeers ohne Wein ab erschien zuerst auf Mein-MMO.
