Unser MMORPG-Experte Karsten Scholz berichtet so regelmäßig über das Sauercrowd-Projekt in WoW Classic, dass er sich dachte: „Ich sollte es selbst erst einmal besser machen als die eine oder andere Twitch-Nase.“ Was er mit seinem Hardcore-Charakter in den ersten 45 Stunden erlebt hat? Lest weiter!
Seit 2005 dürfte ich in World of Warcraft über alle Charaktere und Versionen hinweg auf deutlich über 3 Jahre Spielzeit kommen. Die schönsten Erfahrungen konnte ich dabei in der Zeit von Vanilla-WoW bis zum Finale von Wrath of the Lich King sowie in der ersten Variante von WoW Classic machen – jeweils als Teil einer tollen Gilde mit noch tolleren Menschen.
Ich verbinde mit der originalen Version von WoW also viele nostalgische Erinnerungen. Dennoch brauche ich immer ein paar Jahre Pause, bis ich wieder Lust auf die entschleunigte Spielerfahrung von damals habe. Und auf die Idee, das mit Hardcore-Regeln auszuprobieren, bin ich nie gekommen. Wer ist schon so bescheuert …?
Nun, offenbar sehr viele Spieler. Hierzulande aktuell vielleicht sogar so viele Spieler wie noch nie zuvor – aufgrund des Projekts Sauercrowd der deutschsprachigen Twitch-Szene. Darunter viele WoW-Neulinge, die das wunderbare Azeroth unter verschärften Bedingungen kennenlernen.
Autoplay
Das erste Mal Hardcore …
Als ich Anfang Januar 2026 über die unglückliche Begegnung der Streamerin LostKittn mit einer der tödlichsten, weil auf den ersten Blick harmlos wirkenden Fallen aus Azeroth schrieb, musste ich zugeben: Das ist mir vor 20 Jahren auch passiert.
Dann dachte ich mir: Wenn ich regelmäßig über die Hardcore-Erlebnisse von Sauercrowd schreibe, dann sollte ich vielleicht auch einfach mal selbst schauen, wie sich WoW Classic mit verschärften Regeln spielt (und wie weit ich kommen kann).
Auf die Art könnte ich zudem die Stimmung auf dem Sauercrowd-Server abchecken, einen Eindruck von der Population erhalten und mir nach Möglichkeit auch das eine oder andere Ingame-Event geben. Also natürlich nur, wenn ich das Projekt überlebe …
Das erste Mal Allianz …
Da sich die Sauercrowd-Streamer in einer großen Abstimmung für die Allianz entschieden hatten, musste ich sogar ein wenig aus meiner Komfortzone heraustreten. Während ich die Level-Gebiete und Quest-Hubs der Horde wie meine Westentasche kenne, sind mir die Abenteuer unter dem blauen Löwenbanner fast völlig unbekannt.
Gefährliche Allianz-Quests, die schwerer sind, als sie auf den ersten Blick aussehen? Gebiete und Routen, in beziehungsweise auf denen man gerne mal in Horde-Wachen reinläuft? Nun, solche Dinge werde ich wohl auf mich zukommen lassen müssen. Verschärft wird das, weil ich auf Addons jedweder Art verzichte. Ich muss also … „würg“ … Questtexte lesen.
Dafür bleibe ich meiner gewohnten Klassenwahl treu und spiele einen Schurken. Aus Erfahrung weiß ich, dass die Lederträger im Laufe der Level-Phase einige Werkzeuge erlernen, um kritische Situationen überstehen zu können. Als Volk entscheide ich mich für die Menschen, mit Schwertern. Das ist dank der Schwertspezialisierung eine starke Kombination.
Gute und schlechte Nachrichten
Die gute Nachricht nach etwa 45 Stunden Spielzeit: Ich bin bisher nicht einmal gestorben, auch wenn es ein- oder zweimal durchaus knapp war. Beispielsweise als ein Raptor im Sumpfland plötzlich durch mein aktives Entrinnen (50 Prozent mehr Ausweichchance) gekritet hat, wodurch sich meine Lebenspunkte unverhofft (und sehr schnell) gen null näherten.
Oder als ich für die Schurken-Quest in Westfall die Patrouille ausrauben musste, der Versuch aber fehlschlug … der Schlüsselmeister kann einen schnell in den Staub schicken. Ein schneller Solarplexus, gefolgt von Sprinten hat die Situation jedoch entschärft. Beim zweiten Versuch klappte dann alles.
Die schlechte Nachricht: Nach etwa 45 Stunden Spielzeit habe ich die Halbzeit (also Stufe 30) noch nicht ganz erreicht. Ich stehe aktuell bei Stufe 29 und queste mich durch den Dämmerwald – und die Angst vor der Elite-Monstrosität Kleiner, die durch die Zone schlendert, ist allgegenwärtig.
Mein bisheriger Fortschritt zeigt schön, wie langatmig und zeitaufwendig die Level-Phase von WoW Classic ist – ohne Addons und wenn man nicht alle Quests bereits aus dem Effeff kennt. In 45 Stunden kann man viele andere Spiele durchspielen oder in modernen MMORPGs mehrere Charaktere auf die Maximalstufe bringen.
Hier spielt aber auch der Hardcore-Faktor mit rein. Ich spiele tatsächlich deutlich vorsichtiger und damit langsamer als noch bei meinem letzten Durchlauf im Jahr 2019.
Verlustangst – ein stetiger Begleiter
Auf Hardcore schmerzt nämlich bereits der Gedanke daran, die bisher in WoW Classic investierte Zeit durch einen kleinen Fehler verlieren zu können. Und das so sehr, dass ich Risiken nach Möglichkeit vermeide. Konkret befolge ich beim Spielen auf dem Hardcore-Server gerade die folgenden Regeln:
Ich meide fast jede Höhle und Mine oder vermeide es nach Möglichkeit zumindest, allzu tief in diese vorzudringen. Vom Respawn in so einem beengten Areal eingekesselt zu werden, ist eine der häufigsten Todesursachen in WoW Classic.
Murloc-Dörfer sind Tabu. Ich pulle ausschließlich einzelne Kampffrösche in die Außenbereiche und halte mir stets einen Fluchtweg offen.
Anders als im normalen WoW Classic versuche ich mich zudem nicht solo an Eskort- oder Elite-Quests. Bei erstgenannter Variante bekommt man es häufig mit mehreren Gegnern gleichzeitig zu tun. Zieht man dann auch noch Aggro von anderen Feinden, wird es richtig gefährlich. Und bei Elite-Gegnern braucht man oftmals alle wichtigen Cooldowns, und selbst dann wird es teils sehr knapp.
Ich gehe nur vom PC weg (afk), wenn ich sicher in einer friedvollen Stadt stehe, auf dem Flug zu einem sicheren Ort bin oder das Spiel beendet habe. In der Wildnis kann es viel zu schnell passieren, das ein Gegner in meinen (getarnten) Schurken stolpert.
Teils nehme ich sehr lange Laufwege in Kauf, um beispielsweise hochstufige Horde-Wachen oder patrouillierende Elite-Gegner wie Kleiner weitläufig zu umgehen. Wenn man von diesen erst einmal die Aggro hat, ist man mit etwas Pech schneller besiegt am Boden als man Verschwinden wirken kann.
Ich wechsel mehr zwischen den Gebieten als ich es in normalen Level-Durchläufen getan habe, um Quests zu finden, die auf oder leicht unter meiner Charakterstufe liegen.
Dazu kommt, dass ich mich nur selten mit anderen Spielern zusammenschließe. Für die eine oder andere Kill- oder Elite-Quest ist das okay. Mit Fremden, deren WoW-Erfahrung ich nur schwer einschätzen kann, knifflige Dungeons wie Uldaman anzugehen, dafür fehlen mir auf Hardcore aber tatsächlich die sprichwörtlichen Eier.
Es gibt einfach zu viele Hardcore-Clips aus Dungeons, in denen Fehlpulls einen Teil der oder sogar die ganze Gruppe zum Geistheiler befördert haben. Zudem weiß ich ja aus eigener Erfahrung, wie schnell man in den WoW-Classic-Dungeons draufgehen kann, wenn nicht alle wissen, was sie tun und bei der Sache sind.
Wenn ich aus eigener Doofheit draufgehe, dann ist das halt so. Sollte mein Run aber aufgrund von Fehlern anderer enden, dann würde mich das sicherlich extrem frustrieren.
Hilfsbereite Fanboys und -girls
NoNames von Sauercrowd, Sauercrowd Community, Sauercrowd Viewer, SauercrowdBrathering … das sind nur einige von zahllosen Gilden, die klar machen: Auf dem Server Soulseeker dominiert derzeit die deutsche Twitch-Szene und ihre Zuschauer. Entsprechend viel Deutsch wird in den Chats geschrieben. Es gibt aber auch einige internationale Gemeinschaften.
Der aktuelle Hype rund um das Projekt hat einen schönen Nebeneffekt (zumindest auf Allianzseite, die Horde kann ich nicht einschätzen): Obwohl die Classic-Server schon eine Weile online sind, trifft man beim Leveln ständig auf andere Spieler. Wer Mitspieler für Quests und Dungeons oder eine Gilde sucht, sollte vergleichsweise schnell fündig werden.
Gleichzeitig ist der Server aber auch nicht so voll, dass es beim Einloggen Warteschlangen geben würde oder dass man ständig auf den Respawn von Quest-Gegnern warten müsste. Die Balance auf Soulseeker ist aktuell sehr angenehm. Wer jetzt erstmals in Hardcore durchstarten möchte, findet hier einen passenden Server.
Angenehm ist übrigens auch das Miteinander auf dem Server. Ständig werde ich von vorbeikommenden Charakteren gebufft oder geheilt. Man haut mal mit auf einen Gegner, wenn man sieht, dass die Lebenspunkte eines Charakters recht niedrig sind. Oder man steckt sich beim Questen oder Chatten nützliche Gegenstände zu, die man selbst nicht braucht, wie Tränke oder Ausrüstungsteile. Zumindest ist das meine Erfahrung bisher.
Mit den Sauercrowd-Mitgliedern hatte ich indes bislang kaum Kontakt. Man läuft den Streamern zwar immer wieder über den Weg, doch sieht deren Regelwerk ja so aus, dass sie alles gildenintern schaffen müssen. Es ist einem Random-Dulli wie mir also nicht erlaubt, mit einem Maxim, Trymacs oder Hänno ein paar Quests zu machen oder mit Sauercrowd einen Dungeon zu meistern.
Der Weg bis Stufe 60
WoW Classic macht mir – damals wie heute – Spaß. Ganz grundsätzlich habe ich daher schon Lust, meinen Schurken weiter zu leveln. Auch, um zu schauen, wie weit ich am Ende komme. Durch Arbeit und Familie wird es in den kommenden Wochen aber nur langsame Fortschritte geben.
Spätestens bis März muss ich das Vorhaben aber wohl schaffen. Denn dann stehen WoW: Midnight und Crimson Desert an. Verratet mir gern in den Kommentaren, wie eure Hardcore-Erfahrungen in WoW bislang waren: Habt ihr einen oder mehrere Charaktere auf Stufe 60 gebracht? Wie schnell so ein Run schiefgehen kann, zeigen aktuell unzählige Clips. Unsere Analyse dazu: 8 Gründe, warum WoW Classic Hardcore für die Twitch-Streamer von Sauercrowd so tödlich ist
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