Scrubs gehört bis heute zu den besten Comedy-Serien aller Zeiten. Das liegt nicht nur an guten Gags. Ein kleiner Nebencharakter zeigt mit nur 3 Folgen, warum die Serie ein Meisterwerk ist.
Um welchen Charakter geht es? Scrubs hatte im Verlauf der 9 Staffeln gelegentlich Gaststars in Folgen. Darunter waren etwa Courteney Cox oder Michael J. Fox. Den denkwürdigsten Auftritt hatte aber wohl Brendan Fraser als Ben Sullivan, den Bruder von Jordan.
Er kam nur in 3 Folgen vor, doch er repräsentiert auch die größten Stärken der Serie, weshalb sich Fans auch heute noch auf ein Scrubs-Revival freuen.
Autoplay
Nicht nur die Gags und Worte sind entscheidend
Warum ist die Figur so gut? Man könnte versuchen, Scrubs darauf herunterzubrechen, dass die Gags gut sind und die dramatischen Szenen emotional. Doch dazu gehört viel mehr. Ben als Charakter vereint alle wichtigen Elemente.
Zum einen spielt Brendan Fraser den Charakter gut und überstrahlt damit sogar die Hauptfiguren in den jeweiligen Folgen. Er kombiniert Slapstick-Humor, Situationskomik und eine charmante Ausstrahlung, wodurch er die spätere Enthüllung, er habe Leukämie, emotionaler macht. Er ist ein dauerhaft gut gelaunter Typ, der jetzt mit einer lebensverändernden Krankheit konfrontiert wird.
Das allein wäre schon ein starkes Element für eine Folge, aber dazu kommt eine deutlich wichtigere Komponente: Dr. Cox.
Seine 2 ersten Folgen sind in der ersten Staffel (Folge 22 und 23). Der Dialog zwischen Ben und Dr. Cox am Ende der 23. Folge gibt dem dauer-mürrischen Arzt eine starke Charakterentwicklung. Er öffnet sich (so gut es geht) Ben und offenbart eigene Schwächen. Die Szene ist nicht einfach nur emotional, sie endet mit einer bittersüßen Art von Hoffnung. J. D. fasst es in der deutschen Version wie folgt zusammen:
Man hätte meinen können, es hätte sich nichts verändert. Aber das stimmte nicht. Was Ben betrifft. Er sprach tatsächlich auf die Chemotherapie an und konnte uns verlassen. Ich hoffe, er kommt nicht zurück, aber wer kann das wissen. Aber egal, darum geht es auch eigentlich gar nicht. Es geht darum, dass ich erkannt habe, dass wir am heldenhaftesten sind, wenn wir zugeben, überhaupt keine Helden zu sein.
Nicht J. D. ist der Anker, der über Staffeln hinweg die Zuschauer fesselt. Es ist Dr. Cox. Er ist J. D.s Held, unser Held und auch der Held von Ben. Doch das heißt nicht immer etwas Positives.
Im Krankenhaus kann man nicht immer gewinnen, egal, wie gut man ist
In der Folge Meine Schuld (Staffel 3, Folge 14) kehrt Ben zurück. Seine Krankheit ist zurück, doch im Krankenhaus ist er so munter wie eh und je. Er schießt Fotos, interagiert mit den Figuren, und Dr. Cox will J. D. dazubringen, sich um Ben zu kümmern.
J. D. schafft es zeitlich nicht. Ansonsten verläuft die Folge wie die anderen. Doch dann kommt das Ende. Dr. Cox begibt sich mit Ben auf den Geburtstag seines Sohnes, doch er fragt sich, warum keine Kinder spielen. Es stellt sich heraus: Es ist die Beerdigung von Ben.
Dr. Cox hat sich Ben kurz vor der Feier nur vorgestellt. Es war seine Art, zu trauen. Auch wenn er J. D. nach außen hin die Schuld gibt, spielt der Titel diesmal auf Dr. Cox an. Er gibt sich selbst die Schuld. Der Held ist gescheitert, er konnte ihn nicht retten.
Hier funktioniert das emotionale Finale der Folge auf 2 Ebenen:
Innerhalb der Story sehen wir den scheinbar unzerstörbaren Dr. Cox brechen. All sein Talent als Arzt hat nicht geholfen, und wir als Zuschauer merken (wie J. D.), dass Dr. Cox auch nur ein Mensch ist. Die Balance von Gags und Dramatik führte zu einer der besten Szenen der Serie und dem Satz: Was glauben sie eigentlich, wo wir hier sind?
Außerhalb der Story kann wohl jeder den Moment nachvollziehen: Es gibt Dinge im Leben, die sich unserer Kontrolle entziehen, egal, wie sehr wir versuchen, dagegen zu arbeiten. Manche Dinge kann man nicht beeinflussen, auch wenn es schmerzt.
Scrubs ist nicht lustig, weil es manchmal lustig ist, und Scrubs ist nicht traurig, weil es manchmal traurig ist. Scrubs erzeugt durch die Figuren, die Beziehungen untereinander und die tollen Dialoge, nicht einfach nur Momentaufnahmen. Scrubs fühlt sich echt und nachvollziehbar an.
Doch das ist nur ein Teil, der in der Figur Ben Sullivan wunderbar verkörpert wird. Ein anderer wichtiger Punkt ist die Inszenierung.
Man muss auch über die Kamera sprechen
Wenn man über Scrubs spricht, dann sind im Fokus meist die Figuren, die Witze und die Emotionen. Doch das alles kann nur so effektiv sein, wenn die Inszenierung, vor allem die Kamera und Szenenkomposition, stimmt.
Statt auf Shot-gegen-Shot zu setzen, bewegt sich die Kamera dynamisch. Am Ende sieht man etwa einen Dialog zwischen Ben und Dr. Cox. Die Kamera schwenkt auf J.D., kurz danach wieder zurück zu Dr. Cox, doch diesmal fehlt Ben. Die Kamera bewegt sich mit Dr. Cox, wodurch das Bild lebendiger wird und die Szene effektiver.
Vorherige Szenen mit Ben sind beweglich. Er wirkt dadurch lebendiger. Er ist nicht einfach nur eine Nebenfigur, er ist das Bild, der rote Faden, dem wir als Zuschauer folgen. Hierbei entsteht eine Symbiose aus Brendan Fraser, der genau weiß, was er tut, und der Kameraarbeit, die ihn ins beste Licht rückt. Das erreicht man nicht durch gute Gags oder Dialoge, sondern durch einen Blick für Details.
Dazu kommen noch kleinere Hinweise, die man als aufmerksamer Zuschauer entdecken kann. Wenn Ben in der Folge etwa seine Kamera verliert, ist es der Moment, in dem er stirbt. Man braucht dieses Detail für die Story gar nicht, doch dadurch wird es effektiver, weil ein wichtiges Element der Figur verloren geht.
Hinzu kommt einer der besten Shots in der gesamten Serie. Nachdem Dr. Cox realisiert, dass Ben tot ist, sieht man J. D. im Hintergrund und Dr. Cox im Vordergrund, der den Tränen nah ist.
Auf dem Papier ist Brendan Fraser nur einer der vielen Gaststars, die im Verlauf von Scrubs aufgetreten sind, doch er ist so viel mehr. Er beeinflusst nachhaltig, wie J. D. und wir als Zuschauer Dr. Cox sehen, und er repräsentiert all die Stärken, die Scrubs zu einer der besten Serien aller Zeiten machen. Falls ihr die Serie vermisst, habt ihr hier eine Empfehlung: Eine grandiose Comedy-Serie mit „Marshall“ aus How I Met Your Mother ist perfekt für jeden, der Scrubs vermisst
Der Beitrag Der beste Charakter in Scrubs kommt in nur 3 Folgen vor, zeigt, warum die Serie nach 15 Jahren noch immer so gut ist erschien zuerst auf Mein-MMO.
