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Das opulente White Knight Chronicles verbindet japanischen Gigantismus, sieben Meter hohe Ritterrüstungen und eine Stadt auf dem Rücken einer gewaltigen Schildkröte mit einem Kampfsystem, das an westliche Online-RPGs erinnert. Recht ungewöhnlich für ein J-RPG: Ihr dürft eine individuelle Spielfigur erstellen, welche Leonard, dem Helden der Ritterchronik, im Solo-Modus schweigsam zur Seite steht. Dieser muss unversehens in die Rolle des rasenden Retters schlüpfen und weitere Heroen um sich scharen, als die liebreizende Prinzessin Cisna aus Balandor vom gehässigen Anführer der finsteren Magi-Streitkräfte und einem dunklen Ritter entführt wird.
So viel sei noch verraten: Die Story gewinnt auch am Ende keinen Blumentopf für Originalität, versüßt den schalen Plot aber immerhin mit einigen unterhaltsamen Wendungen. So erlangt Leonard gleich zu Beginn die Kontrolle über den legendären Weißen Ritter, eine Art magischen Mecha in Form einer Ritterrüstung, in den er sich fürderhin verwandeln darf, um besonders gut gewachsene Gegner effektvoll einzustampfen. Entsprechende Manöver wie auch sämtliche andere Attacken Eurer Spielfigur aktiviert Ihr mittels eines ziemlich simplen Echtzeit-Kampfsystems. Ganz gleich, welches Eurer maximal drei Partymitglieder Ihr gerade aktiv steuert, ob Ihr Klingenwaffen, Äxte oder Speere schwingt, einen Bogen spannt oder zaubert – stets wartet Ihr, bis eine kreisförmige Anzeige vollgelaufen ist, und startet eine Aktion, die Ihr per Steuerkreuz aus frei belegbaren Leisten am unteren Bildschirmrand auswählt. Unabhängig von der geklickten Aktion dauert die Wartezeit dabei immer etwa fünf Sekunden, die Ritterverwandlung und mächtige Combos kosten zusätzliche Aktions-Chips, die Ihr für besiegte Gegner erhaltet. Diese treffen Euch über jegliche Distanz hinweg und sogar durch Wände hindurch, ausweichen könnt Ihr nicht. Also wartet Ihr zwischen den einzelnen Hieben, ergötzt Euch an den netten Spezialeffekten, den farbenfrohen weitläufigen Landschaften oder den witzigen, sehr gut gesprochenen englischen Kommentaren Eurer Mitstreiter. Diese schlagen sich unter KI-Kontrolle recht wacker, heilen Euch bei Bedarf und sorgen dafür, dass das variantenreiche Skillsystem, die selbst erstellbaren Combos und die prall gefüllte und mit allerlei Zutaten modifizierbare Waffensammlung nicht recht zur Geltung kommen, weil die Kämpfe zu leicht sind.
Mehr Herausforderung bringen die im Vergleich zur japanischen Ur-Version erweiterten Mehrspieler-Modi, die Ihr mit Eurem Avatar und auf Wunsch mit menschlichen Mitspielern bestreitet. Im sogenannten GeoNet dürft Ihr in einem witzigen Bau-Modus ein Georama, Eure eigene Online-Metropole errichten, Euch mit Kumpels treffen und zusammen diverse, gut ins Hauptspiel integrierte Missionen angehen. Spannender wird das Kampfsystem so zwar auch nicht, aber die Interaktion mit echten Kameraden bringt einen deutlichen Spielspaß-Bonus für Abenteurer mit sozialer Ader.
Meinung
Max Wildgruber meint: Wer hin und wieder gerne in der Gruppe Erfahrungspunkte scheffelt, aber keine Lust auf ausufernde Unternehmungen à la Final Fantasy XI hat, bekommt mit White Knight Chronicles eine entspannte Alternative. Beim an Dark Cloud erinnernden Bau Eurer Georama-Stadt oder während einer gemeinsamen Abenteuerfahrt erhalten Eure Avatare, die im Singleplayer-Modus wie ein fünftes Rad am Party-Wagen hängen, endlich eine Berechtigung. Auch muss ich Level 5 für ihr Skill- und Item-Management loben, das stets zugänglich bleibt, aber viel Raum zum Herumschrauben am Ausrüstungs- und Fertigkeiten-Mix bietet. Schade, dass das eintönige und zu simple Kampfsystem die Motivation hier schnöde versacken lässt. Da helfen weder eingängiger Soundtrack noch prächtige Landschaften: Der Weiße Riese langweilt!
Wertung
Hauptcharakter verwandelt sich zum Riesenritter
witziges Online-Städtebau-Minispiel
zahlreiche Nebenquests für bis zu 4 menschliche Kameraden
Ansprechend präsentiertes Ritterspiel mit eintönigem Kampfsystem, aber gut integrierten Mehrspieler-Modi.
Singleplayer70MultiplayerGrafikSound
