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Bereits in unserem Horror-Special in Ausgabe 196 haben wir Euch auf Calling aufmerksam gemacht. Parallel zu Silent Hill: Shattered Memories veröffentlicht Konami Hudson Softs Interpretation von Wii-gesteuertem Taschenlampen-Horror, die trotz ähnlicher Spielelemente ein ganz anderes Erlebnis bietet. In bester ”Ring”-Manier haben sich mehrere Schüler und Personen neugierig auf einer berüchtigt-mystischen Webseite eingeloggt und sind fortan dazu verdammt, in einer Parallelwelt zwischen Leben und Tod zu hausen, die von aufdringlichen Geistern bevölkert wird.
Aus der Ego-Perspektive wechselt Ihr kapitelweise zwischen den Personen und erkundet überwiegend finster gehaltene Orte des alltäglichen Lebens, darunter ein verwinkeltes Wohnhaus oder ein mehrstöckiges Schulgebäude. Mittels Cursor öffnet Ihr Türen, Schubladen und Schränke. Ihr klickt Objekte an, löst traditionelle Schieberätsel und bewegt zudem per Remote eine Taschenlampe, deren Schein selten bis ans Ende des Flures reicht. Das erspart Euch einerseits zwar den Blick auf die unzeitgemäße Grafik, andererseits steigert es die Spannung enorm. Zudem terrorisieren Euch die Entwickler mit subtilen, blitzschnellen Schockeffekten, bei denen Ihr oft nicht mit Bestimmtheit sagen könnt, ob es sie überhaupt gegeben hat – ein sehr beunruhigendes Erlebnis!
Neben Eurer Funzel spielen auch Handys eine tragende Rolle in Calling. Zeichnet damit Umgebungsrauschen auf und entschlüsselt versteckte Botschaften, knipst Fotos und nehmt verstörende Anrufe aus dem Remote-Lautsprecher entgegen. Dabei standen uns immer wieder die Haare stramm zu Berge – bravo, Hudson Soft! Darüber hinaus nutzen Eure Charaktere die portablen Telefone mehrmals, um sich vom einen zum anderen zu teleportieren. Im Verlauf der Handlung trefft Ihr nämlich auf weitere unfreiwillige Gäste in der Spukwelt, die wie Ihr nach Erklärungen und einem Ausweg suchen.
Eure wechselnden Helden in Calling besitzen keinerlei Waffen. Gegen plötzlich auftauchende Geister, die an Euch zerren und die Panik-Anzeige in die Höhe treiben, wehrt Ihr Euch mit Bewegungen der Fernbedienung, während sich rasch das Bild verfärbt. Gelingt es Euch nicht, den Feind abzuschütteln, werdet Ihr von Panik übermannt und startet beim zuletzt gesetzten Speicherpunkt neu.
In technischer Hinsicht ist Calling kein großer Wurf: Die Spielwelt wirkt detailarm und statisch, Texturen sind häufig unscharf und die Charaktere in den Zwischensequenzen steif. Dynamische Schattenspiele, eine durchweg stimmige Atmosphäre und ausgeprägtes Japan-Flair trösten darüber hinweg. Musik wird äußerst sparsam eingesetzt, die deutschen Sprecher klingen hölzern und aufgesetzt. Eine Taste zur schnellen 180-Grad-Wende und zum Rennen ist zwar lobenswert und praktisch, dafür gestaltet sich punktgenaues Greifen von Türklinken manchmal umständlich, weil der kontextsensitive Bereich zu klein geraten ist. Wer darüber hinwegsieht, genießt feinen Japan-Horror alter Schule.
Meinung
Michael Herde meint: Grafik ist nicht alles, denn trotz mancher Schwäche zieht mich Calling unweigerlich in seinen Bann. Die grundlegende Stimmung ist durchweg unheimlich, oftmals beklemmend und immer wieder lassen mich fiese Schocker zusammenzucken. Manche davon wiederholen sich jedoch zu häufig und verlieren so ihre Wirkung. Doch für gepflegte Panikattacken bleiben genügend clevere Ideen übrig. Davon abgesehen gibt sich Calling traditionell und wirkt bisweilen wie ein Point’n’Click-Abenteuer mit altbekannten Rätseltypen. Wer sich mal wieder richtig fürchten und erschrecken möchte, greift zu Calling, wer hingegen mehr Wert auf eine durchweg mitreißende Inszenierung und Story legt, dem empfehle ich Silent Hill: Shattered Memories.
Wertung
nutzt die Remote als Telefonhörer
wechselt spielbare Charaktere durch
viele Gruselmotive japanischer Kultur
zahlreiche Schockeffekte
schaltet Galeriebilder und weitere Boni frei
Technisch schwacher, aber effektvoll inszenierter Wii-Horror ohne Gewalt, der mit gewitzten Einfällen Eure Nerven malträtiert.
Singleplayer78MultiplayerGrafikSound
