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Zur 32-Bit-Zeit hatten sich Shoot’em-Ups – ob vertikal oder horizontal – längst aus dem Mainstream verabschiedet. Gleichzeitig aber gelang dem Genre der Sprung in die Welt der Polygone weit besser als vielen anderen: Mit Thunder Force V, G-Darius, Einhänder oder RayStorm freuten sich Ballerfans über tolle Titel, vor allem Irems R-Type Delta war Ende 1998 grafisch wie spielerisch ein Knaller. Für die HD-Neuauflage hat City Connection eine eher behutsame Überarbeitung durchgeführt: Anstatt Levels und Gegner neu zu gestalten, wurden den ursprünglichen Assets des PlayStation-Originals eine hohe Auflösung und gesäuberte Texturen verpasst. So bleiben der Stil, aber auch ein paar der typischen Eigenheiten wie wabernde Polygone erhalten. Ihr könnt das Bild ein wenig nach links und rechts erweitern und eine Option für die klassischen, gröberen Texturen ist ebenfalls vorhanden.
Mehr hat sich in Sachen Akustik getan. Neben dem atmosphärischen Originalsoundtrack gibt es eine arrangierte Version, bei der Künstler wie Masahiko Ishida und Chris Hülsbeck zum Zug kommen. Spielerisch bleibt sich R-Type Delta derweil treu. Ihr habt die Wahl zwischen drei Raumschiffen mit jeweils eigenen Satelliten-Varianten und Extrawaffen, die sich tatsächlich sehr unterschiedlich spielen. Durchquert sieben extrem fordernde Levels – bereits auf dem niedrigsten der drei Schwierigkeitsgrade zieht das Spiel unaufmerksamen Piloten gehörig die Hammelbeine lang. Die Areale sind voller Gefahren und nur mit absoluter Geistesgegenwart sowie einem ordentlichen Lernwillen zu meistern. Jede Situation ist teuflisch präzise ausgetüftelt und ”einfach bloß mit Continues durchmogeln” wird durch ein Rücksetzpunkte-System effektiv verhindert. Apropos Continues: Derer sind Euch insgesamt lediglich fünf vergönnt – einmal verbraucht, geht es wieder von vorne los. Immerhin erlaubt Euch eine neue Trainingsfunktion, bereits erreichte Abschnitte zu üben, sodass Ihr Euch irgendwann doch Stück für Stück durch diesen bockschweren Ballerklassiker arbeiten könnt.
Meinung
Thomas Nickel meint: In Sachen Portierung hatte ich mir mehr erhofft. Aber City Connection ist eben kein M2. Grafikmodi sind knapp bemessen, Bonusmaterial macht sich rar und man merkt, dass man hier weitgehend einfach die PlayStation-Vorlage auf die neue Hardware gezogen hat. Gerade manchem Bitmap-Element im Interface sieht man seine hochgerechnete Natur deutlich an. Schwerer wiegt aber die inkorrekte Geschwindigkeit: Oft ist das Spiel etwas schneller als das Original, was dazu führt, dass Stages mit abgestimmter Musik nicht mehr so harmonisch und synchron laufen wie auf der PlayStation. Ebenso ist es schade, dass nicht ein paar mehr moderne Komfortfunktionen implementiert wurden. Zumindest temporäre Savestates wären schön gewesen und auch das Fehlen von Scanline-Optionen enttäuscht. Gleichzeitig ist R-Type Delta aber spielerisch zeitlos. Achtung: Der Schwierigkeitsgrad hat sich gewaschen! Nur wer konzentriert spielt, auch in größter Bedrängnis geduldig bleibt und einen kühlen Kopf bewahrt, kommt hier voran. Wer sich dieser Herausforderung stellen will, der wird 2025 ebenso gut unterhalten wie 1998.
Wertung
7 Levels
3 Raumschiffe
2 Soundtracks
Knüppelharte, dennoch faire 2,5D-Ballerei mit nahezu perfekt austarierten Levels und tollen Gegnerdesigns, aber Schwächen in der Umsetzung.
Singleplayer82MultiplayerGrafikSound
