BioShock 2 – im Klassik-Test (PS3 / 360)

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Spiel:BioShock 2Publisher:Take 2Developer:2K MarinGenre:Ego-ShooterGetestet für:360, PS3Erhältlich für:360, PS3USK:18Erschienen in:4 / 2010

”Es brennt, es brennt”, schreit der bullige Brute Splicer, als er in Flammen stehend panisch zum nächsten Heilautomaten rennt. Doch ehe er ihn erreicht, geht dem aggressiven Mutanten die Puste aus; er bricht leblos zusammen und wir widmen uns weiter unserer Aufgabe: die ­Little Sister beschützen!

In BioShock 2 stecken Euch die Entwickler in den gepanzerten Taucheranzug eines Big Daddys. Kenner des Vorgängers wundert es deshalb nicht, dass sie sich nun mit deutlich mehr Gegnern herumschlagen müssen, schließlich wollen in Rapture alle nur eines – Adam! Die geheimnisvolle Substanz wird genutzt, um den eigenen Körper mit Hilfe von Plasmiden und Toniken um übernatürliche Fähigkeiten zu erweitern. Das war schon in Teil 1 so und es wird hier konsequent fortgeführt. Auch Euer Big Daddy benötigt Adam, um im Verlauf des rund 15-stündigen Abenteuers bis zu neun Angriffsplasmide auf der linken Schultertaste parat zu haben, etliche Zusatzslots stehen für Toniken bereit – das sind die ’Perks’ in BioShock 2. Damit bewegt Ihr Euch schneller, Ihr erleichtert Euch das ohnehin zugänglichere Hack-­Minispiel bei Sicherheitskameras und Geschützen und erhöht die Durchschlagskraft Eures Bohrers. Der ist zwar im Nahkampf weniger nützlich, als wir uns ausgemalt haben, doch mit der richtigen Ausrüstung motzt Ihr Euren Helden zur schier unbezwingbaren Kampfmaschine auf.

Der spielerischen Vielfalt sind dabei wenige Grenzen gesetzt: Kombiniert Fähigkeiten und Waffen, die Ihr an spärlich verteilten Terminals aufrüstet, um den irren Bewohnern Raptures Einhalt zu gebieten. Während Ihr Euch von einem Abschnitt zum nächsten vorarbeitet, stellt Ihr bald nicht nur fest, dass es nicht mehr wie im Vorgänger möglich ist, in besuchte Abschnitte zurück zu kehren. Sondern Ihr entdeckt dabei auch zahlreiche Tonbänder und ramponiertes Levelinventar, das einen näheren Blick lohnt. Letzteres untersucht Ihr ebenso wie getötete Gegner nach Heilpäckchen, Geld und Munition, während die Bänder verraten, was in Rapture zehn Jahre nach Ende des ersten Teils gespielt wird.

Nach dem Tod des Rapture-Gründers Andrew Ryan kontrolliert die Kommunistin und damit Gegenspielerin Ryans die Stadt am Meeresgrund. Wir erfahren früh im Spiel, dass Lambs Tochter Eleanor unsere ehemalige Little Sister ist – sie müssen wir aufspüren. Dabei treten wiederholt Nebencharaktere auf den Plan, die eigene Interessen verfolgen und uns bisweilen vor moralische Entscheidungen stellen: töten oder nicht? Das gilt auch für besagte ­Little Sisters, denn parallel zum Erkunden, Tonbänder lauschen und Splicer killen haben wir als Big Daddy die Aufgabe, Adam zu suchen.

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Also den nächsten Tauch-Kollegen aufgespürt und einen zähen Kampf ausgefochten – schon adoptieren wir sein Mädchen. Wer sich an dieser Stelle dagegen entscheidet, die Kleine sofort um einen Extra-Batzen Adam zu erleichtern und zu töten, der spaziert mit Ihr durch die maroden Über­reste der einstmals imposanten Art-Déco-Stadt und sucht nach prall gefüllten Adam-­Leichen. Dabei zeugen ledig­lich grelle Leuchtreklamen und ­verschwenderisches Interieur von Glanz und Glorie vergangener Tage, wie Ihr sie in den Maps des auf der Zeitleiste noch vor Teil 1 angesiedelten Mehrspieler-Modus bestaunen könnt.

Per Knopfdruck weist uns ein Strahl den Weg zum Ziel. Dort angekommen verminen wir die Umgebung, um die in großer Zahl anrückenden Splicer abzuwehren. Denn nur so kann unsere Little ­Sister ungestört Adam sammeln. Weil BioShock 2 deutlich mehr offene und große Plätze bietet, verlaufen die 360-Grad-Kämpfe bisweilen hektischer, aber auch flotter als früher. Immerhin entfällt nun der umständliche Wechsel zwischen Waffe und Plasmid, denn diesmal nutzt Ihr beide gleichzeitig. Neue Kampfplasmide gibt es zwar nicht, dafür levelt Ihr Eis-, Feuer- und Blitzkräfte dreistufig auf. Kleine Wirbelsturm-Fallen platziert Ihr gar an Decke und Wänden und kombiniert sie mit anderen ­Effekten zu fiesen Todbringern. Mittels Telekinese werft Ihr nun auch in der deutschen Version Leichen mit Schadenstexturen auf Eure Feinde oder lupft lebendige Widersacher.

Die zahlreichen Kämpfe zehren an Eurer Energie, denn im Gegensatz zu vielen anderen Ego-Shootern gibt es in BioShock 2 noch immer Heilpäckchen, die Ihr per Tastendruck verwendet. Wenige Treffer genügen und Ihr seid dem Tode nah. Ein weiterer befördert Euch in eine Vita-Kammer, von wo aus Ihr Euch ein wenig erholt, aber mit demselben Munitions­vorrat und gegnerischen Schadensstand weiterspielt.

Als anfangs zähe Herausforderung erweisen sich die Big Sisters – pfeilschnelle Zwischenbosse, die angreifen, wenn Ihr alle Little Sisters eines Areals in Sicherheit gebracht oder geerntet habt. Doch mit Unterstützung Eurer neuen Filmkamera, mit der Ihr Kämpfe aufzeichnet und so Schadensboni und andere Vorteile verdient, stellen auch sie bald keine unlösbare Aufgabe mehr dar.

Wer erleben möchte, wie es zum Niedergang Raptures kam, wagt sich an den Mehrspieler-Modus, der in sieben genretypischen Spielmodi wie ’Deathmatch’ oder ’King of the Hill’ bis zu zehn Teilnehmer antreten lässt. Wählt dazu einen von sechs Charakteren und legt die Ausrüstung fest. Je mehr Erfahrungspunkte Ihr im Kampf oder beim Hacken von Geräten sammelt, desto größer wird die Auswahl an Fähigkeiten. Erforscht zudem Eure Opfer für einen zeitlich begrenzten Schadensbonus und mischt Gegner in einer temporären Big-Daddy-Rüstung auf.

Meinung

Michael Herde meint: Einen ­Innovationsbonus kann BioShock 2 nicht für sich verbuchen. Zumindest grafisch änderte sich zum Vorgänger fast nichts, stellenweise hat der sogar die Nase vorn. Unscharfe Texturen, die zu spät in voller Auflösung geladen werden, sowie manch detailarmes Polygonmodell sind unzeitgemäß. Doch das Gesamtbild stimmt und Rapture ist erneut eine Reise wert: Das sadistische Spiel mit unzähligen Möglichkeiten macht mächtig Laune, obwohl sich trotz der Vielseitigkeit eine gewisse Gleichförmigkeit einstellt. Man tut immer das Gleiche – haufenweise Gegner wegballern, was bisweilen chaotisch wird. Zahlreiche kluge Details wie das Heilen während des Waffenwechsels oder der blaue Bonusbereich beim Hacken machen dies aber locker wett. Die Fülle an Möglichkeiten lässt mich allerdings immer wieder den Überblick zu verlieren. Die Story ist geradliniger, doch mir fehlen interessante Charaktere sowie die Dramatik und Wendungen des ­Vorgängers – daher gibt es von mir nur ein ”Gut”.

Wertung

Vita-Kammern zum Abschalten
deutsche Version ist ungeschnitten

Auf Action getrimmte Fortsetzung mit viel Raum für Experimente, die dem Vorgänger nicht ganz das Wasser reichen kann.

Singleplayer89MultiplayerGrafikSound

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