MeinMMO-Dämon Cortyn hat den Zenit aller Anime erlebt. Denn in der vergangenen Woche lief die beste Folge – jemals. Das behauptet Cortyn zumindest.
Ich schaue Anime im Grunde seit immer. Früher habe ich, wie so viele, mit Sailor Moon im Nachmittagsprogramm angefangen, habe dann Pokémon, Monster Rancher und andere Serien verschlungen und Son-Goku abends dabei zugeschaut, wie er stundenlang Felsen anschreit.
Dann gab es härtere Serien wie Elfen Lied, Endlos-Anime wie Bleach und jede Menge Nischen-Serien, für die ihr euch schämen würdet, sie euren Eltern zu zeigen.
Ich liebe Anime und ich gucke wirklich, wirklich viel davon. Es ist eine meiner größten und leidenschaftlichsten Freizeitbeschäftigungen. Ich schaue gute Serien, quäle mich aber auch manchmal durch schlechte Serien. Ich glaube daher, ein ziemlich breites Feld an Anime zu kennen.
Aber ich habe noch nie in meinem Leben eine so gute Anime-Folge gesehen wie in der letzten Woche.
Die Rede ist von Oshi no Ko, Staffel 3, Folge 7 mit dem Titel „Scheitern“. Das ist für mich der Gipfel dessen, was ein Anime erreichen kann – aber die Serie wird ohnehin immer besser.
Spoilerwarnung: Falls ihr die Episode noch nicht gesehen habt oder noch sehen wollt, solltet ihr nicht weiterlesen, denn wir gehen im Detail auf die Folge ein.
Autoplay
Die Episode, die das Schicksal zementiert
Natürlich steht die Episode nicht für sich alleine genommen – sie baut auf der vorherigen Handlung auf. Einfach nur die besagte Episode zu schauen, wird nur Verwirrung hervorbringen und sich nicht ansatzweise so intensiv anfühlen.
Ich kann auch kaum anders, als meine Gefühle während dieser Folge zu beschreiben. Von der ersten bis zur letzten Minute war es spannend und voller Offenbarungen. Es gab sowohl schöne als auch verstörende Momente.
Die Episode beginnt damit, dass die Idol-Gruppe B-Komachi mit der Veröffentlichung eines kommenden Artikels konfrontiert wird. Ihr Mitglied Kana wurde fotografiert, wie sie mit einem Regisseur in dessen Privatwohnung verschwindet – die perfekte, pikante Geschichte, selbst wenn gar nichts passiert ist.
Aqua will Kana helfen, um vor dieser Schmach verschont zu bleiben. Doch davor fragt er seine Schwester Ruby, ob sie „damit umgehen könnte, selbst ein wenig zu leiden, um Leid von Kana abzuwenden“ – und sie stimmt zu.
Rubys Trauma wird erneut ausgelöst, als sie ihre tote Mutter im Fernsehen sieht.
Aqua hat einen Plan, um den Artikel zu verhindern: Er verkauft dem Magazin eine viel bessere Story, nämlich seinen eigenen Ursprung. Er ist das heimliche Zwillingskind des ermordeten Superstars Ai. Die Geschichte explodiert und verdrängt alle anderen Storys, stürzt gleichzeitig aber auch Ruby in traumatische Erlebnisse.
Akane (Aquas Freundin) hat inzwischen längst herausgefunden, wer Aquas Vater und damit der Mörder von Ai ist. Sie fasst den Plan, ihn selbst zu stellen.
Ich kann schwer beschreiben, was diese Szene in mir ausgelöst hat. Schon als man sieht, dass Akane einen weißen Blumenstrauß in der Hand hat, die melancholische Musik einsetzt und man ihre Gedanken hört, bekommt man ein beklemmendes Gefühl. In Serien ist es eigentlich immer eine große „Red Flag“, wenn ein Charakter davon spricht, was er in Zukunft gerne erleben und machen will. Das wird in aller Regel vor dem unmittelbaren Tod gemacht, um diesem mehr Gewicht zu verleihen.
Und so kommt es dann scheinbar auch – Akane wird eine Treppe hinabgeschubst und die ganze Inszenierung deutet meisterhaft darauf hin, dass sie gerade Opfer geworden ist und stirbt … bis Aqua sie auffängt.
Doch anstatt einer heldenhaften Rettung wird die Szene nur noch emotionaler. Denn Aqua verrät, wie er überhaupt wusste, wo Akane ist – er hat sie schon seit Monaten verwanzt und abgehört. Er hat jeden ihrer Schritte immerzu verfolgt und weiß so selbst, wer der Mörder ist. Das Paar trennt sich. Obwohl Akane alle Gründe dazu hätte, die Beziehung zu beenden, ist es eher Aqua, der die Entscheidung trifft, damit er voll und ganz in seinem Racheplan aufgehen kann.
Alle Karten liegen damit auf dem Tisch. Das Schicksal und der Pfad sämtlicher Charaktere sind damit eingeschlagen.
Das Beste, was ich in 25 Jahren Anime gesehen habe
Vielleicht denkt ihr euch beim Lesen jetzt: So geil klingt das alles gar nicht. Aber glaubt mir: Das war es. Es war mit großem Abstand die beste einzelne Anime-Episode, die ich in weit über 25 Jahren gesehen habe. Keine andere Episode hat so ein perfektes Pacing, so eine Fülle an Offenbarungen und emotionalen Momenten gehabt, die so perfekt mit der Musik harmonieren. Ich habe bei der Folge mehrfach die Fäuste geballt, Tränen zurückgehalten und musste dann doch diebisch lächeln, als der leichte Wahnsinn der Charaktere zum Vorschein trat.
Dass ich mit dieser Meinung offenbar nicht ganz auf verlorenem Posten stehe, lässt sich auch an den Bewertungen im Internet ablesen. Auf der Bewertungsplattform IMDb hat die Folge eine Bewertung von 9,6 / 10 Punkten – bei über 1.000 Bewertungen. Das ist schon recht aussagekräftig und steckt die meisten anderen Anime-Episoden aller anderen Serien in die Tasche. Um nur mal ein paar Kritiken zu zitieren:
Was soll man noch über dieses Meisterstück eines Mediums sagen? Jede Szene ist unglaublkich beeindruckend und jede Sekunde dieser Episode stellt sich als makelloses Beispiel dar, was moderne Anime sein sollten. -Connor-656
Episode 7 von Staffel 3 ist ein absolutes Meisterwerk, das nicht nur atemberaubende Animationen liefert, mächtige Emotionen und brillante Charakter-Entwicklung. Jede Szene fühlt sich bedeutsam an, mit einem perfekten Pacing und schönen Bildern, die diese Geschichte erheben. Die Spannung und Tiefe ist unglaublich. Eine makellose 10/10-Erfahrung, die alle Erwartungen übertrifft. – L3-199
Falls ihr aus irgendwelchen Gründen Oshi no Ko bisher noch immer keine Chance gegeben habt – holt das nach. Was auf den ersten Blick wie eine absurde Idol-Show mit Reinkarnation wirkt, entpuppt sich als hochdramatische Serie mit viel Spannung und Charakteren, bei denen man richtig mitfiebert und mitleidet. Keine andere Serie in der jüngeren Vergangenheit hat mich so emotional werden lassen.
Ich kriege davon einfach nicht genug. Und mir graut es jetzt schon vor dem Moment, an dem Oshi no Ko ein Ende finden wird. Denn für mich ist es eine der ganz großen Serien, auf die wir in einigen Jahren zurückblicken und uns denken: „Man, war das eine bahnbrechend tolle Geschichte.“
Oshi no Ko wird für mich definitiv als eine der besten Anime-Geschichten aller Zeiten eingehen und ich werde sie euch ganz sicher noch in so manch einer Liste empfehlen. Falls ihr aber lieber ein wenig abgedrehteren Kram mögt, dann schaut euch doch mal diese 5 Animes mit Frauen an, die für ihre Liebe über Leichen gehen würden (und werden).
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