Warum Level 20 in D&D für viele das größte Ziel ist und warum ihr es besser nie erreichen solltet

Viele Spieler streben in Dungeons & Dragons nach Macht und freuen sich dementsprechend, mit jedem Levelaufstieg noch stärker zu werden. Viele Spielleiter sagen jedoch, dass genau das den Spielspaß hemmen kann. Dem stimmt auch MeinMMO-Redakteurin Caro zu, obwohl sie selbst eine Spielerin ist.

In Dungeons & Dragons erhalten Figuren – ob Spielercharaktere, NPCs oder Gegner – durch gesammelte Erfahrung mehr oder weniger regelmäßig einen Stufenaufstieg. Durch diesen werden sie mächtiger und fähiger, schwierigere Herausforderungen bewältigen zu können. 

Mit steigendem Level kann ein Spielleiter nicht nur heftigere Gefahren nutzen, denen sich Spieler entgegenstellen müssen. Die Charaktere erhalten auch Fähigkeiten, die immer stärkere Auswirkungen mit sich bringen. Kämpfe bringen mehr Risiko, härtere Konsequenzen und teilweise echt schwierige Entscheidungen mit. 

Genau das ist es, wonach sich viele Spieler sehnen, und das aus gutem Grund. 

Ich selbst als Spielerin, die sich momentan auf Level 9 befindet, bin auch gespannt, welche coolen Kämpfe meine Gruppe und ich auf höheren Stufen erleben werden. Allerdings weiß ich bereits, dass in unserer Kampagne bei Level 16 Schluss ist und dass wir niemals die maximale Macht eines Level-20-Heldens erfahren werden – aber das ist auch gut so.

Stufenbereiche zeigen deutlich, was für Machtverhältnisse zwischen den Leveln bestehen

Bei dem Thema einer Levelbegrenzung spalten sich bei Spielenden sowie leitenden Personen aus der Community die Meinungen: Während manche Spieler sich der Macht eines Gottes bedienen wollen, verzichten andere strikt auf ein solches Ausmaß. 

Um die heftigen Unterschiede der Machtbereiche von Level 1 bis 20 genauer zu verstehen, kann man sich an der Beschreibung aus dem Spielerhandbuch zu D&D (2024) orientieren:

Stufenbereich 1 (Level 1–4): Im Stufenbereich 1 sind die Charaktere Abenteuerneulinge, auch wenn sie sich dank ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten bereits von der allgemeinen Bevölkerung unterscheiden. […] Die Gefahren, mit denen sie konfrontiert werden, stellen in der Regel Bedrohungen für örtliche Bauernhöfe oder Dörfer dar.

Stufenbereich 2 (Level 5–10): Im Stufenbereich 2 sind die Charaktere zu vollwertigen Abenteuern geworden. Zauberwirker erlernen ikonische Zauber wie Blitz, Feuerball und Tote erwecken. Die meisten waffenbasierten Klassen erlangen die Fähigkeit, in einer Runde mehrere Angriffe durchzuführen. Nun sind die Charaktere Gefahren gewachsen, die Städte und Königreiche bedrohen.

Stufenbereich 3 (Level 11–16): Im Stufenbereich 3 haben die Charaktere genügend Macht erworben, um sich auch unter Abenteurern auszuzeichnen. Auf der 11. Stufe erlernen viele Zauberwirker realitätsverändernde Zauber. Andere Charaktere erhalten Merkmale, die ihnen erlauben, mehr Angriffe auszuführen oder beeindruckende Effekte mit ihren Angriffen zu bewirken. Solche Abenteurer bannen oft Gefahren, die ganze Regionen bedrohen.

Stufenbereich 4 (Level 17–20): Im Stufenbereich 4 erreichen die Charaktere den Gipfel ihrer Klassenmerkmale und werden zu archetypischen Helden. Bei ihren Abenteuern stehen das Schicksal der Welt oder sogar die Ordnung des Multiversums auf dem Spiel.

Anhand dieser Bereiche wird deutlich, was für Machtverhältnisse innerhalb der verschiedenen Level entstehen. Bereits ab Stufenbereich 3, also Level 11 bis 16, sind Zauberwirkende dazu in der Lage, die Realität zu beeinflussen, was auf Level 20 mit weltverändernden Fähigkeiten noch weiter eskaliert. Durch mächtige Zauber wie Wunsch oder Wort der Macht: Tod lässt sich das Balancing eines Kampfes – und in diesem Ausmaß auch das Schicksal der Kampagne – viel schwieriger aufrechterhalten. 

Alles eine Frage der Erwartung – Plant eine Session Zero!

Natürlich ist dieses Ausmaß an Macht für Spieler verlockend und das steigende Risiko keine Gefahr, sondern vielmehr eine spannende Herausforderung. Allerdings muss diese Art Nervenkitzel nicht das Ziel jeder Gruppe sein, die sich auf Dungeons & Dragons eingelassen hat. 

Im Endeffekt kann man die Frage eines maximalen Levels mit einer vielleicht unbefriedigenden, aber trotzdem besten Gegenfrage klären: Was erhofft man sich von der gemeinsamen Kampagne?

Ob ein Verbot des höchsten Stufenbereiches für euch infrage kommt, hängt ganz allein von eurer Kampagne und euren Erwartungen ab: Welches Ausmaß soll euer Abenteuer einnehmen? Was macht euch am meisten Spaß? Seid ihr bereit, Charaktere zu verlieren oder wollt ihr am liebsten einen langen, gemeinsamen Weg erleben?

Und genau aus diesen Fragen konnten wir für uns erkennen: Level 20 würde unsere Kampagne ruinieren.

Nicht jeder will Gott spielen

Zum Beginn unserer Kampagne hat unsere DM in gemeinsamer Absprache beschlossen, dass wir „nur“ bis Level 16 leveln werden. Dementsprechend wird keiner von uns jemals einen Level-9-Zauber aus eigener Macht casten können. Doch das ist für uns auch der einzig richtige Weg.

Und vielleicht ist diese Grenze auch für eure Kampagne sinnvoll, wenn ihr ähnliche Ausgangspunkte habt wie wir:

Die Hintergrundgeschichten der Charaktere sind wichtiger als weltenverändernde Gefahren. Der Umfang ist daher schmaler, aber geht mehr in die Tiefe.

Unterschiedliche Erfahrungslevel: In unserer Gruppe befindet sich ein erfahrener Spieler, die restlichen Spieler (darunter auch ich) sowie unsere DM befinden sich in ihrer ersten Kampagne. Auf geringerem Level wird das Ausmaß niedriger gehalten, damit niemand zu stark wird und Kämpfe durch eine Aktion entschieden werden können (Zitat: „Manchen Leuten sollte nicht zu viel Macht gegeben werden“).

Kleinere Gefahren bieten mehr Diversität als „nur“ heftige Götter oder Entitäten. Man möchte sich auch außerhalb eines Kampfes schlichtweg nicht immer überlegen fühlen.

Kämpfe sind nicht alles: Kämpfe machen Spaß und Macht fühlt sich gut an, die Narrative und Rollenspiel sind jedoch mindestens genauso wichtig.

Jede spielende Person besitzt ihren eigenen Grund, weshalb sie D&D spielt und liebt. Es kann auf verschiedene Arten und Weisen gespielt werden, weshalb die Frage bezüglich des maximalen Levels auf unterschiedliche Meinungen stößt.

Vom absoluten Min-Maxer bis zum Rollenspiel-Ethusiasten erhofft sich jede Person eine andere Erfahrung, wodurch die Relevanz einer Session Zero weiterhin verdeutlicht wird: Die oder der Eine möchte am liebsten jede Session stundenlange Kämpfe bezwingen, jemand anderes mit NPCs in einer Taverne herumblödeln – beides hat seine Daseinsberechtigung. 

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