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Das kleine schwedische Entwicklerteam Simogo hat in der vergangenen Dekade lediglich zwei Spiele veröffentlicht – das sehenswert inszenierte Musik-Spektakel Sayonara Wild Hearts (69% in M! 11/19) sowie den ebenso stilvollen wie anspruchsvollen Abenteuer-Knobler Lorelei and the Laser Eyes (85% in M! 07/24) –, damit aber einiges an Beachtung eingeheimst. Weit weniger bekannt sein dürfte dagegen, dass Simon Flesser, Magnus Gardebäck und ein paar Mitstreiter davor einen Schwung kreativer Werke (fast) nur für Mobile-Hardware verantworteten. Deshalb haben sich die Macher aufgerafft und ihre Games aus dem Zeitraum 2010 bis 2015 als Simogo Legacy Collection zusammengefasst, um sie so dauerhaft in möglichst originalgetreuer Form zu erhalten, aber auch auf moderner Hardware zugänglich zu machen.
Dass dabei die Switch-Familie den Vorzug gegenüber PlayStation und Xbox erhalten hat, ist leicht nachvollziehbar. Beinahe alle der sieben enthaltenen Spiele sind darauf konzipiert, über Touchscreen und teils durch Drehen des ganzen Geräts bedient zu werden – und das funktioniert eben nur hier optimal. Zwar sind Maus-Steuerung (bei Switch 2) oder per Analogstick bedienbare virtuelle Mauszeiger als Optionen ordentlich implementiert, aber alles andere als ideal.
Neben allerlei Bonusmaterial wie multimedialen Erzählungen, unveröffentlichten Prototypen und Arbeitsfassungen stehen natürlich die sieben ”alten” Simogo-Titel im Fokus, die von kurzweiliger Geschicklichkeit über experimentell erzählte und knifflige Rätsel-Abenteuer bis hin zu abstrakten Minimalismus-Knobeleien reichen. Natürlich merkt man diesen ihre mobile Herkunft (lediglich Year Walk bekam einst eine Umsetzung für Nintendos glücklose Wii U) an, trotzdem wirken sie auch heute noch angenehm frisch und funktionieren auf ihre Art einwandfrei. Ein Kosmo Spin mag sich dabei schneller abnutzen als das umfangreichere Beat Sneak Bandit, während The Sailor’s Dream, Year Walk und DEVICE 6 bei allem Einfallsreichtum als (relativ) kurze und abgeschlossene Erlebnisse konzipiert sind. Bumpy Road und SPL-T wiederum funktionieren nach dem Endlosprinzip und taugen schon alleine deshalb als kurzweilige ”Eine Runde noch”-Happen.
Meinung & Wertung
Ulrich Steppberger meint: Lasst Euch nicht von Vorurteilen Marke ”Mobile-Spiele taugen doch alle nichts” leiten. Kreative Entwickler wie Simogo haben sehr wohl feine Sachen auf Smartphones und Tablet vollbracht und die Legacy Collection ist ein nahezu idealer Weg, sich davon zu überzeugen. An Einfallsreichtum und Abwechslung fehlt es den sieben darin vereinten ”Oldies” nicht und einige (vor allem der Minimalismus-Knobler SPL-T) können immer wieder motivieren. Das Drumherum mit vielen Extras zum Erkunden ist vorbildlich gemacht wie auch die Optionsvielfalt, was etwa die Steuerungsanpassung angeht. Dass sich fast alles im Handheld-Einsatz besser anfühlt, liegt in der Natur der Sache. So oder so gilt: Wenn Ihr für experimentierfreudige und polierte Spielehappen etwas übrig habt, macht Ihr mit der Simogo Legacy Collection nichts verkehrt.
Reiz- und liebevoll angefertigte Sammlung von teils ungewöhnlichen und erlebenswerten Mobile-Spielen.
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