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Nach dem fantastischen Octopath Traveler II kehrt Square Enix aus der Welt Solistia jetzt nach Orsterra zurück, dem Setting des Seriendebüts von 2018. Wie der Name bereits andeutet, spielt Octopath Traveler 0 noch vor dem Erstling und erzählt die Geschichte des kleinen Dorfes Wishvale und dreier grausamer Herrscher. Die sind auf der Suche nach einem göttlichen Ring und machen dabei vor nichts halt, bald ist Wishvale ein Raub der Flammen. Eure Hauptfigur, die Ihr kurz zuvor selbst in einem flexiblen Editor erstellt habt, schwört Rache. Aber Vergeltung ist nicht alles, ebenso gilt es jetzt, Wishvale wieder aufzubauen. In zahllosen kleinen und großen Quests folgt Ihr den unterschiedlichen Storysträngen, werdet stärker, findet Bewohner für das neu auflebende Wishvale und natürlich frische Verbündete im Kampf gegen Eure Feinde – darunter auch manch bekanntes Gesicht.
Ganz neu ist Octopath Traveler 0 dabei nicht, das Spiel basiert lose auf dem mittlerweile abgeschlossenen Mobile-Ableger ”Champions of the Continent” der über Jahre hinweg kontinuierlich erweitert wurde. Figuren gab es per Gacha-System-Verteilung – davon ist im Vollpreisspiel natürlich nichts mehr zu merken. Das Abenteuer gestaltet sich hier nicht nur enorm umfangreich, sondern vor allem auch aus einem Guss. Die Spielstruktur unterscheidet sich stark von den beiden zentralen Serienteilen: Wo Ihr in diesen jeweils der individuellen Geschichte von acht höchst unterschiedlichen Protagonisten gefolgt seid, habt Ihr nun eine zentrale Hauptfigur, um die sich alles dreht. Insbesondere der Auftakt wirkt wie aus dem Rollenspiel-Lehrbuch: Ihr seht jede Wendung meilenweit kommen, trotzdem funktioniert die in einzelnen Missionen erzählte Geschichte gut und gibt Euch die richtige Motivation, um Euch in Rache und Wiederaufbau zu stürzen. Diese Elemente sind intelligent verzahnt: Ein stetig wachsendes Dorf gibt nicht nur eine heimelige Basis ab, sondern hilft Eurer Truppe auch mit diversen Buffs. Im Kampf kommt der Octo-Aspekt dann wieder deutlich durch, mit ganzen acht Figuren stellt Ihr Euch dem Feind. Die vier Streiter in der ersten Reihe agieren, die im zweiten Glied regenerieren sich derweil und laden ihr Aktionspotenzial auf. Die Boost- und Break-Mechaniken der Vorgänger sind hier wieder voll aktiv: Ihr sammelt Aktionspunkte und brecht die Deckung der Gegner mit den richtigen Waffen und Element-Angriffen, um dann gewaltige Attacken loszulassen.
Meinung
Thomas Nickel meint: Anfangs war ich skeptisch: nur eine Hauptfigur statt derer acht? Ein Mobile-Vorbild? Mal wieder ein brennendes Heimatdorf? Aber die Zweifel weichen schnell, fühlt sich Octopath Traveler 0 doch mit seiner vertraut wirkenden Handlung und dem wie immer höchst geschmeidigen Kampfsystem wie beste Rollenspiel-Wohlfühlkost an. Hier ein wenig Dorf bauen, da noch eine Quest erledigen und wieder mal eine Stufe aufsteigen. Manch Musikstück wirkt dabei wohlbekannt und es werden keine spielerischen Räder neu erfunden. Aber das muss auch nicht sein, wenn sich alles so gut und richtig anfühlt wie hier. Zumal die Geschichte in ihrem Verlauf doch immer wieder gekonnt mit Drama, schlimmen Schicksalen und nicht zuletzt angenehm vielschichtigen Antagonisten lockt. Da ist es umso bedauerlicher, dass Octopath Traveler 0 für Square Enix in Deutschland keine allzu hohe Priorität zu genießen scheint. Anders ist es kaum zu erklären, dass man sich hier die in den beiden vorherigen Teilen noch sehr gelungenen deutschen Texte gespart hat.
Wertung
baut Euer Dorf neu auf
8 Figuren im Kampf
gut 30 spielbare Charaktere
Handwerklich sauberes Wohlfühl-Rollenspiel, das Euch mit gewaltigem Umfang und vielen Figuren über Wochen hinweg beschäftigt.
Singleplayer83MultiplayerGrafikSound
