Auf der Suche nach etwas Zerstreuung im Gaming ist MeinMMO-Redakteur Benedict Grothaus auf City Tales: Medieval Era gestoßen. Nach nur wenigen Stunden in der Demo des City-Builders folgte der Kauf der Vollversion auf Steam und direkt 10 Stunden Spielzeit in den ersten paar Tagen … auf Kosten von Schlaf. Schuld ist ein Feature, das Aufbauspiele normalerweise gar nicht haben.
Aufbauspiele sind oft mein Rückzugsort, wenn ich einfach nur daddeln will. Sie halten den Kopf durch Planung und Organisierung wach und haben zugleich wenig Druck. Nicht umsonst ist Against the Storm mein absolutes Comfort-Game, auch wenn es da … etwas härter zugeht.
Nun habe ich City Tales: Medieval Era entdeckt. Das Spiel ist seit dem 29. Januar 2026 auf Steam im 1.0-Release verfügbar und hat mich direkt an einige der Games erinnert, die mich früher schon begeistern konnten: Foundation, Banished, Manor Lords oder dieses gruselige Anno mit Cthulhu-Horror.
Das Spiel bietet eine kostenlose Demo mit etwa 2-3 Stunden Spielzeit, wenn man den freien Bau nicht mitrechnet. Nachdem ich da durch war, wollte ich direkt mehr: Für 22,99 Euro (Standardpreis) konnte ich dann nicht widerstehen und habe mir City Tales direkt gekauft.
Vielleicht war das ein Fehler, vielleicht auch genau die richtige Entscheidung, denn schon zur ersten Gelegenheit habe ich bis in die frühen Morgenstunden gezockt und kam erst um kurz vor 6 Uhr ins Bett. Das Spiel ist aber auch verlockend…
Autoplay
Städte bauen, aber nicht alleine
Grundlegend besteht City Tales: Medieval Era aus den gleichen Bausteinen wie die meisten anderen Aufbauspiele auch:
Die Siedlung beginnt mit einem Dorfzentrum.
Erste Häuser, Holzfäller und Sammler sorgen für die Grundversorgung.
Langsam wächst die Stadt, neue Ressourcen werden erschlossen, Produktionsketten länger.
Die Bürger entwickeln dabei immer neue Bedürfnisse, um sich zu entfalten.
Der einzige Unterschied zu Anno und ähnlichen Spielen sind die „Gemarkungen“: Wie in Manor Lords ziehe ich die Wohnbereiche mit Grenzen und meine Siedler bebauen sie dann selbst. Ich platziere nur noch Versorgungs- und Handwerksgebäude, wenn ausreichend Platz da ist.
Als wirklich große Besonderheit bietet City Tales aber Begleiter, die nicht einfach nur in beratender Funktion herumlungern und mich voll labern, sondern die tatsächlich Aufgaben für mich erfüllen und dem Aufbauspiel eine ganz neue Dimension verleihen.
Begleiter wie in einem RPG und die können sogar leveln!
Gefährten sind so ziemlich das Kern-Feature von City Tales. Jedes Gebäude braucht einen Gefährten, um überhaupt zu funktionieren, heißt: Wenn ich einen Holzfäller oder einen Steinbruch baue, passiert dort nichts, bis ich einen meiner Begleiter dort zuweise.
Ist die Person dann lange genug dort, wird das Gebäude „autonom“ und kann selbständig arbeiten. Zugleich sammelt mein Gefährte Erfahrung im entsprechenden Beruf, was mehrere Vorteile mit sich bringt:
Je besser er in einem Beruf ist, desto größer fallen Boni aus, wenn der Gefährte einem passenden Gebäude zugewiesen wurde.
Mit höheren Stufen in einer Fähigkeit kann der Gefährte das Gebäude weiter ausbauen und so dessen Produktion verbessern.
Schließlich kann ich Gefährten als „Schulze“ in einem Weiler einsetzen, also eine Art Außenposten bauen, die der Gefährte verwaltet – und alle Gebäude dort erhalten dann seine Boni.
Dadurch, dass ich planen muss (oder kann), wer wann wo und wie viel arbeitet, verändert das meine Möglichkeiten zur Produktion und die Dynamik des Spiels. Ich habe keinen linearen Fluss für Ressourcen, sondern kann durch die Gefährten an Stellschrauben drehen, um auf aktuelle Bedürfnisse einzugehen. Und dazu hat jeder von ihnen seine eigene Geschichte.
Mein Dorf in der Demo, noch recht klein und am Anfang. Auch zu sehen: Einer meiner Gefährten.
So sah meine Stadt am Ende des 1. Runs aus.
Mein erster „Weiler“, noch etwas chaotisch.
Der zweite Weiler, diesmal mit deutlich mehr Plan.
Die Dialoge sind zuweilen sehr unterhaltsam. Hanebüchen! Verhonepipeln!
Nur noch kurz die eine Quest…
Das gesamte Spiel führt mich mit Quests durch eine Story. Das sind oft einfache Aufgaben wie: Sammle Holz, Papier, Gold oder baue dieses und jenes Gebäude. Mein Berater erzählt mir dann nebenher die Geschichte, wie ich als Kind eines Herrschers das Land verwalte und welche Schwierigkeiten es gibt.
Nun haben meine Begleiter solche Quests aber auch und jede davon erzählt mehr über den Werdegang des jeweiligen Gefährten, seine Persönlichkeit, seine Wünsche, Träume und Ängste. So etwas kenne ich aus Spielen wie Pathfinder und Baldur’s Gate, aber nicht aus einem Aufbauspiel.
So habe ich mich am Ende vor dem „Problem“ gesehen, dass ich nur noch eben eine Quest beenden wollte. Dadurch habe ich dann aber neue Baumöglichkeiten bekommen, die ich natürlich ausprobieren musste … was wieder zu neuen Quests geführt hat.
Schlaf wurde irgendwann uninteressant.
City Tales löst sich von Vielem, das in Anno und Co. nur nervt
Der größte Pluspunkt des Spiels ist allerdings nicht das hervorragende Gefährten-System, sondern der Verzicht auf nervige und veraltete Features, die mich in anderen Aufbauspielen immer wieder stören.
In City Tales benötige ich keine Lager. Jede Ressource und jedes Produkt kann in endloser Menge gelagert werden und ich brauche kein Gebäude, keine Lieferanten und keine Abholer. Alles ist global und jederzeit verfügbar, wie in einem RTS.
Dazu muss ich sogar nicht einmal ständig alles auf Lager haben. In anderen Spielen entwickeln sich Wohnhäuser zurück, wenn sie plötzlich kein Bier oder Brot mehr haben. City Tales lässt solche Bedürfnisse weg. Ich brauche Ressourcen nur für den Aufbau und die Upgrades, nicht für den Erhalt des Status quo.
Auf diese Weise nimmt City Tales viel Druck aus einem Spiel, das entspannen soll, weil ich nicht ständig irgendwo neue Höfe bauen muss, nur weil ich meine Stadt etwas erweitern will. Vor allem aber bricht nicht plötzlich die gesamte Wirtschaft ein, nur weil ich übersehen habe, dass Wurst zur Mangelware wird.
Ist das realistisch? Nein. Muss es aber auch nicht, weil hier zugunsten von Spielspaß auf Realismus verzichtet wird und genau für so etwas sind Games da.
Nach etwa 12 Stunden habe ich die Story zum ersten Mal durch und werde vermutlich noch 2-3 Mal neu anfangen, um andere Maps zu spielen und andere Entscheidungen zu treffen (ja, auch die gibt es hier). Das letzte Spiel im Genre, das mich so gepackt hat, war Fata Deum, welches trotz einiger Makel im Early Access stetig besser wird: Ein neues Aufbauspiel auf Steam macht mich zum Gott und gibt mir das, was seit 20 Jahren kein Spiel mehr geschafft hat
Der Beitrag Ein Aufbauspiel auf Steam hat mich bis 6 Uhr morgens wachgehalten, weil es eine gefährliche Mischung aus Features bietet erschien zuerst auf Mein-MMO.
