MeinMMO-Dämon Cortyn sinniert über den besten Anime-Charakter aller Zeiten. Dabei wirkt der auf den ersten Blick total gewöhnlich.
Spoilerwarnung: Es geht in diesem Artikel um die Serie Oshi no Ko. Falls ihr aus unerfindlichen Gründen noch nicht reingeschaut habt – ihr wurdet gewarnt.
Okay, okay. Ich weiß. Bei dem Titel dieses Artikels ist Stress in den Kommentaren schon vorprogrammiert und so manch einer von euch hat sicher ChatGPT schon offen, um einen Prompt wie „Erkläre mir in 10 Absätzen, warum Cortyn Unsinn erzählt“ abzuschicken und das Ergebnis in die Kommentare zu posten. Immerhin hat wohl jeder und jede einen Lieblings-Charakter in irgendeinem Anime, und betrachtet den als „besten“ Charakter.
Aber lasst mich euch erklären, warum das aus meiner Sicht Ai Hoshino aus Oshi no Ko ist und warum exakt eine Episode ausreichte, um ihr diesen Rang zu verleihen.
Autoplay
Wer ist Ai Hoshino? Ai ist der Star der Idol-Gruppe B-Komachi. Mit ihren 16 Jahren hat sie schon großen Ruhm erlangt. Doch ihr Leben droht aus den Fugen zu geraten, als sie schwanger wird – eigentlich ein absolutes „No-Go“ in der Idol-Szene und ganz besonders in einem so jungen Alter. Doch sie bekommt Zwillinge und treibt zugleich ihre Karriere weiter voran – bis sie im Alter von 20 Jahren von einem Stalker ermordet wird.
Dabei ist Ai in den allermeisten Bereichen nicht überragend. Sie ist nicht besonders intelligent und sogar recht verantwortungslos, wird immerhin mit 16 Jahren bereits schwanger. Sie ist auch nicht bereit, für ihre Kinder in der Karriere irgendwie zurückzutreten und wälzt diese Last auf andere Leute ab, die darunter zu leiden haben. Zuletzt ist sie sogar so „naiv“, ihre Haustür einem Fremden zu öffnen – und bezahlt dafür mit ihrem Leben.
Doch Ai ist das geborene Idol, der geborene Star. Sie ist hübsch, besitzt schier unendlich viel Charisma und ist die perfekte Lügnerin, um ihren Fans und der Öffentlichkeit genau das zu geben, was sie eigentlich wollen – eine perfekte Illusion.
Eine Folge Zeit, um die ganze Serie zu definieren
Ai stirbt in Episode 1 und scheidet damit aus. Sie ist der Auslöser für den Rachefeldzug ihrer Kinder und die Jagd nach dem tatsächlichen Mörder. Doch durch den Mord an Ai wird sie regelrecht zu einer göttlichen Präsenz, deren Wirken noch in allen Charakteren nachhallt und viele Folgen hat.
Natürlich liegt das nicht nur am Charakter von Ai, sondern an der Geschichte von Oshi no Ko als Ganzem. Die Story behandelt eben vor allem Personen, die irgendwie von Ai beeinflusst wurden:
Die beiden Kinder, die ihren Tod miterlebt haben.
Die Produzenten, die mit ihr zusammengearbeitet haben.
Die Mitarbeiter ihrer Agentur, die für sie verantwortlich waren.
Fans von damals, die ihren Tod nie ganz überwunden haben.
Es gibt im Serien-Bereich den Trope „Woman in the Fridge“, also „Frau im Kühlschrank“. Das ist ein Begriff, der ein wiederkehrendes Klischee in vielen Serien und Filmen beschreibt: Frauen, denen zumeist zu Beginn der Handlung etwas Grausames geschieht. Sei es ein Mord, eine Vergewaltigung oder eine Entführung. Zumeist dient die Frau und ihr Schicksal hier nur als Motivation für einen (meist männlichen) Protagonisten, um sich auf einen Rachefeldzug zu begeben – aber dann hat die Frau keine weitere Bedeutung, wird häufig gar nicht mehr erwähnt.
Das unheimliche Bild von Ais Leiche bleibt über die ganze Serie im Gedächtnis.
Bei Ai in Oshi no Ko ist das nicht der Fall. Ja, sie stirbt in der ersten Episode und ihr Tod ist die Motivation für die geplante Rache ihrer Kinder. Aber sie ist viel mehr als das. Obwohl Ai nur in der ersten Folge zu sehen ist, durchdringt sie jede Episode von Oshi no Ko, ist überall zu spüren und beeinflusst das Handeln von so vielen Charakteren. Das dürfte auch der Grund sein, warum Ai selbst im Opening von Staffel 2 und 3 noch vorkommt – obwohl sie selbst lange „aus der Geschichte ausgeschieden“ ist.
In ausnahmslos jeder Episode „schwebt“ Ai irgendwie über der ganzen Handlung. Manchmal indirekt durch die Persönlichkeitsentwicklung von Charakteren, manchmal direkter, wenn jemand auf sie als „legendäres Idol“ Bezug nimmt.
Mir fällt kein anderer Charakter mit so wenig Bildschirmzeit wie Ai ein, der jemals so eine drastische Auswirkung auf die Handlung, die Gefühlswelt und Entwicklung von allen beteiligten Charakteren hatte. Selbst jetzt in Staffel 3 bleibt dieses Gefühl noch bestehen, nimmt sogar weiter zu.
Oshi no Ko und Ai haben für mich neue Maßstäbe gesetzt
Mit jeder weiteren Episode, die ich von Oshi no Ko sehe, zementiert sich meine Meinung mehr: Das ist einer der besten, wenn nicht sogar der beste Anime, den ich jemals gesehen habe. Ich kenne keine andere Serie, die es schafft, so viele unterschiedliche Genres so elegant zu mischen, ohne dass es überladen oder chaotisch wirkt.
Oshi no Ko ist gleichzeitig Drama, Comedy, Romance, Murder Mystery und Psycho-Thriller. Eine Verbindung, die auf den ersten Blick vollkommen chaotisch wirkt, aber meisterhaft zu einer eleganten, nervenaufreibenden Serie verbunden wird.
Und über allem davon schwebt Ai, obwohl sie schon lange tot ist.
Ich kann nur wiederholen, was ich schon so oft gesagt habe: Wenn ihr Oshi no Ko bisher keine Chance gegeben habt, weil ihr die Sternen-Augen seltsam findet oder eine Idol-Serie euch auf den ersten Blick abschreckt – lasst euch darauf ein. Ihr werdet es ganz bestimmt nicht bereuen. Denn eine der letzten Episoden war sogar die beste Anime-Folge, die ich jemals gesehen habe.
Der Beitrag Der beste Anime-Charakter stirbt in Folge 1, doch man spürt ihn über die ganze Serie erschien zuerst auf Mein-MMO.
