Prince of Persia: Die vergessene Zeit – im Klassik-Test (PS3 / 360)

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Spiel:Prince of Persia: Die vergessene ZeitPublisher:UbisoftDeveloper:UbisoftGenre:Action-AdventureGetestet für:360, PS3Erhältlich für:360, PS3, WiiUSK:12Erschienen in:7 / 2010

2008 wagte Ubisoft eine Neuausrichtung der Prince of Persia-Marke und lieferte für PS3 und Xbox 360 ein einsteigerfreundliches Spiel ab, das mit ­frischem Cel-Shading-Look begeisterte, viele gestandene Akrobaten aber mangels Spieltiefe langweilte. Da ist die Konsequenz für Ubisoft nur logisch, sich in der neuen Hüpf- und Kletterarie an Tugenden der PS2-Ära zu orientieren. Dass zeitgleich ein Kinofilm mit dem agilen Königssohn anläuft, ist aus Vermarktungssicht ein kluger Schachzug, inhaltlich besteht jedoch keinerlei Verwandtschaft.

Zwischen den ersten beiden Spielen der Sands of Time-­Trilogie angesiedelt, unterscheiden sich die Versionen je nach Plattform. Der Übersichtlichkeit halber behandeln wir die beiden Handheld-Hüpfereien in einem separaten Kasten, für Informationen zu den inhaltlichen identischen PS3- und Xbox-360-Versionen sowie der ­eigenständigen Wii-Fassung lest Ihr einfach weiter.

Auf den beiden HD-Konsolen ­besucht Euer noch immer namenloser Held, der nach der Sand-Trilogie nun das vierte Gesichtsmodell hat, seinen Bruder Malik, dessen Palast just in diesem Moment angegriffen wird. Um die Invasoren abzuwehren, ­erweckt er Salomons Armee – eine modrige Skeletttruppe unter der Leitung eines mächtigen Dschinns. Doch die Geister, die Malik rief, wird er nicht mehr los, weshalb unser springfideler Adelsmann zur Rettung eilt und erneut durch finstere, fallengespickte Kerker streift und an verfallenen Fassaden entlangkraxelt.

Das Rezept hat sich seit Sands of Time von 2003 kaum geändert: Ihr weicht Formationen tödlicher Stachelsäulen aus, meidet löchrige Bodenplatten, aus denen bei Kontakt Stacheln emporschießen, und übt Euer Sprung­timing im Angesicht schwingender Balken und Klingen. Noch immer rennt Euer Prinz Wände entlang, um Abgründe zu überwinden, er schwingt an Fahnenmasten, gleitet an Stoffbahnen Mauern hinab und springt von einer Säule zur nächsten. All das wird in der simplen 90- und 180-Grad-Architektur der letzten Generation präsentiert, was sich auch in der weitestgehend unspektakulären Grafik widerspiegelt. Allerdings fällt hierbei eine angenehme Verbesserung zu früher auf: Hängt Ihr an einer Säule, genügt es, den linken Stick in die gewünschte Richtung zu drücken und Ihr hopst zielsicher zum nächsten Pfosten. Vorbei die Mühsal, erst auf die andere Seite zu klettern, um dort abzuspringen!

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Verfeinert wird das traditions­bewusste Leveldesign durch den Faktor Zeit: Wo Euch noch im Vorgänger die Begleiterin Elika vor dem Absturz rettete, da beherrscht Euer Prinz nun wieder den Sand der Zeit, mit dem Ihr einige Sekunden zurückspult und verpatzte Manöver korrigiert. Zudem benutzt Ihr Schalter, die zu erreichende Plattformen kurzzeitig aktivieren. Erstmals haltet Ihr auch die Zeit eine Weile an und verfestigt so Wasser. Das sprudelt mal waagerecht aus Wänden und gibt in gefrorenem Zustand einen formidablen Fahnenmastenersatz ab, mal fließt es breit gefächert nach unten und bildet per Zeitstopp Wände, an denen Ihr höher gelegene Punkte erreicht. Interessant wird es, wenn Ihr mitten im Sprung die Einfrier-Taste loslasst, um eine Wasserwand zu passieren, ehe Ihr die Zeit erneut stoppen müsst.

Neben den Geschicklichkeits­einlagen begegnet Ihr auch ­Gegnern. Der 2008 verfolgte Ansatz, stets nur einen Feind zu bekämpfen, weicht dem Gegenteil: Bis zu 50 Skelettkrieger tummeln sich auf dem Bildschirm. Neben normalen Schwerthieben ladet Ihr Power-Attacken auf und weicht mit einer Rolle aus. Mitunter tauchen höherwertige Gegner auf, die unermüdlich neue Skelette ­beschwören – konzentriert Euch auf sie! Für mehr ­Angriffsvielfalt erweitert Ihr das ­Repertoire mit Erfahrungspunkten: Baut bis zu vier Magie­attacken aus und steckt Widersacher in Brand, schleudert ihnen Eiswellen entgegen, macht Euch robuster oder entfacht Wirbelstürme, die Umstehende ergreifen und am ­Boden liegend zurücklassen – Ihr müsst nur noch den Todesstoß anbringen.

Meinung

Michael Herde meint: Von den HD-Versionen habe ich mir mehr erwartet – in jeder Hinsicht. Die Geschicklichkeitsparcours sind zwar ordentlich, bieten aber nichts, was ich nicht schon zigmal gespielt hätte: Jede Sprungpassage wirkt vertraut, das Einfrieren von Wasser erfordert letztendlich nur mehr Timing­anspruch. Als das Level­design anfing zu fordern, war die unspannende Story auch schon vorbei. Zudem enttäuschen mich Architektur und Präsentation, denn der Held ist ein unsympathisches Ungesicht und der Levelaufbau so altbacken, wie es nur geht. 2010 finde ich das nicht mehr besonders aufregend, zumal die Grafik auch nur in Außenbereichen überzeugt. Im Inneren der Palast­anlage werden häufig Erinnerungen an die PS2 wach. Einzig die detaillierten Kostüme zeugen von HD-Power. Die Kämpfe machen das Spiel nicht besser, denn die Fähigkeiten sind bis auf den Wirbelsturm witzlos und die Steuerung ist generell träge – uncool, doch daran gewöhnt man sich.

Tobias Hildesheim meint: Der Prinz auf Nintendos Heimkonsole hinterlässt bei mir zwiespältige Gefühle. Einerseits ist die Grafik wirklich hässlich und die sporadisch auftauchenden Gegner haben nicht einen Funken Intelligenz im Leib. Außerdem nervt der Dschinn, der ständige Begleiter Eures Helden, bereits nach kurzer Zeit ungemein. Andererseits gefallen mir die Rätsel und die zahlreichen Sprungpassagen recht gut. Durch Hilfslinien springt Ihr kaum daneben und meistert auch riskante Levelabschnitte mit wenig Mühe. Nur schade, dass die Bewegungssteuerung keine große Rolle spielt. Rätsel- und Akrobatikfans sollten sich den Titel auf Wii anschauen. Actionliebhaber lassen die Finger vom Turbanträger, denn Fuchtelkämpfe und langweilige Quick-Time-Events mit nur einer Taste erfordern weder Können noch Reflexe oder gar taktisches Denken.

Wertung

HD-Versionen als Collector’s Edition – mit Bonus-Outfit, Bonus-Map, Konzeptzeichnungen und DLC-Code für ”PoP Classic”
Wii-Version mit Zweispieler-Modus
eigenes Abenteuer für jedes System (PS3/360 identisch)

Die volle Prinzendröhnung für alle Systeme unterhält, solange sie dauert, bietet aber kaum interessante Neuerungen.

Singleplayer72MultiplayerGrafikSound

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