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2017 wurde das narrative Überwachungsspiel Orwell: Keeping an Eye On You mit dem Deutschen Computerspielpreis für ”Best Serious Game” ausgezeichnet. Nun erscheinen der Preisträger sowie sein vielfach nominierter Nachfolger aus dem Jahr 2018 erstmals auf Konsole.
Spielerisch ähneln sich beide Adventures größtenteils. In einem fiktiven Staat werdet Ihr zum Angestellten der geheimen Überwachungseinheit Orwell. Ihr durchsucht die Social-Media-Beiträge von Zielpersonen nach wichtigen Details und schaltet nebenbei durch gefundene Telefonnummern auch das Abhören von Privatgesprächen frei, um an weitere Informationen und Akteure zu gelangen. Im Gegensatz zu ähnlichen Genrekonkurrenten müsst Ihr hier jedoch fast keine Rätsel lösen. Alle für Euch nutzbaren Informationen werden fett markiert und farblich hinterlegt. Marker geben Euch zusätzlich Hinweise, auf welchen Webseiten Ihr noch mehr Material erhaltet. Ab und an entscheidet Ihr jedoch, welche Informationen Ihr weitergebt, um so das Ende der Geschichte zu beeinflussen.
Insgesamt überzeugt der Erstling mehr. Der bietet mit einem Anschlag eine eher nahbare Geschichte und enthält zudem eine deutsche Übersetzung – jedoch ohne Sprachausgabe. Der zweite Teil ist hingegen komplett in Englisch – aber teilweise vertont (Telefongespräche). Die Story spielt parallel zum Erstling, dreht sich aber um Spionage und einen internationalen Konflikt.
Meinung & Wertung
Steffen Heller meint: In Zeiten, in denen Tech-Bosse wie Larry Ellison auf offener Bühne von der völligen Überwachung schwärmen, wirkt Orwell einerseits topaktuell, aber auch fast schon überholt. Denn Software wie Palantir hätte unseren Job im Orwell-Zentrum dank KI-Nutzung wohl inzwischen ersetzt. Im Gegensatz zu den üblichen Cyberpunk-Dystopien zeigen die Orwell-Titel eine Realität, die schmerzhaft nah an unserer Wirklichkeit liegt, und wir spüren, wie viele virtuelle Fußabdrücke wir im Netz hinterlassen – sei es durch Social Media oder berufliche Aktivitäten. Wenn Ihr also vor allem ein narratives Abenteuer sucht, das sich mit der Thematik beschäftigt, ohne Euch spielerisch viel abzuverlangen, dann kann ich Euch Orwell ans Herz legen. Sucht Ihr mehr Gehalt beim Herumschnüffeln, empfehle ich Euch SIMULACRA oder die Beholder-Reihe.
Packende Detektiv-Thriller in einer sehr real wirkenden Dystopie –
nur für Nicht-Lesefaule geeignet!
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