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Als Hommage an Survival Horror der 1990er soll Ebola Village verstanden werden. Tatsächlich erinnert das russische Horror-Dorf eher an Resident Evil 4 und Resident Evil Village. Auf der Suche nach ihrer Mutter durchsucht Maria in Ego-Perspektive ausgestorben anmutende Straßen und Wohngebäude nach Hinweisen und Objekten, um immer weitere Gebiete zu erschließen. Dabei entledigt sie sich angreifender Ebola-Zombies mit Messer, Pistole und später auch einer Schrotflinte, unter Beschuss zerfallen sie zusehends. Ebola Village zitiert sich schamlos durch Capcoms Schauer-Saga: Kombiniert verschiedenfarbige Heilkräuter, verwaltet ein knappes Inventar, speichert in Räumen mit Aufbewahrungstruhen – als erstmals ein Dorfbewohner mit Werkzeug nach Maria warf und aus geplatzten Köpfen aggressive Tentakel wuchsen, mussten wir schon lachen!
Technisch ist der Indie-Titel aus Russland solide: Außen- wie Innenbereiche laufen stabil, vereinzelte Grafik-Glitches und plumpe Inszenierung trüben den ordentlichen Gesamteindruck, der hinsichtlich Detailfülle zu keiner Zeit das Niveau seiner Vorbilder erreicht. Auch akustisch beeindruckt wenig: Die Sprachausgabe ist ausschließlich russisch und immer wieder irritieren störende Soundeffekte und die teils beliebig wirkende Tonabmischung.
Meinung
Michael Herde meint: Anfangs hatte ich den Eindruck, dass Ebola Village ganz großer dilettantischer Müll sei. Mit der Zeit fand ich aber Gefallen an dem trashigen Charme, der sich unverhohlen an den besten Resi-Episoden bedient. Spielerisch reißt es keine Bäume aus und gewinnt auch keinen Originalitätspreis – es spielt sich schlichtweg okay und weitgehend frustarm, abgesehen von kleineren Nervmomenten wie Orientierungslosigkeit oder interaktiven Einblendungen, die sich eigentlich auf den Nebenraum beziehen. Die Story bleibt leider ebenso blass wie die fahlen Gesichter der Zombies, die bei Treffern jedoch immerhin herrlich übertrieben zerfallen.
Wertung
+ spielt sich ordentlich
+ Gegner zerfallen lustig
+ trashiger Retro-Charme
– nur russische Sprachausgabe
– irritierende Einblendungen & Sound-FX
– dreister ”Resident Evil”-Abklatsch
Solider Survival-Horror mit hohem Trash-Faktor und vielen Anleihen an ”Resident Evil”.
Singleplayer65MultiplayerGrafikSound
