Sunderfolk ist ein Juwel, mit denen ihr Freunde zu Gamern macht

MeinMMO-Dämon Cortyn hat sich an Sunderfolk gewagt. Es gab viele Vorurteile und alle waren unbegründet. Das Spiel ist perfekt.

Vor einigen Tagen habe ich Besuch bekommen und mir in weiser Voraussicht überlegt, welches Spiel man denn gemeinsam zocken könnte, wenn man sich schon im gleichen Raum aufhält. Weil es im PlayStation-Store zu dem Zeitpunkt reduziert war und ich im Vorfeld viel Gutes darüber gehört hatte, entschied ich mich für Sunderfolk. Einfach mal ausprobieren. Man lebt nur einmal. Nachts ist’s kälter als draußen.

Ich weiß, warum Sunderfolk viele Leute abgeschreckt hat. Wenn man liest „Das Spiel wird nicht mit Gamepad gespielt, sondern mit Tablet oder Smartphone als Controller“, dann schalten die allermeisten Gamer sofort ab und denken sich: „kk thx bye, Mobile Schrott“.

Das weiß ich, weil ich auch so dachte. Aber ganz ehrlich: Ich lag so dermaßen falsch. Es funktioniert, denn auch wenn das Spiel über ein Mobile-Gerät gesteuert wird, ist es kein Mobile-Spiel.

Ich habe mich geirrt und das gewaltig. Sunderfolk funktioniert – und das ausgesprochen gut. Lasst mich erklären.

Was ist Sunderfolk eigentlich?

Sunderfolk wird auf einem großen Bildschirm gespielt – gemütlich in einer Runde auf der Couch, mit 2 bis 4 Personen. Hier braucht aber nicht jeder ein Gamepad, sondern ein Mobile-Gerät reicht.

Jeder schlüpft dabei in die Rolle eines tierischen Helden mit besonderen Fähigkeiten. Ein paar Beispiele:

Der Rabe kann Mana sammeln, um mächtige Zauber zu entfesseln. Flächenschaden, Illusionen oder auch das Teleportieren von Feinden oder Verbündeten, um sie aus der Gefahr zu retten – oder genau dorthin zu befördern.

Das Wiesel agiert dabei wie ein typischer Schurke. Es verursacht Bonusschaden, wenn es die Runde ohne direkten Kontakt zu einem anderen Charakter beginnt und so „in Verstohlenheit“ ist. Außerdem kann er mehrfach pro Runde zuschlagen und sich zwischen den Schlägen sogar bewegen.

Die Maus trägt einen riesigen Zweihänder und stürmt gerne an die Front. Sie schubst Feinde zurück, kann mehrere von ihnen mit Schwächungseffekten belegen und sich selbst resistenter gegen Schaden machen – eben ein Tank.

Gespielt wird dabei auf einem Hexagon-Feld, das ihr vielleicht aus Table-Top-Spielen kennt. Auf jedem Feld kann nur ein Charakter stehen und in der Regel können Charaktere auf angrenzenden Feldern attackiert werden.

Je nachdem, welchen der Helden ihr wählt, habt ihr andere Fähigkeiten – und andere Strategien zur Auswahl.

Welche Fähigkeiten ihr besitzt, hängt von eurer jeweiligen Klasse ab (also dem Tier, das ihr gewählt habt) und der Auswahl an Fähigkeiten, die ihr dann ganz persönlich getroffen habt.

Dabei haben Fähigkeiten zumeist mehrere Effekte, die der Reihe nach abgehandelt werden. Also etwa:

Bewege dich 3 Felder.

Greife einen Feind vor dir für 5 Schaden an.

Heile dich um 2 Lebenspunkte für jeden angrenzenden Feind.

Stoße alle Feinde um dich herum ein Feld weit zurück.

Ihr müsst dabei nicht alle Schritte einer Fähigkeit benutzen. Wenn ihr euch nicht bewegen wollt, überspringt ihr den Schritt – das gleiche gilt auch für Angreifen oder andere Effekte.

Welche Fähigkeiten ihr benutzen wollt oder wohin ihr euren Charakter zieht, entscheidet ihr über das Display eures Mobil-Geräts. Das funktioniert einwandfrei und ist ziemlich intuitiv.

Story – Zweckdienlich, aber ausreichend

Die Erzählung von Sunderfolk ist wie ein Pen&Paper aufgebaut. Ihr habt eine Erzählerin, die euch durch die Story führt und auch mehrere Charaktere gleichzeitig spricht – eben wie in Pen&Paper, wo der Spielleiter alle NPCs selbst vertont.

Dabei wechselt das Spiel immer wieder zwischen Kampf-Missionen und kleinen Story-Sequenzen. Die sind meistens nur wenige Minuten lang, bieten aber genug Rahmenhandlung, um bei Laune zu halten. Es ist eine recht seichte Story, die manchmal auch vorhersehbar ist – aber sie ist perfekt, um Neulinge an Gaming oder Pen&Paper heranzuführen.

Die englische Vertonung von Sunderfolk ist ein wahrer Genuss. Die Charaktere sind wunderbar vielfältig.

Die Charaktere und Bewohner des Dorfes haben dabei alle eine eigene Story, die ihr aber nur erfahrt, wenn ihr euch mit ihnen unterhaltet. Dann winken aber auch häufig Geschenke, die euch stärker machen. Besonders cool: Ihr könnt häufig Gegenstände, Personen oder Umstände im Spiel bennenen und es so personalisieren.

Ja, ich gebe zu, es war schon ein bisschen deppert, als ich die tolle, neue Verkaufs-Strategie des Händlers in Raubtierkapitalismus (weil es um Tiere geht … ihr versteht) umbenannt habe. Aber wenigstens ich musste danach jedes Mal Grinsen, wenn es vorkam.

Dabei ist gerade diese simple Teilnahmemöglichkeit ausgezeichnet. Sunderfolk braucht keine Accounts, keine Anmeldung. Man lädt sich die App auf Smartphone oder Tablet, scannt den QR-Code auf dem Bildschirm – und los geht es. Das ist so herrlich erfrischend unkompliziert und buchstäblich eine Sache von Sekunden.

Sowohl das Spiel als auch die App sind auch mit deutscher Sprachausgabe verfügbar, wir haben aber die englische Variante gespielt.

Gameplay, das Kommunikation fördert

Besonders erstaunlich finde ich, wie viel man sich beim Spielen von Sunderfolk unterhält – ganz von alleine. Das ist nämlich kluger Teil des Spieldesigns. Während man sich auf dem eigenen Bildschirm nämlich Fähigkeiten durchliest oder das Schlachtfeld nach Besonderheiten scannt, kann immer nur ein Charakter gleichzeitig eine Aktion ausführen.

Das heißt, wenn ich mich dazu entscheide, jetzt angreifen zu wollen – dann mache ich das einfach. Ich ziehe meine gewünschte Fähigkeitskarte nach oben und bin an der Reihe. Andere können erst agieren, wenn ich fertig bin. Da kann man natürlich egoistisch sein und immer als erstes Ziehen, aber das stellt sich oft als Fehler heraus.

Ganz von alleine entwickeln sich Gespräche, mit Strategien, im Stil von:

„Hey, wenn du jetzt diesen Oger anstürmst und nach hinten schubst, kann ich mit meinem Rettungssprung bis zu dir, sodass wir ihn töten und im gleichen Zug noch die Kiste öffnen können.“

„Oder ich könnte mich erst in die Feinde teleportieren und sie mit meinem Sog zusammenziehen, damit du dann deinen Flächenangriff machst und um uns herum Feuer legst.“

„Dein Barde könnte mir erst Tempo geben, damit ich weiter laufen kann und unser Krieger dann bis zu mir Vorrücken kann, um die beiden Feinde direkt über die Kante in den Abgrund zu stoßen.“

Klar, man kann egoistisch im Alleingang und wortlos agieren – aber darauf ist das Spiel nicht ausgelegt. Sunderfolk erschafft von ganz alleine Gespräche und die Gruppe als Ganzes fühlt sich gut, wenn sie eine Herausforderung bewältigt hat.

Um als Gruppe zu bestehen, müsst ihr miteinander reden.

Auch abseits der Kämpfe funktioniert das ausgesprochen gut. Denn nach einem Kampf hat man immer 5-10 Minuten im Dorf des Spiels. Hier kann jeder eine paar private Gespräche mit NPCs führen und Informationen bekommen, die man mit den anderen teilen kann – oder auch nicht.

Gleichzeitig arbeitet man gemeinsam daran, dass Dorf weiter auszubauen, um neue Händler oder Boni freizuschalten, wie etwa verbesserte Karten oder die Möglichkeit, stärkere Relikte verwenden zu können, die im Kampf Vorteile gewähren.

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Sunderfolk – Ein Juwel, das überzeugt, sobald man sich darauf einlässt

Für mich ist Sunderfolk eines dieser Spiele, bei denen ich bereue, es nicht zum Launch gekauft zu haben, um die Entwickler zu unterstützen. Meine Vorurteile haben das Spiel viel zu schnell abgeschrieben, obwohl es ein wirkliches Juwel ist, das Gamer und Nicht-Gamer gemeinsam genießen können.

Obwohl weder die Story noch das Gameplay besonders komplex ist, ermöglicht das Spiel zahlreiche Strategien und bringt einfach den Vibe eines gemeinsamen Spiele-Abends zurück. Es erinnert mich an die früheren Gaming-Zeiten, in denen man Mario Kart im Splitscreen gespielt hat, sich dabei unterhalten und gelacht hat.

Nur mit dem Unterschied, dass man bei Sunderfolk kooperativ agiert und durch den kleinen Privatbildschirm in der Hand immer wieder Infos bekommt, die andere nicht haben – was nur noch mehr Gespräche anregt.
Ich werde es in den kommenden Monaten auf jeden Fall noch einmal spielen und versuchen, es meiner Familie schmackhaft zu machen – das hatte in der Vergangenheit auch schon bei Split Fiction funktioniert.

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