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Nach ursprünglicher Planung sollte Terminator 2D: No Fate im Sommer erscheinen, aber nicht am dafür prädestinierten ”Judgment Day” (also dem 29. August), sondern eine Woche später. Ob sich Skynet für die Missachtung seines ”Feiertags” revanchiert hat, indem es für die Verzögerung(en) sorgte? Das werden wir wohl nie erfahren, denn nachdem das Spiel basierend auf dem Kinohit von 1991 nun endlich an den Start gegangen ist, wird darin der feindseligen KI natürlich Saures gegeben.
No Fate ist das jüngste Werk des englischen Entwicklerteams Bitmap Bureau (Xeno Crisis, Final Vendetta), zu dem der ruhmreiche niederländische Pixel-Künstler Henk Nieborg (Lionheart, Flink, Adventures of Lomax) inzwischen offiziell als Art Director gehört – quasi ein Dream-Team, was Spiele im Look der klassischen 16-Bit-Ära angeht. Als Maxime für ihr erstes Projekt auf Lizenzbasis wurde ausgegeben, dass sich das Resultat so anfühlen soll, als ob es gemeinsam mit dem Film Mitte der 1990er in einer Spielhalle gestanden haben könnte – und das ist ihnen mit Terminator 2D: No Fate gelungen.
Die Handlung des Films (plus einige zusätzliche, stimmige Ergänzungen) wird in seitlicher Ansicht meist in Run’n’Gun-Manier durch in alle Richtungen scrollende Levels nachgespielt. Hier und da tauchen Fahrzeugsequenzen auf, bei denen es vor allem um flinkes Ausweichen geht. Als vergleichbare Spiele nennt Bitmap Bureau Contra, Shinobi, Rolling Thunder, Elevator Action Returns und Metal Slug. Wobei wir nur Letzteres als nicht ganz so passend empfinden, denn bei Terminator 2D geht es doch weniger wild zu. Die meiste Zeit schlüpft Ihr in die Rolle von Sarah Connor, die von Gangs über Cyberdyne-Personal bis hin zu Cyborgs alles abballert, was sich ihr in den Weg stellt.
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Moment, Cyborgs? Ja, denn während sich der Storymodus im ersten Durchlauf strikt am Drehbuch orientiert, könnt Ihr danach an Schlüsselstellen andere Entscheidungen treffen. Die daraus resultierenden Verzweigungen schalten alternative Levels frei, bei denen Sarah unterem anderem auch in der Zukunft aktiv wird, wo Ihr sonst nur den erwachsenen Sohn John spielt. Ein Arcade-Modus ohne Storyschnipsel steht von Beginn an zur Verfügung, weitere Modi wie ”Boss Rush” oder eine ganz auf Sarah fokussierte Kampagne schaltet Ihr nach und nach frei. Einmal erlebte Levels können beliebig wiederholt und trainiert werden, allerdings nur auf dem bis dahin geschafften Schwierigkeitsgrad.
In Sachen Herausforderung hat Bitmap Bureau aus seinem vorherigen Spiel gelernt. Während Final Vendetta anfangs so manchen Frustanfall provozierte und nachträglich mit leichteren Optionen ergänzt wurde, habt Ihr bei Terminator 2D direkt die Wahl zwischen vier Stufen. ”Leicht” ist selbst für blutige Anfänger ein Klacks, auch ”normal” fällt eher anspruchslos aus – ausgenommen ein paar wenige Schlüsselstellen, bei denen Euch ein Fehler gleich komplett das Leben kosten kann, statt nur einen Punkt von der Leiste abzuknabbern. Ab ”Hasta la vista, baby” wird es dann durchaus anspruchsvoll, zumal jede Einstellung mit anderen Gegnerkonstellationen und teils neuen Hindernissen aufwartet.
Inszenatorisch liefert Terminator 2D ab, was versprochen wurde. Speziell die schicke Pixel-Grafik verzichtet bewusst auf modernere Effekte und man könnte sich diese so tatsächlich auf alter 16-Bit-Hardware vorstellen. Die Musik wiederum wurde auf heutiges Niveau gehoben und fängt den Stil des Soundtracks stimmig ein. Gesteuert werden kann zwar (quasi) analog, aber für ein authentischeres Gefühl nutzt Ihr das Steuerkreuz, zumal die Schüsse auf retrotypische acht Richtungen beschränkt sind.
Meinung
Ulrich Steppberger meint: Terminator 2 ist einiger der wenigen Filme, für die ich einst mehrmals ins Kino gegangen bin. Groß war also die Spannung, ob No Fate dem Vorbild gerecht wird und zugleich ein unterhaltsames Spiel ist. Tatsächlich kann ich hier zu beidem sagen: Mission erfüllt – allerdings nicht mehr als das. Mit Sarah & Co. durch die 2D-Levels zu rennen und zu ballern, spielt sich tadellos, hat ordentlich Pixel-Stil und macht nichts falsch – aber eben auch nichts wirklich spektakulär oder herausragend. So sympathisch ich es finde, dass Bitmap Bureau ein ”Genau wie damals”-Erlebnis liefern will (was ihnen fraglos gelungen ist) – etwas mehr ”moderne” Experimentierfreude wäre nicht verkehrt gewesen, sowohl spielerisch als auch inszenatorisch. Dass mit 16-Bit-Ästhetik noch mehr drin sein kann, hat jüngst etwa Neon Inferno aufgezeigt. Aber sei es drum: Wenn Euch nach ein paar flotten Runden klassischer und handwerklich routinierter 2D-Baller-Action ist, macht Ihr mit Terminator 2D nichts verkehrt.
Wertung
19 Levels
Storymodus mit mehreren Routen
Boss Rush & mehr freispielbar
Schwierigkeitsgrade für wirklich jeden
Sichtlich mit Liebe zum Detail produzierte Pixel-Action klassischer Art, die es mit der 1990er-Authentizität aber vielleicht etwas zu gut meint.
Singleplayer73MultiplayerGrafikSound
