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Da staunt Flynt Buckler nicht schlecht: Eigentlich wollte der wackere Held (mal wieder) das Schloss seines Drachen-Erzfeindes Tinder stürmen, aber das Gemäuer wurde zum nüchternen Großraumbüro umgebaut. Eine Firma aus der echten Welt hat die Chance gewittert, Märchenkreaturen als billige Arbeitskräfte und die Rohstoffe ihrer Bücher auszubeuten. Das kann natürlich nicht zugelassen werden, weshalb sich Flynt und Tinder zusammentun und auf die Reise durch mehrere Welten gehen. Schließlich wollen Mitstreiter gefunden und das Übel des Kapitalismus bezwungen werden!
Die Story gibt sich wenig subtil und punktet mit bissigem Humor, während die kunterbunte Optik einen gewitzten Kontrast liefert. Charaktere wie Umgebungen sind unübersehbar im gleichen Stil gehalten wie Nintendos Paper Mario-Abenteuer. Auch spielerisch haben sich die Macher unverhohlen inspirieren lassen – nicht nur beim Kampfsystem, in dem Ihr rundenweise agiert und eine gute Portion Timing angesagt ist, um Attacken und Blocks wirkungsvoll zu setzen. Jedes Mitglied Eurer irgendwann fünfköpfigen Truppe hat eigene Spezialfähigkeiten, die beim Erkunden und bei regelmäßig anfallenden Rätselaufgaben gefragt sind, weshalb Ihr meist unkompliziert zwischen den Charakteren wechseln könnt. Die Welten vom typischen Märchenwald bis zum düsteren Lovecraft-Städtchen sind erfreulich abwechslungsreich in Szene gesetzt, der aufdringlich jazzige Big-Band-Soundtrack leider weniger.
Meinung & Wertung
Ulrich Steppberger meint: Besser gut kopiert als schlecht selber entwickelt: Escape from Ever After leiht sich wirklich viel von Paper Mario und macht damit eine ordentliche Figur. Die humorvolle Optik ist blitzsauber und mit der ”Märchen vs. Kapitalismus”-Story setzt man gelungen eine ganz eigene Note. Auch das Kampfsystem mit den charakterspezifischen Attacken finde ich grundsätzlich stimmig. Allerdings ist es mir auf Dauer einfach nicht zuverlässig gelungen, das bei eigenen wie auch gegnerischen Aktionen oft sehr notwendige Timing zu treffen. Kriegt Ihr das besser hin, wächst der Spaßfaktor noch ein zusätzliches Stück an.
Skurriles wie gelungenes Rollenspiel in ”Paper Mario”-Manier, aber mit ein paar kleineren Tücken.
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